Spitalsstreit: Auch Stadt übt Kritik

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Foto: APA/HELMUT FOHRINGER Wird Spital in Wiener Neustadt zum Notfall?

Stadt ortet nach Anzeige des Betriebsrates schwere Mängel bei der Patientenbetreuung.

Die Verlegung von 60 Akutbetten aus dem Wr. Neustädter Landesklinikum in das neue "Lebens.Med Zentrum" nach Bad Erlach wirbelt gehörig Staub auf. Nachdem der Betriebsrat in einer "Strukturmangelanzeige" schwere Missstände im Spital anprangert, mischt sich nun auch die Stadt Wr. Neustadt in die Angelegenheit ein. "Wenn in dem Papier von Patientengefährdung die Rede ist, dann ist das eine Bombe, die da geplatzt ist. Wir handeln fahrlässig wenn wir das nicht ernst nehmen", sagen Bürgermeister Bernhard Müller und Gesundheitsstadträtin Margarete Sitz.

Die Angestellten-Betriebsrätin des Spitals, Gerlinde Buchinger sowie Spitalsärztevertreter, Oberarzt Ronald Gallob, haben in einer dreiseitigen Anzeige auf schwere Mängel im Landesklinikum aufmerksam gemacht. Durch die Auslagerung der Betten nach Bad Erlach sei es auf der Internen Abteilung zu einem Betten-Engpass gekommen.

Weite Wege

"Patienten werden auf andere freie Betten in anderen Abteilungen aufgeteilt. Dort ist das Pflegepersonal natürlich auf andere Fachrichtungen spezialisiert", erklärt Buchinger. Für die Ärzte bedeutet das weite Wege. "Es verschlechtert sich die Versorgung, die Liegezeiten verlängern sich und Patienten werden teilweise sogar gefährdet", so der Vorwurf.

Für die SPÖ-Stadtführung ist der Brief in Zeiten des Gemeinderats-Wahlkampfes ein gefundenes Fressen. "Es muss mir jemand erklären, warum man in Zeiten steigender Patientenzahlen 60 Betten einfach auslagert?", poltert Müller. Als Bezirksverwaltungsbehörde wird die Stadt zusammen mit einem Sachverständigen der Landessanitätsdirektion eine Nachschau im Spital halten.

Freitagnachmittag nahm erstmals auch die Landesklinikenholding zu den Vorwürfen Stellung. Durch die Umstrukturierung des Spitals zu einem Krebs-Behandlungszentrum gäbe es organisatorische Herausforderungen, die gelöst werden müssen. Außerdem setzt es eine Retourkutsche für die Stadt: Seit Übernahme des Gemeindespitals habe man auf Grund der Zustände 100 Millionen Euro in das Krankenhaus investieren müssen.

Bad Erlach

Konflikt warf Schatten auf Eröffnung

Lebens.Med-Zentrum am Freitag aus der Taufe gehoben.

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Foto: /ERNST REINBERGER

Die Vorwürfe des Krankenhaus-Betriebsrates waren natürlich auch bei der offiziellen Eröffnung des "Lebens.Med Zentrums Bad Erlach" am Freitag in aller Munde. 60 Betten des Wr. Neustädter Krankenhauses wurden in das neue Haus ausgelagert. Daneben gibt es einen Rehabilitationsbereich für die Nachbetreuung von Krebspatienten, beispielsweise nach einer Operation, oder einer Chemo- sowie einer Strahlentherapie. 100 Reha-Betten sowie 32 Betten für Begleitpersonen stehen in dem neuen Tochterbetrieb des Moorheilbades Harbach zur Verfügung.

Um zu betonen, dass die Auslagerung der Krankenhausbetten nach Bad Erlach eine gute Entscheidung war, las Spitalsdirektor Paul Christian Hajek den Brief eines Patienten vor, der sich für die hervorragende Betreuung in dem neuen Gesundheitszentrum bedankt und den Mitarbeitern dabei Rosen streut.

Auch Landeshauptmann Erwin Pröll verteidigt die Einrichtung und bezeichnet sie als einen "Meilenstein für das ganze Bundesland". "Aus dem Landesklinikum auf der einen Seite und dem Rehabilitationsbereich auf der anderen Seite haben sich tolle Kooperationen herausentwickelt. Gemeinsam können die öffentliche Hand und private Träger eine optimale medizinische Versorgung bieten", sagte Pröll.

25 Millionen Euro wurden in das Lebens.Med-Zentrum investiert.

(kurier) Erstellt am
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