Militärdiözese: Neue Vorwürfe gegen Priester
Die Militärdiözese kommt nicht zur Ruhe. Erst waren es Probleme rund um die Finanzgebarung der Militärdiözese, dann gab es die Vorwürfe gegen den steirischen Militärdekan wegen übergriffigen Verhaltens gegenüber einer jungen Soldatin.
Und jetzt tauchen Vorwürfen gegen einen Militärdekan in Niederösterreich auf. Die Vorwürfe liegen zwar länger zurück, aber jetzt liegt eine neue außerordentliche Beschwerde beim Bundesheeres vor.
Einerseits geht es darin um Vorwürfe wegen des Verhaltens des Dekans gegenüber einem Mitarbeiter der betreffenden Pfarre.
Von „Diskriminierung“ ist zu lesen, ebenso von Beschimpfungen, sogar ein Stoß samt Verletzung eines Bediensteten wird angeführt. Betroffen soll ein langgedienter Mitarbeiter sein.
Was ist am Ferienlager passiert?
Und dann ist da die Sache mit dem Ferienlager der Militärpfarre. Der Pfarrer sei „unfreundlich, gemein und respektlos“ gewesen, er habe „die Kinder zum Weinen gebracht“, beschwert sich ein Elternteil nach dem Lager, „der gehört nicht auf ein Lager mit Kindern“.
Ein Kind schildert schriftlich: „Der Pfarrer war nicht super, weil er mich grob angefasst hat an den Armgelenken.“
In einer weiteren Rückmeldung wird der Pfarrer für seine „unaufgeklärte Pädagogik“ kritisiert, weil Kinder zu einer „Auszeit“ unbeaufsichtigt in ein stickiges Zelt gesteckt worden seien.
Vorfall schon 2022 gemeldet
Die Beschwerde ist nach KURIER-Informationen auch mit einem Gedächtnisprotokoll versehen, laut dem die Vorfälle beim Ferienlager unmittelbar danach, also im August 2022, bei der Militärdiözese deponiert wurden.
Weil diese nicht entsprechend behandelt worden seien, wurden die Vorwürfe nun in einer neuen Beschwerde eingebracht.
„Die gleichen Vorwürfe“
Bei Beschwerden, die die Militärdiözese und das Bundesheer betreffen, verweisen die beiden gerne auf die jeweils andere Stelle. So heißt es seitens der Militärdiözese zu den „offenkundig gleichen“ Vorwürfen wie schon 2022: Diese Beschwerde sei vom Militärkommando NÖ abgehandelt worden: „Uns wurden die Vorkommnisse zur Kenntnis gebracht.“ Aber darüber, welche Schritte konkret gesetzt wurden, könne „nur die behandelnde Dienststelle Auskunft geben“.
Der Seelsorger, der seit Anfang der 1990er-Jahre der Militärdiözese angehört, ist als Militärdekan tätig geblieben. Und ist es auch jetzt noch – nach einer kurzen Unterbrechung sogar wieder an jener Dienststelle, an der der Beschwerdeführer mit dem Priester arbeitet.
Vier Monate dienstzugeteilt
Dabei bestätigt die Militärdiözese, dass der Militärdekan vom 1. November des Vorjahres bis zum 28. Februar an eine andere Militärpfarre dienstzugeteilt war. Ein „Routineablauf“, wie seitens der Militärdiözese versichert wird.
Versichert wird auch, dass in dem Fall „Maßnahmen gesetzt wurden, um die anlassgebende Situation zu entschärfen“. Welche genau, außer der kurzzeitigen Versetzung, blieb offen. Das Bundesheer bestätigt lediglich, dass „eine Beschwerde bekannt ist, die derzeit intern geprüft“ werde.
Die Nachfrage, welche Schritte aufgrund der Beschwerde 2022 gesetzt wurden, blieb inhaltlich unbeantwortet. Warum die Dienstzuteilung nicht bis zur Abhandlung der Beschwerde aufrecht bleibt, ließ das Bundesheer auch offen.
Vom Dienst enthoben
Konsequenter geht das Bundesheer in der Affäre um den steirischen Militärdekan vor. Gegen den 60-jährigen Priester hat eine Soldatin (21) bedenkliche und übergriffige Chats gemeldet.
Die Staatsanwaltschaft Graz ermittelt derzeit wegen des Verdachts der beharrlichen Verfolgung und der sexuellen Belästigung, jeweils unter Ausnützung einer Amtsstellung, sowie des Missbrauchs der Amtsgewalt und des Missbrauchs der Dienststellung nach dem Militärstrafgesetz.
Vorerst hatte der Militärbischof seine schützende Hand über den Priester legen können. Der Militärdekan war nämlich nach Auffliegen der Affäre direkt dem Bischof dienstzugeteilt worden. Was am 9. März aufgehoben wurde.
Mehr noch: Wie das Bundesheer auf Nachfrage bestätigte, wurde der Militärdekan „bis auf Weiteres vom Dienst enthoben und befindet sich derzeit im Krankenstand. Er versieht also bis zur Klärung der Vorwürfe nicht seinen Dienst als Militärdekan.“ Die Militärdiözese wollte zum laufenden Verfahren nicht Stellung nehmen.
Hierarchische Rekurse liegen in Rom
Bleiben noch die beiden hierarchischen Rekurse wegen der Unstimmigkeiten rund um den Vermögensverwaltungsrat der Militärdiözese.
In dieser Sache habe das päpstliche Höchstgericht entschieden, dass das Dikasterium für den Klerus zuständig sei.
Diese Info habe der Militärbischof am 2. Februar erhalten und den Beschwerdeführern übermittelt. Anfragen aus Rom seien dazu bisher nicht an die Militärdiözese gerichtet worden.
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