Wie in St. Pölten Radioprogramm für alle von allen entsteht

Wie in St. Pölten Radioprogramm für alle von allen entsteht
Inhaltliche, aber auch musikalische Vielfalt bieten 100 Gestaltende des Campus & City Radio St. Pölten (CR 94.4).

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Egal ob FH-Student oder Doktor der Musikwissenschaft, ob DJ oder 70-jährige Künstlerin, ob Familie mit Mitgrationshintergrund, Vertreter der Queer-Community oder Mensch mit körperlichen Beeinträchtigung: Im Studio des Campus & City Radio St. Pöltens (kurz CR 94.4) teilen sich alle das Mikro. 

Jeder ist willkommen

Unter der Frequenz 94.4 gestalten insgesamt 100 Radiomacher 60 verschiedenen Sendungen. "Der offene Zugang bedeutet, dass es Menschen mit Behinderung oder psychischen Erkrankungen, Menschen die kein Deutsch sprechen, Asylwerbende, Menschen jeglichen Geschlechts, Alters und sexueller Orientierung, schlichtweg allen, ermöglicht wird, ihre Anliegen im Radio zu verbreiten", fasst die Stadt St. Pölten, die das Radio auch als Notfallfrequenz nutzt, in einer Aussendung die Einstellung des Campus & City Radios zusammen.

Wie in St. Pölten Radioprogramm für alle von allen entsteht

Bei CR 94.4 darf jeder ans Mikro.

Bezahlung gibt es für die Sendungen aber keine.

Freie Gestaltung ohne Vorerfahrung

Vorerfahrung oder eine Sprecherausbildung sind nicht von Bedeutung. "Dialekte und fremde Sprachen werden gerne gehört, denn es kommt auf den Inhalt an", so die Aussendung. Als freies nichtkommerzieller Radiosender setzt CR 94.4 seinen Gestaltenden auch inhaltlich keine Grenzen.

"Wer seine eigene Sendung hat, hat die Möglichkeit seine eigenen Themen on Air zu bringen", so einer der Leitsätze des Senders. 

Buntes Programm

Momentan stehen bis Ende August noch Studierende der Fachhochschule St. Pölten in der "Sommermoderation" für mehrere Shows täglich hinter dem Mikro. Zu hören gibt es von der Morningshow um 9 Uhr über die Kinosendung "Cinelounge" bis hin zum Österreich Special mit rein österreichischer Musik viel Abwechslungsreiches. 

Neben Unterhaltung wird mit Interviewgästen und Gesprächen aber auch Information geboten. "Am Freitag, den 27. August, lädt René Jirsak, der mit seinem Rollstuhl einmal monatlich ins Studio kommt, in seiner nächsten Sendung 'Hinschauen statt Wegschauen' den Bundesbehindertenanwalt Hansjörg Hofer um 17 Uhr live zum Gespräch ein", heißt es in der Aussendung. 

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René Jirsak moderiert monatlich seine eigene Sendung "Hinschauen statt Wegschauen".

Die Regionalität sei auch bei der inhaltlichen Gestaltung ein wichtiger Faktor, so die Stadt St. Pölten. Kooperiert werde dabei "mit vielen lokalen Initiativen wie etwa LAMES und der niederösterreichischen Kulturszene im Allgemeinen, darunter das Landesmuseum, das Cinema Paradiso, das Festspielhaus sowie das Büro für Diversität in St. Pölten und auch das Viertelfestival." Interviews zu kulturellen Events, aber auch Veranstaltungstipps für die Region stünden genauso am Programm, wie die Berichterstattung über Events wie das Frequency-Festival. 

Keine musikalischen Grenzen

Auch musikalisch gibt es für die Sendungsgestaltenden keine Vorgaben. "CR 94.4 unterstütz gerne die österreichische Kunst- und Musikszene mit Interviews und einer Playlist, die sich fernab von jeglichen Streaming- oder Verkaufscharts bewegt", so die Aussendung über die Musikauswahl. Generell gilt aber: Wer die Sendung gestaltet, trifft auch die Musikauswahl - egal ob regionale Weltmusik, HipHop oder klassische Musik. 

Seit über zehn Jahren legt so beispielsweise Claudia Zawadil, bekannt als DJane Miss Marple, jeden ersten Montag im Monat Soul, Funk, Jazz & Disco der 60er, 70er und 80er auf. Sendungsmacher MC Ron geht als Metalfan mit Lernschwäche in seinen Sendungen aber eine andere Richtung.  

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Claudia Zawadil, auch bekannt als DJane Miss Marple.

Wie auch kommerzielle Privatradios hat der Verein Campusradio St. Pölten eine Radiolizenz, wodurch auch Förderungen von der RTR (Rundfunk- und Telekomregulierungs GmbH) - wenn auch gering - beim Sender ankommt. 

Karriere-Einstieg 

Finanziell ist auch die Fachhochschule St. Pölten beteiligt, da sie über einen Kooperationsvertrag alles, was den Studierenden das Radiomachen ermöglicht, finanziert. "Dazu zählen auch Expertinnen und Experten für die Ausbildung oder auch die moderne Technik", so die Stadt St. Pölten in einer Aussendung. "Zudem werden Studierende als Assistentinnen und Assistenten bezahlt, und können so den Radiojob von der Moderation und Beitragsgestaltung über das Marketing bis hin zur Radiotechnik erlernen."

Den Sender und die FH St. Pölten verbindet eine lange gemeinsame Geschichte: 

Im Jahr 2001 gründeten Studierende der Fachhochschule St. Pölten ein Online-Radio, das im Jahr darauf bereits seine terrestrische Frequenz erhielt.

Unter 94.4 empfing man damals wie heute das sogenannte „Campusradio.“

Mit vereinzelten Sendungen wurde 2008 der Zugang auch für interessierte Bürgerinnen und Bürger geöffnet und das Radio schließlich in „Campus & City Radio St. Pölten“ umbenannt. Damit sollte betont werden, dass, um zu betonen, dass Radioprogramm von und für alle in St. Pölten und Umgebung ansprechen soll.

Im Notfall (zum Beispiel bei einem Blackout) wird die Frequenz auch als Notradio der Stadt genützt. 

So wurde Radiomoderierenden, wie zum Beispiel darunter Lisa Hotwagner die nun bei Ö3 arbeitet, der Berufseinstieg ermöglicht. 

Beiträge gestalten oder moderieren

Um den Einstieg für Interessierte zu erleichtern, werden auch regelmäßig kostenlose Workshops angeboten. Themen sind dabei journalistische Basics, die Studiotechnik, Audioaufnahmetechnik, Audioschnitt am Computer sowie Medien- und Urheberrecht, so die Aussendung. "Danach wird gemeinsam das Sendungskonzept erarbeitet und in den ersten Sendestunden gibt es auch Unterstützung bei der Technik", heißt es.

Wer nicht live im Studio stehen möchte kann sich ganz ohne Radioausbildung oder Profi-Equipment auch Audio-Beiträge einsenden. 

Anmeldung zum nächsten Workshop (am ersten oder zweiten Oktoberwochenende) unter office@cr944.at 

Mehr Infos: www.cr944.at

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