Hier ist der Frühjahrsputz nie vorbei: Putzen im Stift Melk

Im Stift Melk gibt es immer etwas zu putzen oder zu restaurieren. Das Bauamt-Team rund um Gottfried Fuchs ist dauerhaft im Einsatz.
Frau reinigt ein geöffnetes Fenster im Stift Melk mit Blick auf den barocken Innenhof.

Zu Hause ist der Frühjahrsputz in vollem Gange: Kübel, Schwamm und Staubwedel werden aus dem Kasten geholt und Fenster, Böden und Kasteninnenseiten geschrubbt. Was zu Hause eine Tagesbeschäftigung ist, beschäftigt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stift Melk das ganze Jahr über.

„Von Frühjahrsputz kann man nicht sprechen“, sagt Gottfried Fuchs, Baudirektor im Stift Melk und schmunzelt: „Ganzjahresputz trifft“s besser.„

1.365 Fenster

Warum das so ist, sieht man an den historischen Fenstern. Nicht nur die Anzahl ist eine Herausforderung: Manche Fenster sind an die 300 Jahre alt und bis zu 3,5 Meter hoch. Mehrere Fensterflügel sind keine Seltenheit, ebenso wie Doppelverglasungen. Ein historischer Fensterflügel besteht oft aus mehreren einzelnen Scheiben, die auf beiden Seiten gereinigt werden müssen. Besonders routinierte Fensterputzerinnen und -putzer benötigen pro Fenster oft eineinhalb Stunden. Für besonders schwer zugängliche Bereiche werden Spezialfirmen hinzugezogen, die dann mit Gerüsten arbeiten.

Neben den Fenstern beschäftigen auch die Böden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das ganze Jahr. Der 200 Meter lange Kaisergang sowie die Stiftsbibliothek sind mit Kehlheimerplatten, historischen Kalksteinplatten, ausgestattet. In edlem Weiß glänzen die Böden nur, weil sie täglich entsprechend gereinigt und gepflegt werden.

Bereiche wie die Bibliothek, die Kirche oder die Prunkräume, allen voran der Kolomanisaal, haben eine besondere Aufmerksamkeit, hier treffen täglich zahlreiche Besucherinnen und Besucher auf empfindliche Oberflächen und jahrhundertealte Ausstattung. Der Spagat zwischen Erhalt und öffentlichem Betrieb gehört zum Alltag der Angestellten.

Geschichte des Stift

1702 begann man mit dem Bau von Stift Melk, der 44 Jahre dauerte. Genau zur Blüte der Barockzeit entstanden die charakteristischen gelben Fassaden, hohen Fenster und pompösen Fresken. Das Motto der damaligen Zeit war, möglichst eindrucksvoll und prachtvoll zu bauen.

Nun, etwa 300 Jahre nach dessen Bau, gilt es, das Stift zu erhalten. Das sei eine der wichtigsten Aufgaben des Baudirektors Gottfried Fuchs. Und bei einer Anlage dieser Größe beginnt sein Arbeitstag früh: “Um 6.45 Uhr treffen wir uns und verteilen die Aufgaben.„

Das Team, das Fuchs leitet, besteht aus 16 Personen aus verschiedenen Gewerken - u. a. aus Maurern, Dachdeckern und Tischlern. Alles, was möglich ist, restaurieren sie selbst: Fenster- und Bilderrahmen, Fresken oder Möbel. “Das kann man sich vorstellen wie ein kleines Dorf„, fasst Fuchs zusammen: “Bei uns ist immer etwas kaputt.„

Doch weder das Putzen noch das Restaurieren ist in diesem Umfeld einfach. Da das Stift Teil des UNESCO-Welterbes ist, muss sich das Team regelmäßig mit dem Denkmalschutz abstimmen. “Dann geht es darum, was wir machen wollen und wie wir das tun„, erklärt Fuchs.

Stift Melk

Historische Techniken

Die Verwendung von historischen Techniken und Materialien ist dabei wichtig. “Der Putz an der Wand ist für uns eine Herausforderung. Mit Fertigmörtel fangen wir hier nicht viel an„, lacht er. Auch bei den Farben setzt man auf Mineralfarben, die es seit der Erbauung des Stifts gibt. Auch größere Restaurierungsprojekte gehören zum Alltag des Bauamts. 2020 wurde etwa das Kuppeldach des Stifts erneuert – für Gottfried Fuchs ein persönliches Highlight.

Derzeit wird die Stiftsbibliothek bei laufendem Betrieb restauriert. Auch diese Dimension ist nur schwer fassbar. 100.000 Bücher müssen ihren Platz wechseln, 2032 soll die Restaurierung dann abgeschlossen sein. Für ihn und sein Team ist es jeden Tag eine Herausforderung, das barocke Meisterwerk zu erhalten, historische Techniken und Materialien einzusetzen und gleichzeitig den Publikumsbetrieb aufrechtzuerhalten.

So gesehen, ist das Stift Melk eine unendliche Geschichte: Es ist immer etwas kaputt und ist man mit dem Putzen von den 1.365 Fenstern fertig, dann fängt man wieder von vorne an.

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