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Chronik Niederösterreich
02/28/2020

Versalzene Suppe für gleich vier Wirte in Wr. Neustadt

Bekannte Betriebe sind fast zeitgleich in eine Insolvenz geschlittert. Der KURIER erfuhr die Gründe.

Die Registrierkassenpflicht und das Rauchverbot hat vielen Gastronomen arg zugesetzt. Wie schwer es derzeit ist, in der Branche den Kopf über Wasser zu halten, zeigen eklatante Fälle aus Wiener Neustadt. Binnen weniger Tage sind vier renommierte Innenstadt-Gastronomen in ein Insolvenzverfahren geschlittert. Szene-Gastronom und Caterer Hubertus Hartig, Roland Leibetseder vom Weißen Rössel am Hauptplatz, Maria Lechner mit ihrem Mary’s Coffeepub und Michael Kietreiber mit dem Ungar Bräu stecken allesamt in einem Schlamassel.

Gulasch mit Bier

Während Hartig und Lechner normal weiter machen wollen, hat das Ungar Bräu bereits dicht gemacht und im Weißen Rössel bekommt man übermorgen, Samstag, zum letzten Mal Gulasch. Die Stadtgemeinde will das Lokal, dass im Rathausgebäude am Hauptplatz untergebracht ist, von Grund auf sanieren und neu vergeben.

Die Gründe für die Pleiten der Gastronomen sind vielfältig. Eines können aber alle unterschreiben: „Bei den Rahmenbedingungen ist es schwer, zu überleben.“

Eine Art Schweizerhaus

Michael Kietreiber hatte im Sommer 2018 mit der Idee eines kleinen Schweizerhauses das Ungar Bräu eröffnet. Das Lokal sollte als zweites Standbein neben seinem Outdoor- und Army-Shop dienen, wurde allerdings zum finanziellen Grab. „Wo soll ich anfangen. Wenn man kein Familienbetrieb ist, setzen einem die Personalkosten immens zu. Nach nur drei Wochen ist der Koch in Langzeit-Krankenstand gegangen, aber ständig mit dem Fahrrad am Gastgarten vorbei geradelt“, schildert Kietreiber. Der Arbeitnehmerschutz habe es ihm anfangs unmöglich gemacht, das Vertragsverhältnis aufzulösen. Mit einem prall gefüllten Biergarten im Sommer ließen sich generell zwar gute Umsätze erwirtschaften. „Aber dem muss man den Personalaufwand gegenüber stellen. Die große Ernüchterung kam im Winter“.

Um die umsatzarme Zeit auszugleichen, wagte Kietreiber ein Experiment mit einem bekannten Online-Lieferservice. Das Resultat war verheerend. „Wir hatten in zwei Tagen 300 Bestellungen. Es ging drunter und drüber in der Küche, worauf vier Leute gleichzeitig kündigten. Da habe ich versucht, es alleine zu schaffen, was nicht ging“, so der Unternehmer. Er hofft nun, dass das Sanierungsverfahren angenommen wird. Vor allem deshalb, weil er mit seinem Geschäft für Outdoor-Equipment gerade neu in der Fußgängerzone eröffnet hat. Hauptgläubiger sind die Bank, die Gebietskrankenkasse und das Finanzamt.

Guinnessuppe und Schottland

Offene Beiträge bei der Gebietskrankenkasse waren es auch, die zum Konkursverfahren über „Mary’s Coffeepub“ in der Bahngasse führten. Der Betrieb geht aber zum Glück für Maria Lechner uneingeschränkt weiter. Gemeinsam mit ihrem Mann und teilweise bis zu sechs Angestellten schupft sie das schottische Pub, das für seine Guinnesssuppe und die ausgefallene Küche bekannt ist. „Wenn man sich nicht von anderen Lokalen abhebt, ist es ganz schwer zu bestehen. Wir versuchen bewusst, anders zu sein“, sagt Lechner.

Das Rauchverbot in der Gastronomie sieht sie für ihr Lokal als durchwegs positiv. „Unsere Gäste honorieren das“, so die Wirtin. Kopfzerbrechen bereitet ihr hingegen die Schanigarten-Regelung. Im Sommer bereits um Mitternacht schließen zu müssen, sei furchtbar.

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