Kulturzentrum gesperrt: Perchtoldsdorf sucht Ausweichquartiere

Gebäudekomplex musste wegen technischer Mängel geschlossen werden. Zahlreiche Nutzer sind betroffen - darunter auch die Sonderschule.
Ein Gebäude von außen
Das Kultur- und Bildungszentrum in der Perchtoldsdorfer Beatrixgasse (Bezirk Mödling) war im Jahr 1976 unter Bürgermeister Siegfried Ludwig eröffnet worden. Eine Generalsanierung fand 1999 statt, nun musste der Gebäudekomplex allerdings überraschend wegen gravierender technischer Mängel geschlossen werden.

Das vom Badener Architekten Stefan Bukovac geplante Gebäude fungiert als zentraler Ort für Kultur und Veranstaltungen in der Gemeinde. Nicht nur die Bücherei ist dort untergebracht, auch das Kindertheater Theo, das Büro des örtlichen Flüchtlingsnetzwerks, mehrere Vereine sowie die Sonderschule.

Nun habe die Baubehörde bei einer routinemäßigen Begehung in der vergangenen Woche brandschutz- und sicherheitsrelevante Bedenken geäußert, wie Bürgermeisterin Andrea Kö (ÖVP) mitteilen musste. In einem Rundschreiben wurden alle Gemeinderäte über die vorübergehende Schließung informiert. „Ein externer Sachverständiger, den wir kontaktiert haben, hat diese Bedenken bestätigt“, so Kö. Der Gemeinde sei geraten worden, das Kulturzentrum zu sperren.

Suche nach Ausweichquartieren

Man habe daher alle Nutzer informiert und sich auf die Suche nach geeigneten Ausweichquartieren begeben. So werden die 33 Kinder der Sonderschule vorübergehend im Pflege- und Förderzentrum untergebracht. Gemeinsam mit der Bildungsdirektion werde man so rasch wie möglich entscheiden, ob Räumlichkeiten in der Volksschule Roseggergasse und in der Mittelschule, die kurzfristig freigemacht werden könnten, in Frage kommen. Alternativ prüfe man eine Containerlösung.

Für „Theo - Theaterort für junges Publikum“ konnte eine vorübergehende Ausweichmöglichkeit in einer Nachbargemeinde gefunden werden.

In der kommenden Woche soll eine Begehung mit weiteren Fachleuten mehr Klarheit über die nötigen Maßnahmen und die Zukunft des Kulturzentrums bringen, heißt es seitens der Marktgemeinde Perchtoldsdorf. Auch der vorgeschriebene Brandanstrich müsse überprüft werden. Erst nach Vorliegen aller Gutachten und Befunde könne über die weitere Vorgehensweise entschieden werden. Vorher sei auch nicht absehbar, ob es sich um eine permanente, oder eine nur vorübergehende Schließung handle.

Kindergarten vor Schließung

Ebenfalls geschlossen wird in Perchtoldsdorf der Kindergarten in der Hochstraße. Gemeinderätin Gabriele Wladyka (Bürgerliste) kritisiert dies: „Aufgrund von freien Kapazitäten soll der beliebte und für viele fußläufig erreichbare Kindergarten geschlossen werden. Dafür werden die Kinder dann in den Aspetten-Kindergarten gekarrt, wo kürzlich ein viergruppiger Zubau errichtet wurde." Es gehe "nur um rund 20 zusätzliche Kinder, die man problemlos hätte unterbringen können", meint Wladyka. 

Dem widerspricht Bürgermeisterin Kö allerdings vehement. Im kürzlich erweiterten Kindergarten Aspetten seien "vier neue Gruppen nach den letzten ökologischen und pädagogischen Standards" entstanden. Dem gegenüber stehe der im 19. Jahrhundert errichtete Kindergarten Hochstraße, der stark sanierungsbedürftig und überdies in einem von der Pfarre Perchtoldsdorf angemieteten Gebäude untergebracht sei. Dieses sei nicht barrierefrei adaptierbar. "Da die Räumlichkeiten angemietet sind, sind die Ausgaben auch wirtschaftlich nicht vertretbar“, erklärt Kö: „Auf der anderen Seite haben wir in unseren übrigen fünf Standorten freie Kapazitäten. Nach sorgfältiger Prüfung ist es daher ausweglos, den Kindergarten am Standort Hochstraße 28 schrittweise zu reduzieren und das Objekt an den Vermieter rückzustellen“.

Man wolle dies "unter pädagogischer Begleitung mit Fokus auf das Kindeswohl" tun, betont die Bürgermeisterin: "So werden die meisten Kinder, die aktuell den fünfgruppigen Kindergarten Hochstraße besuchen, bis zu dessen Schließung in die Schule aufsteigen. Geschwisterkinder können bereits frühzeitig in einen der anderen fünf Kindergartenstandorte in Perchtoldsdorf wechseln, wenn die Eltern dies wünschen. Die Mitarbeitenden werden, sofern möglich und von diesen gewünscht, in einem der anderen Standorte weiterbeschäftigt werden."

Aus erst im September 2027

In Perchtoldsdorf mit insgesamt sechs Kindergärten werden derzeit 390 Kinder in 27 Gruppen betreut. Im Kindergartenjahr 2026/27 werden zwei Gruppen in der Hochstraße geschlossen und dafür eine neue Gruppe für Zweijährige am Standort Aspetten eröffnet. Bis September 2027 wird der Standort Hochstraße 28 aufgelassen.

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