Drogenschmuggel aus Thailand: Wenn der Urlaub im Gefängnis endet
Der 24-Jährige sei bisher nie vor einem Richter gestanden, übersetzt der Dolmetscher die Angaben des Angeklagten. „Heute stehen Sie vor einem“, stellte Richter Manfred Hohenecker trocken fest. Und das verdient: Der Mann hatte versucht, einen Koffer mit insgesamt 16,6 Kilogramm Cannabis von Bangkok nach Luxemburg zu schmuggeln – mit Zwischenstopp in Wien. Dort endete die Reise für den portugiesischen Staatsbürger mit einer Festnahme.
Damit ist der 24-Jährige, der sich am Dienstag im Landesgericht Korneuburg verantworten musste, nur eines von vielen kleinen Rädchen in einer großen Maschinerie. 2022 beschloss Thailand nämlich, als erstes Land in Asien Cannabis zu legalisieren – in der Hoffnung, die Wirtschaft nach den Corona-Jahren anzukurbeln.
In die Gänge gekommen ist damit aber vor allem der illegale Drogenhandel, wobei den Kriminellen die vielen Touristinnen und Touristen gerade recht kommen. Sie übernehmen ihre Flugkosten, ihre Unterkunft und legen auch gerne noch ein paar Tausender drauf, wenn sie im Gegenzug einen Koffer voller Cannabisprodukte mit nach Europa nehmen. Wie im Falle des Angeklagten, der sich trotz klarer Beweislage nicht dazu durchringen konnte, ein reumütiges Geständnis abzulegen.
Hohes Strafmaß
„Thailand ist für uns ein spezielles Thema geworden“, sagt Daniel Lichtenegger, Leiter des Büros für Suchtmittelkriminalität des Bundeskriminalamtes. Alleine von 2024 bis dato seien in Österreich rund 1,5 Tonnen Cannabis gefunden worden. 2026 liege man bereits bei 480 Kilogramm. „Es gibt also keine Abflachung“, erklärt Lichtenegger – auch wenn Thailand die Regelungen mittlerweile wieder verschärft hat. Dabei sind die Täter mehrheitlich männlich, um die 30 Jahre alt und zumeist aus Großbritannien, Deutschland oder den Niederlanden.
„Bei den Zielflughäfen ist London die Nummer eins“, so Lichtenegger. Viele der Drogenkuriere, die über Messenger-Dienste, soziale Medien oder vor Ort kontaktiert und angeleitet werden, schaffen es aber gar nicht erst dorthin. Meistens ist schon beim Zwischenstopp Schluss – in vielen Fällen auch im zentral gelegenen Wien.
„Die Täter gehen ein hohes Risiko ein“, schildert Lichtenegger. Denn abgesehen davon, dass die Cannabisprodukte einfach nur in Vakuumbeuteln in die Koffer gelegt werden, droht auch eine Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren. Für den 24-Jährigen in Korneuburg setzte es drei Jahre, das Urteil ist bereits rechtskräftig.
„Es geht nicht um Einzelfälle, sondern darum, wer hinter den Netzwerken steckt.“
Bundeskriminalamt
„Es ist wichtig, dass in Österreich hart gestraft wird, auch wenn wir nur ein Transitland sind. Darauf reagieren die Tätergruppen sofort“, weiß Lichtenegger. Derweil würden Verbindungsbeamte mit den thailändischen Sicherheitsbehörden im Kontakt stehen. Infos werden auch europaweit abgeglichen, um auf aktuelle Lagen reagieren zu können.
Denn unterm Strich gehe es nicht um Einzelfälle, sondern um professionelle Netzwerke, die hinter den Kurieren die Fäden ziehen. „Der Straßenverkaufswert in Europa liegt bei zehn Euro für ein Gramm. Hier geht es also um jede Menge Geld“, macht Lichtenegger die Dimension bewusst.
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