Dorfspiele: Das Olympia des Waldviertels feiert Jubiläum
Das Festzelt bebt, die Menge jubelt, die Stimmung ist auf dem Höhepunkt, wenn bei der Siegerehrung der Waldviertler Dorfspiele verkündet wird, wer von den teilnehmenden Gemeinden aus dem Bezirk Zwettl gewonnen hat.
„Dieses Gefühl, wenn man da mitten drinnen steht, das kann man nicht beschreiben, da muss man einmal dabei gewesen sein“, betont Georg Walter aus Langschlag bei Grafenschlag, der die „Waldviertler Dorfspiele“ gemeinsam mit seiner Frau Gabi vor 30 Jahren aus der Taufe gehoben hat.
Dabei sein kann man alle zwei Jahre, heuer vom 28. bis 30. August in Grafenschlag. Das „Olympia des Waldviertels“ ist in dieser Jubiläumsausgabe an den Ursprungsort zurückgekehrt. 5.000 bis 6.000 Personen werden erwartet.
16 Gemeinden aus dem Bezirk Zwettl treten in 14 Disziplinen gegeneinander an. Unter den Top-5 wird Großglobnitz erwartet – die Großglobnitzer treten seit dem ersten Tag stellvertretend für die Stadtgemeinde Zwettl an und waren immer unter den Besten. „Die Vorbereitungen auf die Wettkämpfe laufen bereits“, sagt Tamara Wagner, sie ist die Dorfspiele-Beauftragte von Großglobnitz. „Die Dorfspiele sind bei uns eine Tradition, wo alle dabei sein wollen“, sagt sie.
Die Siegergemeinde erhält heuer eine Hüpfburg.
Selbstläufer
Wenn es so weit ist, schlüpfen die Teilnehmenden und ihre Fans in ihre Dorfspiele-Shirts und pilgern an den Austragungsort. „Ursprünglich war es so gedacht, dass der Sieger die nächsten Spiele ,nach Hause holt’, mittlerweile hat es aber eine solche Dimension angenommen, dass nicht alle Gemeinden die Organisation stemmen können“, erklärt Georg Walter. Er rechnet vor: Rund 100 Athletinnen und Athleten braucht eine Gemeinde, bei 16 Gemeinden sind das 1.600 Personen, wenn jeder noch Angehörige mitnimmt, kommt man schnell auf eine große Zahl.
Weil manche Gemeinden wenige Einwohner haben, sind einige in mehreren Disziplinen gefordert. Bei den Disziplinen wird es bunt: Vom Beachvolleyball geht es über Schnapsen, Laufen, Feuerwehr- und Kinderbewerbe bis hin zur Musik und Landwirtschaft. Die austragende Gemeinde hat freie Wahl, welche Disziplinen es gibt und was dabei gemacht werden muss. Grafenschlag hat heuer etwa Fußball gestrichen, weil man selbst keine Mannschaft mehr hat, dafür aber einen Ortsbildbewerb eingeführt.
Letzterer soll es bis zum Schluss spannend machen, denn eine unabhängige Jury aus Gesandten des Landes NÖ und der „Dorferneuerung“ bewertet die Ortskerne. „Das ist so subjektiv, da kann man sich die Chancen schwer ausrechnen“, schmunzelt Georg Walter. Aus der Organisation haben sich die Walters zurückgezogen, die Spiele seien rasch zum Selbstläufer geworden, sagen sie. „Wir wollten etwas machen, mit Disziplinen für Alt und Jung gibt, für Sportler und andere, etwas, dass sie alle verbindet und das Gemeinschaftsgefühl stärkt“, erklärt Gabi Walter, deren Idee die Waldviertler Dorfspiele waren. Sie überzeugte schon bei der ersten Ausgabe 12 Gemeinden – und so wurde dann etwa beim Landwirtschaftsbewerb 1995 um die Wette gepflügt und die Förster traten beim Schießen gegeneinander an.
Gemeinschaft
Tamara Wagner, die früher beim Volkstanzen ihr bestes gab, betont auch, dass es trotz des Wettbewerbseifers zur Vernetzung mit den anderen Gemeinden komme. „Man trifft sich wieder, man hat Spaß und schließt neue Bekanntschaften“, sagt sie.
Weil die Bewerbe bei diversen Tennisplätzen, Beachvolleyballanlagen, Badeteichen oder in Hallen stattfinden gibt es in manchen Orten ein Shuttleservice – und auch die Schiedsrichter kommen zum Teil von weiter her, da die Unabhängigkeit gewährt werden sollte. „Vor allem beim Völkerball geht es immer heiß her“, so Georg Walter. In Grafenschlag richtet die Gemeinde die Dorfspiele aus – doch es ist auch ein Fest des Ehrenamtes, von dem das Olympia des Waldviertels lebt.
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