Aus für Spätgeborenen-Regelung: Schießt sich Verband ein Eigentor?
Debatte um Jugend-Fußball in NÖ.
Wer zwischen September und Dezember zur Welt kommt, gilt im Sport häufig als spätgeboren. In niederösterreichischen Fußballvereinen konnten diese Kinder bisher ab der U13 bei Bedarf und unter bestimmten Voraussetzungen in niedrigeren Altersstufen eingesetzt werden.
„Da war man flexibel als Verein“, sagt Melanie Steininger, Nachwuchsleiterin beim UFC Rastenfeld. Das soll sich jedoch in naher Zukunft ändern.
Der Niederösterreichische Fußballverband (NÖFV) hat vor rund einem Jahr angekündigt, die sogenannte Spätgeborenen-Regelung zu streichen. Nach Protesten wurde im Dezember 2025 schließlich ein schrittweises Auslaufen beschlossen. Statt die Regelung mit einem Stichtag abzuschaffen, wird sie nun über mehrere Saisonen hinweg zurückgenommen: Ab der Saison 2026/27 gilt sie in der U13 nicht mehr, in der U14 und U15 bleibt sie vorerst bestehen. Ab 2027/28 ist sie nur noch in der U15 möglich, ehe sie mit der Saison 2028/29 vollständig entfällt.
Steininger kann diesen Entschluss aus zwei Gründen nicht nachvollziehen.Besonders kleinere Klubs in ländlichen, geburtenschwachen Regionen seien auf die Regelung angewiesen, um Kader stellen zu können.Damit würden der Nachwuchsarbeit wichtige Handlungsspielräume genommen.Dadurch könnten Mannschaften im Waldviertel, aber auch in anderen Regionen, wegfallen.
Schwierige Spielersuche
Gleichzeitig befürchtet Steininger Nachteile für betroffene Jugendliche. Da innerhalb eines Jahrgangs Altersunterschiede von bis zu einem Jahr möglich seien, komme es häufig zu deutlichen Unterschieden bei Größe und Kraft. Zwar gebe es auch leistungsstarke Spätgeborene, oft seien diese jedoch körperlich unterlegen und würden innerhalb ihrer Altersklasse untergehen, schildert die Funktionärin ihre Erfahrung.
Die Spätgeborenen-Regelung sei eine Möglichkeit für benachteiligte Kinder, in niedrigeren Altersstufen positive Erfahrungen zu sammeln. Diese würden dazu beitragen, dass Jugendliche dem Fußball länger erhalten bleiben. „Jedes Kind, das beim Sport bleibt, ist wertvoll“, sagt Steininger.
Michael Frank, Funktionär beim Sportverein Waidhofen an der Thaya, sieht das Auslaufen der Spätgeborenen-Regelung ebenfalls kritisch. Bereits jetzt gestalte sich die Nachwuchsarbeit im Waldviertel schwierig: „Wir müssen um jedes Kind kämpfen, um jeden Jugendlichen, der Fußball spielt.“
Aufgrund der demografischen Entwicklung seien Vereine fernab der Ballungsräume benachteiligt. Nun werde ihnen ein „kleiner Vorteil“ genommen. „Deswegen sind wir auch stinksauer darüber“, sagt Frank. Er ist überzeugt, dass die Auswirkungen der neuen Regelung langfristig alle Vereine treffen werden.
Wir müssen um jedes Kind kämpfen, um jeden Jugendlichen, der Fußball spielt.
Funktionär
Um auf dieses Anliegen aufmerksam zu machen, haben mehrere Vereine eine Petition ins Leben gerufen. Auch der Österreichische Fußballbund (ÖFB) sei informiert, so Steininger. Die Bedeutung der Thematik sei bekannt, der Kontakt verlaufe wertschätzend. Den Austausch mit dem NÖFV sieht Steininger hingegen kritisch, es fehle die Kommunikation.
Einheitliche Lösung
Seitens des NÖFV heißt es auf KURIER-Anfrage, dass die Rückmeldungen der Vereine ernst genommen würden. „Uns ist bewusst, dass Regeländerungen im Nachwuchsfußball immer sensibel sind, weil sie unmittelbar Kinder, Eltern, Trainer und Vereine betreffen“, so der Verband in einem schriftlichen Statement. Zugleich sei es Aufgabe des NÖFV, langfristig tragfähige, sportlich sinnvolle und möglichst einheitliche Lösungen für den Nachwuchsfußball zu schaffen.
Das schrittweise Auslaufen der Spätgeborenen-Regelung sei notwendig, weil die bisherige Praxis immer wieder zu unterschiedlichen sportlichen Voraussetzungen, Wettbewerbsverzerrungen und schwer nachvollziehbaren Altersstrukturen geführt habe. Künftig solle stärker auf die tatsächliche körperliche Entwicklung von Kindern geachtet werden als auf den Geburtsmonat allein.
Um kleinere Vereine in ländlichen Regionen zu stärken, verweist der NÖFV auf mehrere Lösungsschritte. So bleibt in den Altersklassen U16 bis U18 weiterhin eine flexible Regelung bestehen. Zudem gebe es die Möglichkeit, nachweislich später entwickelte Kinder unter bestimmten Voraussetzungen in einer jüngeren Altersklasse spielen zu lassen. Ergänzend setzt der NÖFV auf FLEX-Modelle, kleinere Spielformen und Spielgemeinschaften.
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