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Chronik Niederösterreich
05/31/2019

Schifffahrt: Die unterschätzten Gefahren der Donau

Trotz weniger Havarien in Österreich: Risiko für Unfälle ist allgegenwärtig – gerade bei Hochwasser.

von Matthias Hofer, Jürgen Zahrl

Die Kollision bei Budapest zählt zu den schwersten Donau-Schiffsunglücken der Gegenwart. Zwar kommt es auf dem mächtigen Strom immer wieder zu Unfällen, die meisten enden aber verhältnismäßig glimpflich. Trotzdem warnen Experten, die Gefährlichkeit der Donau keinesfalls zu unterschätzen. Auch weil die Fahrgastzahlen der Linien- und Ausflugsschifffahrt stetig steigen.

In Österreich gilt der Untergang der „Ďumbier“ als schlimmster Zwischenfall der jüngeren Vergangenheit. Das slowakische Schubschiff wurde im Oktober 1996 bei Hochwasser gegen ein Stauwehr gedrückt und dort von den Wassermassen zermalmt. Acht der neun Besatzungsmitglieder starben.

Die Zahl der Schiffsunfälle auf der österreichischen Donau ist insgesamt überschaubar, Todesopfer und Verletzte sind insbesondere in den vergangenen Jahren kaum zu beklagen. Die Schifffahrtsbehörde führt über die Zwischenfälle exakt Buch. Demnach passieren jährlich rund 10.000 Schiffe den österreichischen Donauabschnitt. Im Vorjahr wurden aber nur zwölf Unfälle registriert.

Zwischenfälle

Einzelne Zwischenfälle bleiben angesichts der geringen Zahl umso prominenter im Gedächtnis. Wie etwa der Zusammenstoß zweier Ausflugsschiffe anlässlich der Wachauer Sonnenwende im Juni 2016, nachdem sich das Steuerruder eines Raddampfers verklemmt hatte. Die Sicherheitsbestimmungen für künftige Sonnwendfahrten wurden deutlich verschärft, es gibt jetzt exakte Regeln.

Die plötzliche Ohnmacht des Kapitäns war schuld daran, dass im Dezember 2005 ein 8000-Tonnen-Schubschiff den Brückenpfeiler der Kremser Eisenbahnbrücke rammte, die danach für Monate gesperrt werden musste.

Als im Juni des selben Jahres ein Wiener Polizeiboot bei Fischamend gegen einen slowakischen Schlepper prallte, starb ein Polizist. Und im August kollidierten nahe der Wiener Reichsbrücke gleich fünf Schiffe.

2014 starb ein 71-Jähriger, als sein Ruderboot im Bezirk Melk mit einem Frachtschiff kollidierte.

Nachdem die Sauna auf einem Donaukreuzfahrtschiff in Brand geraten war, musste die Feuerwehr im Juli 2017 190 Passagiere bei Schönbühel (Bez. Melk) bergen, acht Personen erlitten eine Rauchgasvergiftung.

Der vorerst letzte tödliche Zwischenfall ereignete sich vor wenigen Tagen, als ein slowakischer Frachter gegen einen Pfeiler der Donaubrücke Mauthausen prallte. Ein 29-jähriger Matrose ertrank im reißenden, kalten Wasser.

Schwimmwesten

Die Gefahren auf der aktuell Hochwasser führenden Donau dürften nicht unterschätzt werden, warnt Robert Enzinger von der Wasserrettung Krems. In der Wachau beobachtet er durch starke Wellengänge immer wieder gefährliche Situationen. Er rät, dass „Leute auf offenen Booten oder Zillen immer eine Rettungsweste tragen. Laut Gesetz gibt es leider keine Tragepflicht, man muss nur für jeden Passagier eine Weste mitführen“, sagt Enzinger. Die Gefahr: „Gerade bei niedrigen Wassertemperaturen hat ein Mensch, wenn er über Bord geht, keine Überlebenschance. Man bekommt einen Schock und geht unter wie ein Stein“, sagt der Retter. Nach nur zwei Minuten sei man tot.

Der 38 Kilometer lange Donauabschnitt der Wachau zählt zu den gefährlichsten Bereichen des gesamten Stroms. Zwischen Melk und Krems bergen die hohe Fließgeschwindigkeit, die hohe Schiffsfrequenz wegen der starken touristischen Nutzung und oft unerfahrene, auswärtige Schiffsführer die größten Risiken. „Man muss die Eigenheiten des Gewässers genau kennen, um sich richtig verhalten zu können“, schildert Enzinger.

Dass die Unfallhäufung trotz des hohen Verkehrsaufkommens relativ niedrig ist, führt Bernd Birklhuber von der obersten Schifffahrtsaufsicht auf strenge Kontrollen zurück: „Wir achten auf die Befähigung der Besatzung und den technischen Zustand der Schiffe. Außerdem werden laufend Verkehrsleitungsmaßnahmen durchgeführt.“

Darüber hinaus sei langjährige Berufserfahrung ein wesentlicher Sicherheitsfaktor, sagt Barbara Brandner, Geschäftsführerin des gleichnamigen Schifffahrtsunternehmens: "Mit der Anzahl der Verkehrsteilnehmer und mit größer werdenden Einheiten steigt jeweils die Verantwortung der Schiffsführung - nicht nur für das eigene Schiff, sondern auch für die Begegnung mit anderen Schiffen." Nur solche Persönlichkeiten, ausgestattet mit einer Selbsteinschätzung, sollten diese Positionen einnehmen, betont Brandner.