Stift Melk: Nächste Bauetappe der Restaurierung beschlossen
Im Zuge der Restaurierung sollen unter anderem die Bücherregale und die Fresken in neuem Glanze erstrahlen.
Zusammenfassung
- Die Restaurierung der Stiftsbibliothek Melk läuft seit 2022 und umfasst nun die aufwendige Sanierung der barocken Prunkräume.
- Bis 2032 werden rund zwölf Millionen Euro investiert, finanziert durch das Stift, das Land Niederösterreich und Spendenaktionen wie Buchpatenschaften.
- Maßnahmen zur Sicherheit und zum Erhalt der Bücher werden umgesetzt, auf eine Klimaanlage wird wegen stabiler Temperaturen verzichtet.
Das Stift Melk thront hoch über der Donau, seine charakteristischen gelben Mauern scheinen seit über drei Jahrhunderten unbeirrbar der Zeit zu trotzen. Doch der Schein trügt: Wind, Wetter und Geschichte haben ihre Spuren hinterlassen.
Risse ziehen sich durch das Mauerwerk, Farben verblassen, Strukturen ermüden, die Sicherheit muss auf den neuesten Stand gebracht werden. Hinter den ehrwürdigen Fassaden verbirgt sich heute eine der größten historischen Baustellen des Landes.
Zehn Jahre soll die Restaurierung der Stiftsbibliothek in Anspruch nehmen. Seit Baubeginn 2022 ist schon viel geschehen: Die Fassadenmalerei der Nordbastei wurde wiederhergestellt, die Innenfenster im Juvenat wurden restauriert, Ölbilder erhielten wieder ihren alten Glanz.
Am Mittwoch wurde in einer Sitzung des Kuratoriums nun die nächste und aufwendigste Bauetappe beschlossen - die Restaurierung der barocken Prunkräume.
Gerüste und Leitern
Derzeit liegt in der Bibliothek feiner Staub in der Luft. Leitern und Gerüste stehen vor den teilweise schon leer geräumten Regalen, am Boden liegt die Holzkonstruktion für den Unterboden. In dieser Etappe sollen Wand- und Deckengemälde, Holzregale und die vergoldeten Zierelemente restauriert werden.
Dabei wird der denkmalpflegerische Grundsatz, Eingriffe auf das unbedingt Erforderliche zu beschränken, berücksichtigt. Abt Ludwig Wenzl betont: „Wir wollen die Einzigartigkeit der Bibliothek auch für kommende Generationen unverfälscht erhalten.“
Vor den Bücherreihen sind derzeit Gerüste aufgebaut - eine Besichtigung ist trotzdem möglich.
Christliche Wurzeln für Identität und Orientierung
Der Einzigartigkeit stimmt Leiter der Abteilung Kunst und Kultur des Landes NÖ Hermann Dikowitsch zu: „Die Bibliothek ist das Zentrum des Glaubens, des Wissens und der Kultur. Gerade in diesen Zeiten sind christliche Wurzeln für Identität und Orientierung wichtig.“
12 Millionen Euro
Die Restaurierung des Projekts kostet rund zwölf Millionen Euro und dauert noch bis 2032. Das Stift Melk trägt selbst 47 Prozent der Kosten, das Land Niederösterreich unterstützt mit 1,7 Millionen Euro. Auch der eigens gegründete Spendenverein Ex Litteris Immortalitas - zu deutsch „durch Bücher unsterblich“ steuert pro Jahr rund 100.000 Euro bei.
Das Geld wird bei Fundraising-Veranstaltungen oder durch Buchpatenschaften gesammelt. Für eine Spende von 500 bis 2.500 Euro kann man Patin oder Pate eines historischen Buches werden. Im Jahr 2025 wurden 63 neue Patenschaften geschlossen, ein Umsatz von 58.000 Euro. Dieser kommt den Büchern direkt zugute: sie werden gereinigt und Schäden kartiert.
Auch die historischen Bücher werden repariert und digitalisiert.
Auch die Sicherheit spielt eine große Rolle - immerhin ist das Stift Melk ein bedeutender touristischer Ausflugsort. Über den Donauradweg sowie über die Schifffahrt kommen pro Jahr mehr als 450.000 Besucherinnen und Besucher nach Melk.
Das erhöht die Sicherheitsvorkehrungen: Eine Notbeleuchtung soll angebracht werden, ebenso eine Brandlöschanlage.
Allerdings verzichtet man auf eine Klimaanlage. Denn eine Klimauntersuchung hat ergeben, dass in den Bibliotheksräumen ein „ruhiger Temperaturverlauf“ herrscht. Das bedeutet, dass die Temperatur das Jahr über kaum schwankt.
Mit Fenstern aus UV-Schutzverglasung und Vorhängen möchte man auch im Sommer eine Maximaltemperatur von 24 Grad erreichen, unter welcher die Bücher gut erhalten bleiben. „Immerhin hat es so auch 300 Jahre gehalten“, schmunzelt Abt Wenzl.
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