© Michael Pekovics

Chronik | Niederösterreich
06/18/2019

Stimmung gegen muslimische Familie, Anwalt sucht Gespräch

Die Anrainer haben Angst vor Veränderung im Dorfleben. Andere Bewohner haben kein Problem mit dem Zuzug.

Der 265-Seelen-Ort Dörfles in der Gemeinde Weikendorf (Bezirk Gänserndorf) kommt seit Wochen nicht zur Ruhe. Der Grund: Die palästinensische Familie Abu El Hosna ist auf der Suche nach einem neuen Zuhause und will dazu ein Haus in Dörfles erwerben.

Doch Bürgermeister Johann Zimmermann (ÖVP) teilte der Grundverkehrskommission mit, dass die Gemeinde „kein Interesse“ am Zuzug der Familie habe. „Die unterschiedlichen Kulturkreise der islamischen sowie der westlichen Welt“ würden „in ihren Wertvorstellungen, Sitten und Gebräuchen weit auseinander liegen“, so der Ortschef in seiner Stellungnahme.

Seit kurzem werden außerdem auf Initiative von Anrainern Unterschriften gegen den geplanten Umzug gesammelt. Ein KURIER-Rundruf unter den Bewohnern von Dörfles ergab, dass viele mit der Entscheidung des Bürgermeisters zufrieden sind.

Familie Abu El Hosna

Die Gründe für die Ablehnung der Familie sind unterschiedlich. „Ich habe persönlich nichts gegen sie. Aber offenbar ist die finanzielle Situation der Familie angespannt. Und da frage ich mich, warum die sich dann ein Haus leisten können oder einen Kredit bekommen. Darum habe ich bei der Aktion unterschrieben“, erklärt ein Anrainer, der in der Nähe des Hauses wohnt, das die Familie kaufen will.

Angst vor Scharia

Andere Ortsbewohner machen kein Geheimnis daraus, dass die Herkunft der Familie sehr wohl ein Problem für sie darstellt, wie ein weiterer Anrainer erzählt: „Ich habe das unterschrieben, weil ich glaube, dass diese Familie nur Probleme in unseren Ort bringt und solche Leute nicht zu uns passen.“

Die Rechtfertigungen der Ablehnung mancher Anrainer nehmen skurrile Auswüchse an. So befürchtet ein Mann die Einfuhr der Scharia als Grundgesetz. Wieder andere fürchten sich vor unkontrollierte Zuwanderung.

Suche nach Gespräch

Doch nicht alle Bewohner von Dörfles haben Angst vor den neuen Nachbarn: „Ich habe nicht unterschrieben, weil ich es nicht für wichtig erachte, dass man sich über den Zuzug einer Familie in unser Dorf so aufregt“, erzählt ein Anwohner, der ebenfalls nur wenige Meter vom potenziellen Haus der Familie entfernt wohnt.

Der Anwalt der Familie will sich zum Stimmungsbild nicht äußern. Er erzählt aber, dass es ein Gesprächsangebot seitens der Familie an den Bürgermeister gibt – bisher ohne Erfolg. Die Gemeinde hat eine Fristverlängerung für eine Stellungnahme beantragt. Diese endet nun am Mittwoch. Danach hat der Anwalt der Familie erneut die Möglichkeit, Stellung zu nehmen. Eine endgültige Entscheidung der Grundverkehrskommission wird also noch etwas dauern.