Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Das halbe Tierschutzhaus übersiedelt von Vösendorf nach Wöllersdorf

Neubau auf vier Hektar großem Areal ab kommendem Jahr soll baufällige Quartiere ersetzen - und Platz für wachsende Zahl an Wildtieren schaffen.
Ein Mann und zwei Frauen stehen vor einem Feld

Der Platz wird knapp im Tierschutzhaus in Vösendorf. Mehr noch: der vorhandene Platz ist aufgrund von Altlasten und Baumängeln nur noch eingeschränkt für die Unterbringung von Tieren - und Menschen - geeignet. Denn die Zahl der zur Pflege anvertrauten Schützlinge nimmt zu, wie Präsidentin Madeleine Petrovic berichtet. 

Daher habe man bereits überlegt, den Standort gänzlich aufzugeben. "Wegen der guten Lage in Wien-Nähe und der guten Erreichbarkeit wollen wir das aber doch nicht tun", sagte Petrovic am Donnerstag in Wöllersdorf-Steinabrückl. Denn in der Gemeinde im Bezirk Wiener Neustadt-Land soll nun ein neues Tierschutzhaus entstehen, das rund die Hälfte der Belegschaft aus Vösendorf aufnehmen kann.

Ein vier Hektar großes Grundstück unweit der A2-Abfahrt Wöllersdorf hat der Verein Tierschutz Austria dafür bereits erworben. Erste Angebote für die Planung des neuen Gebäudes wurden ebenfalls schon eingeholt. Bis zum Ende des Jahres hofft die Präsidentin, entsprechende Entscheidungen getroffen und in die Detailplanung eingestiegen zu sein. Ein Spatenstich Anfang 2027 wäre ihr Wunsch, so Petrovic. 

"Zehn bis zwanzig Millionen Euro"

Die Vorgaben sind klar: "Großzügige, moderne Tierunterkünfte und Versorgungseinrichtungen" sowie ein Energiekonzept, das durch Erdwärme und Photovoltaik das neue Tierschutzhaus möglichst energieautark machen soll. Einen genauen Kostenrahmen gebe es noch nicht, so Petrovic. Sie rechne mit "zehn bis zwanzig Millionen Euro". Nachsatz: "Ich hoffe natürlich, dass wir näher bei zehn Millionen liegen werden."

In Vösendorf sei aufgrund von Kontaminationen wohl ein Abriss einiger Gebäude nötig, berichtete die Präsidentin: "Es besteht keine Einsturzgefahr und es ist auch nichts Giftiges dabei, aber vieles ist einfach in die Jahre gekommen." Rund 2.600 Tiere werden aktuell dort von etwa 120 Beschäftigten - und einer Vielzahl an zusätzlichen freiwilligen Helfern - betreut. Rund die Hälfte davon wolle man nach Wöllersdorf übersiedeln. Vor allem verletzte Wildtiere würden immer öfter ins Tierschutzhaus gebracht: "Wenn früher zum Beispiel ein kleiner Vogel aus dem Nest gefallen ist, hat man gesagt, das ist schade, aber eine Katze oder ein Fuchs freuen sich darüber. Heute bringt man Vögel häufiger zu uns und wir können sie retten."

"Keine Lärmbelästigung"

Auch die Zahl behördlich abgenommener Tiere nehme zu. So leben derzeit unter anderem auch zwei Krokodile in Vösendorf. Vor Lärmbelästigung durch bellende Hunde oder zwitschernde Vögel müssten sich die wenigen Anrainer des Geländes im Wöllersdorfer Betriebsgebiet aber nicht fürchten, versichert Madeleine Petrovic: "Wir werden das entsprechend planen." Zusätzlich betreibe der Verein auch eine Wildtierstation in Gloggnitz im Bezirk Neunkirchen.

Bürgermeister Florian Pfaffelmaier freut sich auf den Neubau. "Wir wollen uns als Vorzeigegemeinde im Bereich des Tierschutzes positionieren, haben auch eine eigene Tierschutzbeauftragte und einen Arbeitskreis gegründet." 42 Prozent des Gemeindegebietes von Wöllersdorf-Steinabrückl sei bewaldet, berichtete der Bürgermeister: "Daher spüren wir eine große Verantwortung für den Artenschutz."

Kommentare