© Sophie Seeböck

Chronik Niederösterreich
07/22/2021

"Unter die Räder gekommen": Das stille Sterben der Fleischereien

In einem Bezirk mit 26.000 Einwohnern sperrt demnächst der letzte Fleischhacker zu. Diese Entwicklung ist österreichweit zu beobachten.

von Johannes Weichhart, Sophie Seeböck

Es ist das Ende einer Ära, die viele traurig macht, in der Fleischerei Illmeyer in Lilienfeld in Niederösterreich aber nochmals für ordentlich Stress sorgt. „Wir haben derzeit nicht viel Zeit, die Kunden laufen uns gerade die Türe ein“, sagt Gabriele Illmeyer. 1958 gegründet, wurde der Betrieb von ihrem Mann Herbert im Jahr 1981 übernommen. Am 31. Juli wird der Schlüssel zu dem Geschäft nun zum letzten Mal umgedreht, es wartet die wohlverdiente Pension.

Abschied fällt schwer

Aber zuvor herrscht bei den Illmeyers noch einmal Hochbetrieb. Auch deshalb, weil es künftig im gesamten Bezirk Lilienfeld mit seinen mehr als 26.000 Einwohnern keinen Fleischereibetrieb mehr geben wird. Der Abschied fällt den Bürgern, aber auch den Unternehmern selbst deshalb umso schwerer. „Es ist eigentlich kaum zu glauben, dass wir der letzte Betrieb dieser Art in der gesamten Region sind. Leider ist aber auch bei uns die Suche nach einem Nachfolger erfolglos geblieben.“

Bedenklicher Trend

Das stille Sterben der Fleischereien – ein Phänomen, das man in Niederösterreich schon seit vielen Jahren beobachtet. „Ich denke, dass wir jetzt die Talsohle erreicht haben“, meint Jakob Ellinger, Innungsmeister der Fleischer im Bundesland Niederösterreich. Es schwingt bei ihm also die Hoffnung mit, dass es nicht mehr recht viel schlimmer werden kann.

Lehrlinge

Der Trend war in den vergangenen Jahren in Niederösterreich jedenfalls unaufhaltsam: Gab es im Jahr 2000 noch 4.174 unselbstständig Beschäftigte mit dem Tätigkeitsschwerpunkt „Fleischer“, so waren es 2020 nur noch 2.633 Personen.

Kein Wunder also, dass auch die Zahl der Lehrlinge sinkt. Wollten 2005 österreichweit noch 620 junge Frauen und Männer in dieser Berufssparte Fuß fassen, so sind es heuer nur noch 318. „Es wird deshalb auch immer schwieriger, Fachkräfte zu bekommen“, heißt es seitens der Wirtschaftskammer Österreich.

„Rendite ist zu gering“

Für Fleischermeister Ellinger liegen die Gründe für diese Entwicklung auf der Hand. „Zum einen sind die Rendite einfach zu gering“, sagt er. Deshalb sei es vor allem für Familienbetriebe schwer, Nachfolger zu finden. „Die Jungen wollen sich das oft nicht mehr antun, weil sie darin keine wirtschaftliche Perspektive mehr sehen.“

Ein weiteres Problem sei, „dass die Fleischereien zwischen dem Lebensmitteleinzelhandel und den Direktvermarktern förmlich eingequetscht werden. Dadurch kommen sie unter die Räder“. Die größte Ursache für den Rückgang sei aber der Preis des Fleisches, ist sich der Innungsmeister sicher. „Es ist zu billig und verkommt damit leider zu einem Abfallprodukt“, sagt Ellinger. „Kleine Betriebe können mit den Aktionsangeboten der Supermarktketten unmöglich mithalten. Und wie man ja weiß, beginnt das Tierwohl bei der Geldbörse des Kunden.“

Um eine Trendumkehr zu schaffen, müsste auch die Politik verstärkt aktiv werden. „Ich bin der Meinung, dass die kleinen Fleischereibetriebe zum Kulturgut gezählt werden sollten“, meint Ellinger, der selbst einen Betrieb in Krems an der Donau führt.

Zurück in das Geschäft der Familie Illmeyer nach Lilienfeld. Dort will man sich noch bei den Kunden bedanken, die ihnen so lange die Treue gehalten haben. Denn auch Feuerwehren, Wirte und Vereine waren in den vergangenen 40 Jahren wichtige Abnehmer.

Jetzt müssen sie sich wohl einen neuen Lieferanten suchen.

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