© Johannes Weichhart

Chronik Niederösterreich Sankt Pölten
05/11/2021

St. Pölten: Im Bordell Geld und Erinnerung verloren

Kunden soll Absinth in Getränke gemischt worden sein. Angeklagte nach kurzer Freiheit wieder in Haft.

von Johannes Weichhart

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Eigentlich hätten die beiden Angeklagten den Schwurgerichtssaal im Landesgericht St. Pölten ohne Handschellen betreten sollen, doch nach kurzer Freiheit befinden sich ein ehemaliger Bordell-Betreiber aus der Landeshauptstadt und sein 40-jähriger Schuldeneintreiber wieder im Gefängnis. Die ursprüngliche Entscheidung des Richters war von einer höheren Instanz aufgehoben worden.

Cobra stürmte Bordell

Der Fall, der bereits vier Prozesstage hinter sich hat, hatte österreichweit für Schlagzeilen gesorgt. Im Juli 2020 stürmten Ermittler des Landeskriminalamtes Niederösterreich und der Spezialeinheit Cobra ein Bordell in St. Pölten. Der Verdacht:  In dem Etablissement soll Kunden Absinth in Getränke beigemengt worden sein.

Hohe RechnungenAls die Gäste ihren Rausch ausschliefen, sollen sie mit gefälschten Rechnungen in der Höhe von bis zu 22.000 Euro abgezockt worden sein. Um die Zahlungsmoral der Geschädigten zu heben, sollen ihnen zudem speziell angefertigte Fotos vorgelegt worden sein, die sie in kompromittierenden Situationen zeigten. Dazu, so die Staatsanwaltschaft, seien  einige Flaschen Champagner drapiert worden, die von den Kunden aber gar nicht konsumiert worden waren.

Bisher bestritten die Angeklagten weitgehend die Vorwürfe, am Montag berichtete ein Pensionist aus St. Pölten, dass auch ihm nach einigen Getränken mit den Prostituierten die Erinnerung fehle.

Belastungszeuge der Staatsanwaltschaft fehlt

Auch eine ehemalige Kellnerin gab an, einmal eine zu hohe Rechnung gestellt zu haben. Außerdem habe sie mit der Kreditkarte eines Kunden Geld behoben. Urteile wurden in dieser Causa am Montag dennoch nicht gesprochen. Der Grund: Der Hauptbelastungszeuge der Anklage, ein Rumäne, war nicht erschienen. Deshalb musste die Verhandlung einmal mehr vertagt werden.

„Leider führt die Befragung von Zeugen aus dem Ausland immer wieder zu Verzögerungen. Das ist leider sehr ärgerlich, auch für meinen Mandanten“, sagt der St. Pöltner Rechtsanwalt Martin Engelbrecht. Der Rumäne soll beim nächsten Mal nun per Video zu Wort kommen, heißt es. Mit einer Fortsetzung wird erst in einigen Wochen gerechnet.

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