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Extremsport: Warum ein Amstettner Sprungschancen nach oben läuft

Im Gespräch mit dem KURIER erzählt Extremsportler Thomas Raffetseder, worauf es beim Schanzenlaufen ankommt und was ihn antreibt.
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Zuerst ist das Gelände flach, dann steigt es immer mehr, bis zum Schluss, wo man sich mit den Händen festhalten muss, um nicht wieder hinunterzurutschen.

Wenn Thomas Raffetseder die letzten Meter einer Skisprungschanze hinauf kämpft, geht es längst nicht mehr ums Laufen. Die Beine brennen, die Lunge ringt nach Luft, jeder Schritt kostet Überwindung. Dann stellt sich der Amstettner immer dieselbe Frage: „Warum mache ich das?“ Die Antwort kommt erst später, wenn er oben angekommen ist.

Am 10. Juni stellte sich Raffetseder erneut einer der härtesten Herausforderungen des Laufsports. Bei der Red Bull 400 auf der Olympiaschanze in Sarajevo galt es, auf nur 400 Metern 170 Höhenmeter zu überwinden – bei einer maximalen Steigung von 73 Prozent. Nach 5:36 Minuten erreichte der Leiter eines Fitness-Studios in Amstetten das Ziel und belegte unter mehr als 250 Teilnehmern Rang zehn.

Eine Frage der Kraft

„Man muss einfach weiterlaufen, auch wenn es eigentlich nicht mehr geht“, beschreibt er die Qualen der letzten Meter. „Ich bin bei diesen Rennen immer weit über meinem Limit.“ Nur 600 bis 800 Schritte braucht es bis ins Ziel. Doch jeder Einzelne kostet Kraft. Nach Qualifikationsläufen kämpfen die schnellsten Teilnehmer um den Einzug ins Finale.

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Die letzten Meter nach oben sind die schlimmsten. Dafür braucht es mentale Stärke.

Dass Raffetseder zu den stärksten österreichischen Athleten dieser Nischensportart zählt, war nicht geplant. 2019 meldete er sich gemeinsam mit Freunden aus Spaß bei einem Bewerb in Innsbruck an. Zuvor hatte er im Kampfsport Erfolge gefeiert und unter anderem einen Europameistertitel im K-1 bis 60 Kilogramm gewonnen. „Ich habe etwas Neues gebraucht“, erzählt er. „Und es hat mir sofort Spaß gemacht.“

"Das war natürlich bitter"

Aus dem spontanen Versuch wurde ein ehrgeiziges Projekt. Jahr für Jahr arbeitete sich Raffetseder weiter nach vorne. Mittlerweile erreicht er bei vielen Rennen die Finalrunden. Doch wie knapp Erfolg und Enttäuschung beieinanderliegen, zeigte sich erst im Mai dieses Jahres. Bei der Red Bull 400 auf der Olympiaschanze in Sapporo in Japan verpasste er unter rund 2.000 Teilnehmern das Finale der besten 30 um lediglich eine Sekunde. 

„Das war natürlich bitter“, sagt er. Für seine Leistungen investiert der Amstettner viel Zeit. Sieben bis acht Trainingseinheiten pro Woche stehen auf dem Programm, manchmal trainiert er sogar zweimal täglich. Nur ein Tag bleibt für die Regeneration.

„Für diese Rennen braucht man vor allem starke Beine“, sagt Raffetseder. Krafttraining bildet deshalb die Grundlage seiner Vorbereitung. Ergänzt wird es durch Bergläufe, die Kraft und Ausdauer gleichermaßen fordern.

Vom Sport kann er nicht leben

Das Mindset trainierte er bereits die Jahre zuvor beim Kampfsport. „Da lernt man das Beißen“, erzählt er. „Ich war vor jedem Wettbewerb nervös, man lernt dann mit der Zeit, damit umzugehen.“

Doch vom Sport leben kann er nicht. Die Reisen zu Wettkämpfen in ganz Europa und darüber hinaus finanziert er größtenteils selbst. Unterstützung erhält er von Martin Freudenschuß, dem Eigentümer des Fitnessstudios, der ihn etwa bei Startgeldern oder Fahrtkosten unterstützt.

Oft reisen Freunde mit und verbinden die Wettkämpfe mit einem Kurzurlaub. „Ich habe noch nie einen Sport gemacht, der mich so an mein Limit bringt“, sagt er. „Aber genau dieses Gefühl danach ist etwas Besonderes.“

Ziel: Podestplatz

Für den Rest der Saison hat sich Raffetseder ein klares Ziel gesetzt: den ersten Podestplatz bei einem internationalen Rennen. Besonders große Hoffnungen setzt er auf den nächsten Bewerb: am 8. August in Liberec, Tschechien. Dass er sich dafür erneut quälen wird, steht außer Frage. Er ist körperlich und mental top vorbereitet. „Ich freue mich schon auf das Rennen“, sagt er und grinst dabei. Auch wenn er sich auf den letzten Metern vermutlich wieder dieselbe Frage stellen wird: Warum mache ich das? Doch die Antwort hat Thomas Raffetseder längst für sich selbst gefunden. Weil ihn kaum etwas mehr reizt als die Herausforderung, die eigenen Grenzen immer wieder neu auszuloten.

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