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Wiener Neustadt
02/23/2017

Schulklasse ohne ein deutschsprachiges Kind

Bürgermeister von Wiener Neustadt schlägt Alarm und fordert rasche Hilfe vom Bildungsministerium.

von Patrick Wammerl

Die Schulstadt Wiener Neustadt steht vor einen bildungspolitischen Schlamassel. Ein Hilferuf von Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP) in Richtung Bildungsministerium zeigt die dramatische Lage. Zum ersten Mal gibt es in einer Vorschulklasse (Otto Glöckel-Schule) kein einziges Kind mehr mit deutscher Muttersprache. Im Durchschnitt liegt der Anteil der Kinder mit fremder Muttersprache in den vier Vorschulklassen bereits bei alarmierenden 80,33 Prozent, so Schneeberger.

Mit einem Migrationsanteil von rund 23 Prozent liegt die größte Schul- und Kindergartenstadt Niederösterreichs im österreichischen Spitzenfeld. Diese Entwicklung spiegelt sich vor allem in den Bildungseinrichtungen wieder.

Unterricht gestört

Bereits in acht von 17 Kindergärten und in fünf von acht Volksschulen hat der Anteil von Kindern mit fremder Muttersprache die 50-Prozent-Marke überschritten. Bei den Schulen sind es bereits 56,64 Prozent. Die Kindergartenpädagogen, Lehrer und Direktoren berichten von teils katastrophalen Deutschkenntnissen der Kinder. Besonders in den "Brennpunktschulen" sei an keinen normalen Unterricht zu denken. Die Otto Glöckel-Schule ist eine solche. Dort wird eine dritte Klasse unterrichtet, in der 93 Prozent der Kinder nicht Deutsch zu Hause sprechen. "Dass hier ein zielgerichteter Unterricht de facto nicht möglich ist, muss jedem klar sein. Um den Kindern die Zukunft nicht zu verbauen, ist eine verstärkte Förderung von derartigen Schulen beziehungsweise Städten wie Wiener Neustadt unbedingt notwendig", erklärte am Donnerstag Klaus Schneeberger. Er schließt sich der Forderung des Wiener Stadtschulratspräsidenten Heinrich Himmer (SPÖ), nach mehr Begleitlehrern und gezielter Sprachförderung an. Schneeberger will dazu das Bildungsministerium in die Pflicht nehmen. "Wenn wir jetzt nicht reagieren, dann bekommen wir ein Problem. Die sprachlichen Defizite der Kinder von heute sind der Nährboden für die Arbeitslosigkeit von morgen".

Projekte von Stadt und Landesschulrat seien zwar gut, allerdings sei die Unterstützung des Bundes bislang nur ein Tropfen auf dem heißen Stein gewesen. "Das Ministerium muss die Zeichen der Zeit erkennen und endlich konsequenter handeln", meint Schneeberger.