Chronik | Niederösterreich
04.08.2017

Waldviertel: Rekrut starb bei Heeresmarsch

Der 19-Jährige klagte über Schwindel und könnte an den Folgen eines Hitzschlags gestorben sein. Staatsanwalt ordnete Prüfung an.

Nach dem Tod eines 19-jährigen Rekruten während eines Stationsmarschs im niederösterreichischen Waldviertel hat eine Kommission des Bundesheers die Ursachenforschung übernommen. Auch die Kremser Staatsanwaltschaft lässt den Vorfall ab sofort mithilfe eines rechtsmedizinischen Gutachtens und einer Obduktion untersuchen. Wie der KURIER berichtete, soll der Rekrut über Beschwerden geklagt haben und im Spital gestorben sein. Unterdessen mehren sich Stimmen, die kritisieren, dass es verantwortungslos sei, an einem der bisher heißesten Tage einen Marsch durchzuführen.

Grundausbildung

Laut Verteidigungsministerium war eine Gruppe von 170 Rekruten erst drei bis vier Kilometer unterwegs, als es Donnerstagnachmittag nahe Horn zu dem Vorfall kam: Einem im ersten Ausbildungsmonat stehenden Rekruten wurde schwindelig. Nachdem er in die Kaserne gebracht wurde, untersuchte ihn ein herbeigeeilter Notarzt, der ihn ins Krankenhaus bringen ließ. Am selben Abend war der 19-Jährige tot. Insider berichten, dass der junge Mann schon recht bald überhitzt gewirkt habe, hochrot im Gesicht und schweißnass gewesen sein soll.

"Anzeichen deuten auf Hitzschlag hin"

Professor Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien will zwar keine Ferndiagnose stellen, da er die Krankenakte des 19-Jährigen nicht kennt, versucht jedoch nachzuvollziehen, wie es zu den Beschwerden kommen konnte: „Die Anzeichen deuten auf einen Hitzschlag hin. Wenn er auch noch eine Infektion hatte, dann war er schon geschwächt. Bei Hitze kann der Körper die hohe Temperatur nicht mehr kompensieren, die eigene Kerntemperatur steigt auf über 40 Grad an. Die Folgen sind Bewusstseinstrübung, Schwindel und erweiterte Blutgefäße – schließlich kann der Körper nicht mehr alle Organe ausreichend mit Blut versorgen, was zu einem Versagen führen kann.“

Der Marsch, bei dem laut Ministerium „vorbeugende Maßnahmen zur Linderung der Hitzebelastung befohlen wurden“, sei nach acht Kilometern abgebrochen worden. Weil es auch den Verdacht einer bakteriellen Infektion gab, wurden alle Soldaten vorsorglich mit Antibiotika behandelt. Das Militär rechtfertigt die Übung damit, dass man die Präsenzdiener zu einer Kondition führen will, die sie zu Einsätzen befähigt.