THEMENBILD:  FOTOTERMIN POLIZEIAUSBILDUNG / EINSATZTRAINING / POLIZEIAUTO

© APA/BARBARA GINDL / BARBARA GINDL

Chronik Niederösterreich Sankt Pölten
06/15/2021

Sex mit wehrloser 15-Jähriger: Für Gericht keine Vergewaltigung

Die geschlechtlichen Handlungen des 17-Jährigen seien nicht gewalttätig gewesen. Bedingte Haftstrafen setze es trotzdem.

von Sophie Seeböck

Der KURIER berichtet verstärkt aus der Landeshauptstadt St. Pölten. Wenn Sie über alle wichtigen Themen in der Stadt informiert bleiben wollen, dann können Sie sich hier oder am Ende des Artikels für den wöchentlichen Newsletter "Ganz St. Pölten" anmelden.

Was Ende August des Vorjahres als private Party unter Jugendlichen begann, endete für zwei Lehrlinge am Dienstag vor dem Landesgericht St. Pölten.

Eine damals 15-Jährige hatte dort bis zur Teilnahmslosigkeit Alkohol konsumiert, was der 17-jährige Erstangeklagte schamlos ausgenutzt haben soll. Die Anklage lautete: "sexueller Missbrauch einer wehrlosen Person". Ein 18-jährige Zweitangeklagte filmte die Tat und musste sich für die pornographische Darstellung Minderjähriger und dessen Verbreitung verantworten.

Tat gefilmt und verschickt

Laut der Staatsanwaltschaft hatte sich die Jugendliche mit harten Getränken so betrunken, dass "sie sich mehrfach übergeben musste, kaum mehr ansprechbar war und sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte". Während sie sich neben dem 17-Jährigen auf der Couch ausruhte, soll dieser sie unter ihrem T-Shirt begrabscht haben. Als sich das Opfer abermals ins Badezimmer zurückzog, folgte er ihr dorthin. 

Dort führte der Jugendliche dann geschlechtliche Handlungen an dem Mädchen durch. Laut Aussagen vor der Polizei betonte eine Freundin, die die Tat bemerkte, dass das Opfer dem nicht zustimme. Als immer mehr Partygäste im Bad zusammenkamen, zückte der Zweitangeklagte sein Handy und filmte mit. Die Videos zeigte er dann anderen Gästen und verschickte sie an den 17-Jährigen. 

Videos entlasteten

Während sich der 18-Jährige vor dem Schöffensenat aufgrund des Tatbestands der pornographischen Darstellung Minderjähriger voll schuldig bekannte, beteuerte der Erstangeklagte, dass alle geschlechtlichen Handlungen einvernehmlich passierten.

Ausgerechnet die drei durch die Polizei gesicherten Aufnahmen, die auch vor Gericht gezeigt wurden, sollten ihn laut Verteidiger entlasten. Konkret sah man laut Angeklagtenseite beim ersten Video eine aktive Beteiligung des Opfers, obwohl die Jugendliche auf den restlichen Videos das Geschehen regungslos über sich ergehen ließ.

Videos brachten Aufschluss

Andererseits sah man seitens der Verteidigung den Tatbestand der Vergewaltigung nicht erfüllt, da die Jugendliche nicht direkt "wehrlos gemacht worden war". Auch der Schöffensenat sah das ähnlich, sie erkannten auf dem Video keine Gewaltausübung.  

Für die Jugendlichen setzte es vier Monate bedingte Haftstrafe aufgrund der Anfertigung und Verbreitung der Videos, das Urteil ist rechtskräftig.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.