Chronik | Niederösterreich
15.04.2017

Steuerhinterziehung: Rita Nitsch wird angeklagt

Die Ehefrau von Aktionskünstler Hermann Nitsch steht im Mai vor Gericht.

"Ich freue mich, dass es bald so weit ist", sagt Rita Nitsch. Die Ehefrau von Aktionskünstler Hermann Nitsch wird von der Staatsanwaltschaft Korneuburg angeklagt, berichtet News. Am Freitag, den 5. Mai, muss sich Nitsch vor Gericht verantworten. "Die Sache hat mir drei Jahre Leben gestohlen. Ich bin zermürbt, habe alles unterschrieben und akzeptiert", sagt Rita Nitsch, als sie der KURIER vor einer Ausstellungseröffnung in Italien erreicht.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihr gewerbsmäßige Abgabenhinterziehung vor. Soll heißen: Rita Nitsch soll Kunstwerke ihres Mannes schwarz – also ohne sie zu versteuern – verkauft haben. "Es geht um eine Summe von 970.000 Euro Umsatz- und Einkommenssteuer", sagt Staatsanwalt Friedrich Köhl. Hermann Nitsch ist in dem Fall nicht angeklagt.

Anzeige von Detektiv

Die Causa Nitsch beschäftigt die Staatsanwaltschaft seit nunmehr drei Jahren. Im März 2014 stand erstmals der Verdacht von Steuerhinterziehung im Raum. Die Anzeige kam von Detektiv Dietmar Guggenbichler, der auch schon den Fall Lucona aufgedeckt hat. (Das Schiff Lucona war ein mit Schrott beladener Frachter, der 1977 im Auftrag von Udo Proksch gesprengt wurde, um die Versicherung für eine angeblich geladene Uranerzaufbereitungsanlage zu kassieren. Sechs Besatzungsmitglieder starben, Proksch wurde verurteilt, Anm.) Rita Nitsch hatte Guggenbichler im März 2013 persönlich um Ermittlung nach einem Einbruch im Schloss der Nitschs in Prinzendorf im niederösterreichischen Weinviertel, gebeten. Damals hatten es Diebe auf den Tresor des Künstler abgesehen. Rita Nitsch gab damals bei der Polizei an, dass 400.000 Euro in bar in dem Safe lagen, sowie Schmuck im Wert von 100.000 Euro.

Doch Guggenbichler soll von Nitsch selbst gehört haben, dass sich zum Zeitpunkt des Einbruchs nicht 400.000, sondern 1,5 Millionen Euro in dem Safe befanden hätten. Damals erklärte Guggenbichler: "Diese Aussage habe ich aufgenommen und meine Mitarbeiter waren Zeugen." Hermann und Rita Nitsch hingegen dementierten das stets. Weil Guggenbichler das Ehepaar Nitsch anzeigte, rückte Ende März die Finanzpolizei im Schloss in Prinzendorf zu einer Razzia an, später hat der Fiskus das Schloss in Prinzendorf sogar mit einem Pfandrecht belegt.

Im Gespräch mt dem KURIER erklärte Rita Nitsch damals: "Nein, ich habe keine Bilder meines Mannes schwarz verkauft. Aber vielleicht habe ich das eine oder andere Bild nicht ordentlich deklariert."

Damals war zunächst die Rede von 1, 5 Millionen Euro, später von drei Millionen Euro Steuern, die Nitsch nicht gezahlt haben soll. Beim Prozess im Mai sind "nur noch" 970.000 Euro Gegenstand. "Ich habe bereits etwa 900.000 Euro Schulden und Zinsen bezahlt", sagt Rita Nitsch.