Mostbarone kämpfen um Streuobstwiesen: Anspannung wegen Dürre
Trockheit in den Obstgärten beunruhigt: Noch hoffen Mostbarone auf rettenden Regen.
„Die großen alten, weltweit einzigartigen Birnenbäume sind unser Schatz, den wir pflegen und hegen wollen“, heißt es im Mostviertel. Konfrontiert mit zunehmenden klimatischen und wirtschaftlichen Herausforderungen beim Erhalt der Mostviertler Streuobstwiesen, holen sich die Mostbarone nun mit gut ausgebildeten Naturvermittlern fachkundige Verstärkung an Bord.
Interessierten Gästen soll der Wert der Obstgärten noch mehr bewusst gemacht werden und dadurch auch die Wertschätzung für die Obstprodukte noch steigen, sagt ein Pionier der Produzentengruppe der Mostbarone, Toni Distelberger.
Zunehmender Druck auf Streuobstwiesen
Obwohl Österreichs Streuobstanbau von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe ausgezeichnet und geschützt ist, gefährden der wirtschaftliche Druck auf die Bauern, die Überalterung und Krankheiten den Bestand der Obstwiesen dramatisch. Zwar noch nicht im Mostviertel - aber in anderen Regionen und Bundesländern sind Streuobstwiesen mittlerweile sehr selten geworden. Von einst 35 Millionen Bäumen im Jahr 1930 sind 2020 nur mehr 4,2 Millionen übrig geblieben.
Mostbarone und mit Naturvermittler Reinhard Leeb (r.).
„Ungeheure Artenvielfalt“
Der Verlust sei enorm, schildert Distelberger. Schöne blühende Naturräume, Erholungszonen für die Menschen, Windschutz und vor allem derzeit wieder höchst willkommene Schattenspender würden fehlen. Für Reinhard Leeb, einen jener Naturvermittler, die künftig ihr geballtes Wissen über Fauna und Flora in fünf beschilderten Erlebnisgärten der Mostbarone weitergeben werden, sind die Streuobstwiesen riesige Biotope „mit einer ungeheuren Artenvielfalt“.
Naturvermittler Reinhard Lee im Obstgarten.
Studien zeigten, dass über 450 Tierarten in diesen Gärten leben. In elf ausgewählten Mostviertler Streuobstwiesen wurden unter anderem an die 15 Fledermaus-, mehrere Spechtarten und zahlreiche Vogel- und Insektenarten festgestellt. Ein Grundmanko sieht Leeb auch darin, dass zwei Drittel des Baumbestands in Streuobstwiesen überaltert sind.
Er und bislang drei Kolleginnen sind künftig für Touren auf den Erlebnispfaden Mostbaronsgärten buchbar. Die Tour kostet 200 Euro für Gruppen bis zu 20 Leuten.
Aktuell zeigt sich in den Mostobstkulturen aufgrund der Dürre ein bizarres Bild. Die Wiesen sind braun und ausgetrocknet, die Birnbäume trotz des sich verfärbenden Laubs aber voller Früchte.
Widerstandsfähige Mostbirnbäume
„Es ist erstaunlich, was die Obstbäume aushalten“, sagt Distelberger. Weil es im Vorjahr ganz wenig Obst gab und sich die Bäume durch große Regenmengen im Sommer richtig vollgesogen hätten, gebe es heuer viel Obst auf den Bäumen, sagt Edelproduzent und Primus der Mostbarone Bernhard Datzberger.
Er schätzt, dass die Mostobsternte heuer drei bis vier Wochen früher einsetzen wird als üblich. Davor brauche es aber in den nächsten zwei bis vier Wochen noch dringend 50 bis 100 Liter Regen pro Quadratmeter. Dann könnten die derzeit noch kleinen Birnen noch an Volumen zulegen.
„Noch bin ich zuversichtlich“, sagt Datzberger. Sollte es bis in den Oktober hinein nicht regnen, werde die Situation allerdings dramatisch, „dann staubt’s aus den Pressen“, scherzen die Mostbarone trocken.
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