Chronik | Niederösterreich
16.10.2017

Stadt Krems wird zur roten Hochburg

SPÖ baut Führung auf Gemeindeebene aus / FPÖ verdoppelt Mandatszahl / ÖVP verliert erneut.

Der Kremser SPÖ-Bürgermeister Reinhard Resch erringt bei der Kremser Gemeinderatswahl mit seiner Partei einen historischen Sieg. Sie hatte bei der vergangenen Wahl der ÖVP die Vormachtstellung abgenommen und 2012 erstmals den Bürgermeister gestellt. Wenn auch mit knappem Vorsprung. Nun baute Resch seine Macht noch weiter aus. Allerdings verlor die SPÖ bei der Nationalratswahl in Krems.

Die ÖVP stürzte nach dem Desaster der vergangenen Wahl in der Stadt noch weiter ab und verlor vier Sitze, bleibt aber zweitstärkste Fraktion. Die Freiheitlichen verdoppelten den Anteil ihrer Mandatare auf sechs.

Stadtchef Reinhard Resch hat zwar die absolute Mehrheit nicht geschafft, für die 21 Sitze nötig gewesen wären, hat aber mit einem Stimmenanteil von 46,09 Prozent das stärkste SPÖ-Ergebnis aller Zeiten erreicht.

Die Kommunisten und Linkssozialisten (KLS) verloren zwar Stimmen, behielten aber trotzdem ihre beiden Mandate.

Den Kremser Grünen bleibt von ihren bisher zwei Sitzen nach Verlusten nur noch einer.

Wahlsieger Reinhard Resch konnte sein Ergebnis kaum glauben: "Das ist ein sensationeller Erfolg und ein Signal, dass die Bürgerinnen und Bürger unsere Arbeit der vergangenen fünf Jahre honoriert haben. Die Zukunft der Koalition wird sich in Verhandlungen zeigen, heute wird einmal gefeiert", lachte der SPÖ-Spitzenkandidat.

Gratuliert

Während ÖVP-Spitzenkandidat und Resch-Herausforderer Erwin Krammer am Vormittag bei der Stimmabgabe noch strahlend gelächelt hatte, fiel ihm das am Abend deutlich schwerer: Selbst in Krammers Wohnsitz-Ortsteil Egelsee, in dem die ÖVP bei der vergangenen, stark verpatzten Gemeinderatswahl 2012 noch deutlich vor der SPÖ lag, musste sie sich diesmal von dieser überholen lassen. "Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge. Das Bundesergebnis ist super. Hier in Krems haben wir die Erwartungen nicht erfüllt, ich muss Resch gratulieren. Der Wähler hat immer Recht, aber immerhin konnte ich Themen ansprechen, wie die Belebung der Innenstadt. Wie es in der Koalition weitergeht, wird sich erst zeigen."

Veränderung

"Die Leute wollen Veränderung, das merkt man am Ergebnis. Bei dieser Stärke kann man im Gemeinderat einfach nicht mehr über uns hinweg sehen", stellte eine hoch zufriedene FPÖ-Spitzenkandidatin Susanne Rosenkranz zum Ergebnis fest. Sie hatte die Stimmen, die ihr Mann Walter Rosenkranz mit seinem Team 2012 erzielte, verdoppelt. Er war ihr erster Gratulant.

Spitzenkandidatin Sandra Mayer von den Grünen war am Morgen bereits mit recht gemischten Gefühlen zur Stimmabgabe gegangen. "Wenn alle, die sagen, dass wir super sind, uns auch wählen, dann haben wir zu wenige Kandidaten auf der Liste", meinte Mayer. Aber nach dem "grausigen" Bundeswahlkampf wäre sie sogar froh gewesen, ihre beiden Sitze halten zu können. Das ging sich allerdings nicht aus, ihr blieb nur ein Sitz. "Ich bin schon ein wenig enttäuscht", sagte Mayer.