Chronik | Niederösterreich
05.12.2011

Statistik Austria droht mit Strafe

Weil eine Familie aus NÖ eine Befragung der Statistik Austria am Telefon ablehnte, wurde sie gemahnt. Mitwirkung ist Pflicht.

Stellen Sie sich vor, plötzlich läutet das Telefon und Sie werden aufgefordert, Fragen zu beantworten. Wie hoch sind die Betriebskosten Ihrer Wohnung? In welchem Land wurde Ihr Vater geboren oder wie viele Überstunden haben Sie letzte Woche geleistet? Sie sind der Meinung, das geht keinen was an? Irrtum: Laut Gesetz ist man zur Beantwortung dieser und vieler anderer Fragen sogar verpflichtet.

Eine Tatsache, die auch die Familie Reinsperger aus Biedermannsdorf (Bezirk Mödling) mehr als erstaunt und gewaltig ärgert. Konfrontiert wurde man damit Anfang August: "Es war ein Anruf am Festnetztelefon. Ein Mann sagte, er sei von der Statistik Austria und müsse für statistische Stichprobenerhebungen Angaben zu unserem Wohnen und Leben einholen. Ich antwortete, dass ich nicht interessiert sei und meine Ruhe haben will", erzählt Peter Reinsperger.

Doch der lästige Anrufer ließ sich nicht abschütteln: "Er meinte daraufhin, dass ich laut Gesetz verpflichtet dazu sei. Wenn ich dem nicht nachkomme, kann es passieren, dass die Polizei vorbeikommt. Ich habe nur geantwortet, dann soll er sie vorbeischicken und aufgelegt. Ich werde doch nicht einem Wildfremden am Telefon meine Lebenssituation schildern", ärgert sich Reinsperger.

Mahnbrief

Jetzt flatterte ein RSB-Brief ins Haus mit dem Betreff: "Mikrozensus - Mahnbrief". Dort wird auf die Bedeutung der Erhebung, aber auch auf die rechtliche Verankerung und die Auskunftspflicht hingewiesen. Beigelegt wurde weiters das entsprechende Bundesgesetzblatt, das als Konsequenz für Nicht-Mitwirkung eine Geldstrafe von 2180 Euro angibt. Wenn Reinsperger bis 30. August nicht selbst wegen eines Termins reagiert, wird sich erneut der Interviewer bei ihm melden.

"Der Begriff Mikrozensus hat Fantasie. Ist das die Zensur des kleinen Mannes", fragt Helga Reinsperger. "Jeder spricht vom Datenschutz und da soll man am Telefon sein Lebens preisgeben. Das sind ja fast stalinistische Methoden", ärgert sie sich über die Vorgangsweise.

Die Auskunft verweigern will man nicht, aber "ich werde ein eMail schicken, dass ich nicht gewillt bin, jemanden in meinem Haus zu empfangen. Sie sollen sich einen Termin ausmachen und zu mir ins Büro im Außenministerium kommen", sagt Peter Reinsperger.

Statistikamt prüft jetzt, wo der Fehler lag

Der Mikrozensus ist eine Stichprobenerhebung, bei der pro Quartal rund 22.500 zufällig ausgewählte Haushalte in ganz Österreich befragt werden. Die ausgewählten Personen werden im Abstand von drei Monaten insgesamt fünf Mal befragt. Die Fragen betreffen Bildung, Arbeits- und Wohnsituation. Nach der fünften Befragung werden die Daten anonymisiert.

Bei der Befragung der Familie Reinsperger dürfte etwas schiefgelaufen sein: "Eine derartige Vorgehensweise entspricht nicht dem üblichen Verfahren, da vor dem Erstkontakt eine schriftliche Information erfolgt und die erste von insgesamt fünf Befragungen in der Regel durch einen Interviewer durchgeführt wird, der in den Haushalt kommt", erklärt Cornelia Moser von Statistik Austria. "Wir werden nachforschen, was da passiert ist."

Es komme immer wieder vor, dass Leute keine Auskunft geben wollen. "So mühsam es dem Einzelnen erscheinen mag, kommen die Daten doch allen zugute", sagt Moser. Der Mikrozensus ist die einzige verpflichtende Befragung im Personenbereich.