Wahl-Beben in St. Pölten: Massiver Absturz der SPÖ, Absolute ist Geschichte

Ein Mann mit Brille und Jacke steht vor einer roten Tür mit Hinweisen zum Wahllokal.
Matthias Stadler verliert bei den Gemeinderatswahlen 13,49 Prozentpunkte – und damit die sichere Mehrheit. Die ÖVP landet auf Platz zwei, die KPÖ schafft den Einzug in den Gemeinderat.

Es ist ein politischer Erdrutsch, der in der Landeshauptstadt von Niederösterreich die absolute Mehrheit der SPÖ an diesem Sonntag weggefegt hat. Schon die ersten Trends wiesen der einst so stolzen roten Hochburg, die seit über 60 Jahren mit absoluter Mehrheit von der SPÖ regiert wurde, ein Debakel aus. SPÖ-Bürgermeister Matthias Stadler hat die Niederlage seiner Partei bereits um 19 Uhr eingeräumt.

Die SPÖ landete laut dem vorläufigen Endergebnis bei nur 42,53 Prozent. Bei den Wahlen 2021 war sie noch als klarer Sieger hervorgegangen: Matthias Stadler konnte damals 56,02 Prozent und damit 25 Sitze im Gemeinderat holen – bei insgesamt 42 Sitzen die absolute Mehrheit.

„Ich bedauere sehr, dass wir nicht zu den Wahlgewinnern zählen“, sagte der SPÖ-Bürgermeister am Wahlabend und war dabei sichtlich angeschlagen. Aber er will sich noch nicht ganz geschlagen gegeben. Denn einen Rücktritt schloss er zunächst kategorisch aus. „Ich bleibe an Bord. Die SPÖ St. Pölten hat, wohlgemerkt mit mir als Spitzenkandidat, von den Wählerinnen und Wählern einen Auftrag erhalten.“ Er will selbst die Verhandlungen über die künftige Regierung der Stadt führen – und kündigt Gespräche mit allen Parteien an.

Frischer Wind

„Ich gehe davon aus, dass ich mir die Parteigremien das Vertrauen aussprechen und mich mit dem Führen von Gesprächen beauftragen werden.“ Die Zeiten seien nicht einfach, das Budget in Ordnung zu bringen sei nicht populär. Dennoch werde er versuchen, einen Partner für eine künftige Regierung zu finden: „Das ist in der Demokratie so.“

SPÖ-Bürgermeister Matthias Stadler im Interview

Wer hinter der SPÖ auf Platz zwei liegt, war hingegen lange nicht klar: Die ÖVP und die FPÖ lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, allerdings von völlig unterschiedlichen Startpositionen aus. Denn ÖVP-Spitzenkandidat Florian Krumböck hatte über 22 Prozent zu verteidigen, die FPÖ hatte zuletzt nur magere 8,9 Prozent eingefahren.

Nun liegen die beiden Parteien mit 21,38 Prozent für die ÖVP und 19,75 Prozent für die FPÖ knapp beieinander. „Von außen hatten wir widrige Umstände“, sagt Krumböck, der das eigene Ergebnis „unter diesen Rahmenbedingungen als gut“ bezeichnete. „St. Pölten bekommt auf jeden Fall den frischen Wind, den die Stadt benötigt“, stellte er fest.

ÖVP-Spitzenkandidat Florian Krumböck im Interview

Verhandlungen beginnen

Er werde mit der SPÖ reden, so diese auf die ÖVP zukommt, aber auch allen anderen Parteien gegenüber zeigt er sich offen. Selbiges kündigte auch Martin Antauer (FPÖ) an. „Die Bürger wollen eine freiheitliche Politik im Rathaus“, ist er überzeugt. Mit dem Fall der roten Absoluten sei das oberste Wahlziel erreicht.

Neben den Freiheitlichen durften sich an diesem Sonntag auch die Grünen als Wahlsieger fühlen. Sie holten 9,66 Prozent und damit im Vergleich zur letzten Wahl (8,01 Prozent) ein kleines Plus. Walter Heimerl-Lesnik lässt durchklingen, dass die Grünen ein Koalitionspartner für die SPÖ sein könnten: „Wir haben immer gesagt, dass wir mitgestalten wollen.“

Der frische Wind dürfte auch mit der KPÖ ins Rathaus wehen, die nach vielen Jahren politischer Arbeit endlich den Sprung in den Gemeinderat schafft. Max Zirngast will „für mehr soziale Politik sorgen“ und überholt mit 3,82 Prozent (2021: 1,11 Prozent) sogar die Neos. Für deren Spitzenkandidat Bernd Pinzer war es den ganzen Abend über eine Zitterpartie; mit 2,72 Prozent gelang es ihm jedoch, das Mandat von 2021 zu verteidigen.

KPÖ-Spitzenkandidat Max Zirngast im Interview

Ein Knackpunkt dieser Wahlen war die Wahlbeteiligung: 2021 nahmen nur 55,96 Prozent an den Gemeinderatswahlen teil. 2026 ging es also vor allem darum, mehr zu mobilisieren. 44.063 St. Pöltnerinnen und St. Pöltner waren wahlberechtigt. Die Beteiligung lag diesmal aber auch nur etwas höher, bei 59,1 Prozent.

Für die Parteien beginnen nun die Verhandlungen über mögliche Koalitionen. Den Bürgermeister wählt der Gemeinderat in seiner konstituierenden Sitzung.

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