© Johannes Weichhart

Chronik Niederösterreich Sankt Pölten
12/08/2020

Von Mais verschüttet: Ärzte holten Kind zweimal ins Leben zurück

Matthias (7) aus NÖ schwebte zwischen Leben und Tod. Dank einer perfekten Rettungskette kann er heute wieder lachen.

von Johannes Weichhart

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Matthias ist ein Wirbelwind. In der einen Sekunde spielt er mit einem gelben Luftballon, in der anderen flitzt er durchs Haus, stoppt dann wieder, um genüsslich vom Keksteller zu naschen. Matthias ist ein aufgewecktes Kind. Ein Bub, der noch sein ganzes Leben vor sich hat.

Zum Glück.

Denn beinahe hätte das Herz des Siebenjährigen am 24. September für immer aufgehört zu schlagen. Der Schüler war am elterlichen Bauernhof in Kapelln (Bezirk St. Pölten-Land) beim Abladen eines Anhängers zur Gänze unter einem Berg Mais begraben worden. Verzweifelt versuchte er sich noch selbst zu befreien, doch da von oben immer weiter Körner auf ihn niederprasselten, hatte er keine Chance.

"Man hat nur noch ein Haarbüschel gesehen"

„Als er entdeckt wurde, hat man nur mehr einen Haarbüschel von ihm gesehen“, erinnert sich seine Mutter Andrea Bracher im KURIER-Gespräch an die dramatischen Momente zurück.

Mit vereinten Kräften gelang es der Familie schließlich, das Kind auszugraben. „Er war sogar noch ansprechbar“, erinnert sich Bracher.

Aber nur kurz.

Denn mit jeder Minute, die verstrich, verschlechterte sich der Gesundheitszustand des Buben. Sanitäter und Notärzte eilten zu dem Hof, um Matthias, der mittlerweile das Bewusstsein verloren hatte, zu retten. Als der ÖAMTC-Notarzthubschrauber „Christophorus 2“ landete, schwebte Matthias bereits zwischen Leben und Tod. Zweimal musste der Siebenjährige reanimiert werden, bevor er mit dem Heli in das SMZ Ost nach Wien geflogen werden konnte.

24 STUNDEN DIENST DER ÖAMTC NOTARZTHUBSCHRAUBER

„Dort wartete schon ein Ärzteteam auf ihn, das während des Fluges in ständigem Kontakt mit der Hubschrauberbesatzung war. Es war alles sehr gut vorbereitet. Matthias kam gar nicht mehr in den Schockraum, sondern sofort in den Operationssaal“, erzählt Andrea Bracher.

"Wusste, dass er überlebt"

Wie hat sie diese Stunden erlebt, als Mediziner um das Leben ihre Sohnes kämpften? „Ich hatte einen fixen Gedanken in mir“, erzählt sie. „Für mich stand fest, dass Matthias das überlebt.“

Auf 33 Grad gekühlt

Im Krankenhaus stellte sich heraus, warum der Bub nach seiner Befreiung so rasch bewusstlos wurde: Acht Maiskörner hatten seine Atemwege verlegt. Als man sie entfernte, verbesserte sich sein Gesundheitszustand wieder. Der Siebenjährige wurde schließlich in künstlichen Tiefschlaf versetzt, seine Körpertemperatur auf 33 Grad heruntergekühlt. Damit konnten sich seine Organe von den Strapazen regenerieren.

Dank an die Retter

Doch die Gefahr war damit noch nicht gebannt. Denn es konnte vorerst nicht ausgeschlossen werden, dass Matthias von dem Unfall bleibende Schäden davontragen könnte. Nach einer wochenlangen Reha-Phase stand schließlich fest, dass Matthias das Drama heil überstanden hatte.

Mittlerweile ist er wieder ganz Spitzbub. „Mich darfst du nicht fragen, wie ich den Unfall erlebt habe. Ich kann mich an nichts mehr erinnern“, sagt er und grinst.

Seine Eltern Andrea und Alois haben unterdessen noch einen Wunsch. Sie wollen sich bei all jenen bedanken, die daran mitwirkten, dass sie ihr Kind wieder gesund in die Arme schließen können. „Die Rettungskette hat sehr gut funktioniert, die Betreuung im SMZ Ost war hervorragend. Dafür möchten wir Danke sagen.“ Die Familie erhielt zudem viele Nachrichten von Freunden und Bekannten, die für den Bub beteten.

Matthias erzählt, dass er einmal Landwirt werden möchte. „Zuckerbäcker wäre mir lieber, dann könntest du mich mit Süßigkeiten versorgen“, antwortet sein Papa. Alle lachen. Es ist ein Lachen der Erleichterung.

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