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Rainers Vermächtnis: „10er“ thront als Denkmal über Ternitzer Parkbad

Der Aufschrei war groß, nun ist die Lösung fix: Ternitz rettet den legendären „10er“, schafft daneben aber eine neue Sportanlage.
Ein hoher Sprungturm mit mehreren Plattformen steht neben einer bunten Kletterwand im Freien unter bewölktem Himmel.

Roland Rainer zählte ab den späten 1950er-Jahren zu den bedeutendsten Architekten der Nachkriegsmoderne. Aus seiner Feder stammen Bauten wie die Wiener Stadthalle , das Stadthallenbad oder das ORF -Zentrum am Küniglberg.

Auch dem Ternitzer Stadtbild drückte Rainer seinen markanten Stempel auf. Die monumentale Stadthalle, die Hauptschule, Wohnhaussiedlungen und das Parkbad mit seinem legendären 10-Meter-Sprungturm tragen die Handschrift des bekannten Architekten.

Groß war der Aufschrei, als die Stadt den Turm mit der Abrissbirne beseitigen wollte. Im monatelangen Streit um den Erhalt des maroden 10-Meter-Sprungturms hat die Stadtgemeinde massive Kritik einstecken müssen.

SPÖ-Vizebürgermeister Peter Spicker zeigt die neue Boulderwand unter dem Sprungturm.

SPÖ-Vizebürgermeister Peter Spicker zeigt die neue Boulderwand unter dem Sprungturm.

„Selten so abgewatscht worden“

Namhafte Architekten, die Initiative Denkmalschutz und „Bauten in Not“ hatten gegen den geplanten Abriss des Turms mobil gemacht. „Ich bin als Politiker selten so abgewatscht worden. Aber ich glaube, die Lösung ist der beste Kompromiss“, erklärt SPÖ-Vizebürgermeister Peter Spicker .

Am Freitag wird der „10er“ offiziell seiner neuen Bestimmung übergeben. Er bleibt als Andenken an den berühmten Architekten stehen. Abgerissen wurde hingegen das marode Sprungbecken . Die frei gewordene Fläche hat man nun zu einem Sportplatz für die Jugend umgebaut.

Neben dem Beachvolleyball-Platz gibt es nun einen Pickleball- und Basketball-Court, Tischtennis, Wiesen-Soccer und eine Boulderwand im Schatten des Sprungturms. Mit der Ternitz-Card kann die Anlage auch außerhalb des Badebetriebs von Schulen und allen Interessierten ab März genutzt werden.

Leeres Schwimmbecken mit Schwimmbahnen im Freien, im Hintergrund eine rote Wasserrutsche und Bäume.

Das Ternitzer Parkbad Blub.

Kostenexplosion

Die Sprunganlage aus den 1960er-Jahren war ein schwerer Sanierungsfall. Wegen technischer Mängel war der Turm bereits sechs Jahre lang gesperrt. Die Stahlarmierung kam bereits zum Vorschein. Eine Gesamtsanierung war mit Kosten von 3,2 Millionen Euro für die Stadt undenkbar.

Den Totalabriss hatte die Initiative zur Rettung des Wahrzeichens zwar verhindert, mit dem Kompromiss ist man dennoch nicht zufrieden. Den Erhalt des Turms alleine bezeichnet die Gruppe „Bauten in Not“ als „Farce“ und „gescheiterten Denkmalschutz“.

Spicker ist klar, dass man es in der Debatte nicht jedem Recht machen konnte. „Aber wir haben eine schöne Anlage geschaffen, die besonders der Jugend zugute kommt.“

Apropos Roland Rainer : Dem Doyen der Nachkriegsarchitektur war vor einigen Jahren sogar eine Ausstellung über seine Rolle als Planer im „Dritten Reich“ gewidmet. Dabei wurde auch seine NSDAP-Parteimitgliedschaft thematisiert.

Rainer selbst hatte seine architektonischen und planerischen Arbeiten in der NS-Zeit von 1936 bis 1945 aus seinem Werkverzeichnis völlig ausgeblendet. Auf einer Tafel im Parkbad weist die Stadtgemeinde Ternitz auch auf diese Geschichte hin.

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