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Chronik Niederösterreich
07/21/2021

Schläge, Nahrungsentzug und Chats: Heimskandal in NÖ zieht weite Kreise

Im Zuge der Vorwürfe gegen ehemalige Pfleger des SeneCura-Heimes in Sitzenberg-Reiding, werden nun alle Einrichtungen des Betreibers überprüft.

von Johannes Weichhart

Nur zwei Monate nachdem vier Ex-Mitarbeiter des Pflegeheimes in Kirchstetten (Bezirk St. Pölten) wegen des Quälens und Vernachlässigens wehrloser Personen am Landesgericht St. Pölten verurteilt wurden, ermitteln Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt schon wieder in einen möglichen Heimskandal.

"Umfangreiche Ermittlungen"

Wie der KURIER berichtete, richten sich die Vorwürfe nun gegen vier Pfleger (drei Frauen und ein Mann), die im SeneCura-Heim in Sitzenberg-Reidling im Bezirk Tulln tätig waren. Auch hier soll es zu Übergriffen gekommen sein, die Rede ist unter anderem von Schlägen und Nahrungsentzug.

"Es handelt sich um sehr umfangreiche Ermittlungen, die noch einige Zeit in Anspruch nehmen werden", betont Leopold Bien, Sprecher der Staatsanwaltschaft St. Pölten. Angezeigt wurde in der Causa zudem ein Sexualdelikt. Einem Bewohner soll ein Duschkopf in den After eingeführt worden sein, so Bien.

Wie auch schon im Kriminalfall Kirchstetten sind die Ermittler derzeit ebenfalls dabei, Whatsapp-Chats des beschuldigten Quartetts, das nach der Anzeige an die zuständige Staatsanwaltschaft von SeneCura sofort vom Dienst freigestellt wurde, auszuwerten. Ergebnisse liegen allerdings noch nicht vor. Der St. Pöltner Rechtsanwalt Stefan Gloß betont unterdessen, dass an den Vorwürfen gegen seine Mandaten „nichts dran“ sei.

Wie der KURIER erfuhr, hat das Land auf den Kriminalfall ebenfalls rasch reagiert. So ist die Patienten- und Pflegeanwaltschaft derzeit damit beschäftigt, alle sechs SeneCura-Einrichtungen in Niederösterreich unter die Lupe zu nehmen. „Wir haben deshalb auch unseren Prüfplan umgestellt und sind aktuell dabei, die Heime zu überprüfen“, berichtet Patientenanwalt Gerald Bachinger. Ob weitere mögliche Missstände aufgedeckt werden konnten, ließ Bachinger allerdings noch offen.

Im Büro der zuständigen Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister formuliert man es so: „Es werden aktuell engmaschige Kontrollen im Bereich der privaten Träger durchgeführt, so auch bei SeneCura, und die privaten Träger damit auch längerfristig begleitet, um die Einhaltung der Vorgaben des Landes NÖ zu kontrollieren. Damit soll eine qualitätsvolle Pflege gewährleistet bleiben.“

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