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Pro & Contra
03/03/2021

S34: Verkehrsentlastung oder Umweltsünde?

Die S34 wird seit vielen Jahren diskutiert. Doch was spricht für und was gegen das 208-Millionen-Projekt. Die Argumente im Vergleich.

von Sophie Seeböck, Johannes Weichhart

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Bereits seit den 70er-Jahren scheidet die geplante Traisentalschnellstraße S34 die Geister. Erst im Jänner änderte die Asfinag ihr rund 208 Millionen Euro teures Projekt vor dem Bundesverwaltungsgericht, um dem streng geschützten Wachtelkönig ein Weiterleben in der Region zu ermöglichen – und hoffen damit, bis Jahresende grünes Licht zu erhalten.

Die Gegner kämpfen weiter heftig dagegen an. Doch was ist die S34 nun: Die längst überfällige Entlastung der Mariazellerstraße (B20)? Oder eine Umweltsünde?

Der KURIER hat die wichtigsten Argumente beider Parteien gegenüber gestellt.

Die Befürworter

Die Mariazellerstraße (B20) ist die Hauptverkehrsader zwischen St. Pölten und dem Traisental. An der südlichen Stadteinfahrt in Spratzern stößt noch der Verkehr aus dem Pielachtal (B39) dazu.

Das Resultat: Stau und Stop-and-go-Verkehr bis zur Autobahnabfahrt „St. Pölten Süd“ und auch noch weiter in das Stadtgebiet hinein. Doch nicht nur Pendler leiden unter der täglichen Blechlawine.

Ausflügler verstopfen die Straße am Wochenende

Die hohe Verkehrs- und Lärmbelastung vermiest vor allem B20-Anrainern in den Ortschaften Wilhelmsburg und St. Georgen ihre Wohngegend. Und das nicht nur zu Stoßzeiten, sondern auch am Wochenende, wenn der Verkehr für Ausflüge in Richtung der Berge rollt. Die S34 würde lang ersehnte Entlastung bringen.

Außerdem würde die im Traisental ansässige Industrie von der S34 profitieren. Lastautos könnten dadurch in weiterer Folge bereits in Wilhelmsburg auf die Autobahn auffahren. Auch das Pielachtal wäre durch die Anschlussstelle Völtendorf direkt an das Autobahnnetz angebunden, was die Auffahrt St. Pölten Süd entlasten würde.

Nachhaltige Entlastung

Da die S34 als vierspurige Schnellstraße geplant ist, könnte auch steigendes Verkehrsaufkommen abgefedert werden, so das Argument der Befürworter.

Außerdem könne der Bau der Schnellstraße Anstoß für ein groß angelegtes Verkehrskonzept sein, welches Bahn, Bus und Radwege eingliedert. Somit würde es zu einer nachhaltigen Entlastung kommen, heißt es.

Die Gegner

Das subjektive Empfinden kann einen Menschen häufig auf eine falsche Fährte locken. So auch im Fall der S34. „Der Verkehr wird immer mehr“, rufen jene, die diese Straße unbedingt haben wollen. Aber ist das tatsächlich so?

Mitarbeiter der TU Wien hatten sich die Entwicklung des Verkehrs angesehen – und zwar die Jahre 2000 und 2013 im Vergleich. Das Ergebnis: Die Verkehrsmenge hatte sich praktisch nicht verändert (Plus 0.01 Prozent). An der B20-Zählstelle St. Georgen am Steinfelde waren im Vergleich sogar weniger Autos, Lkw und Motorräder unterwegs.

Bodenversiegelung 

Und immer wieder geht es um den Naturschutz. Denn auch Niederösterreich leidet unter der Bodenversiegelung. Der Verkehrsclub Österreich berichtete im Vorjahr, dass es im Land pro Einwohner 358 Quadratmeter Straßenverkehrsfläche gibt – deutlich mehr als Wohnfläche pro Kopf.

Und: In den vergangenen fünf Jahren hätten die Straßenflächen in NÖ um 820 Hektar zugenommen. Die S34 würde diese Zahl noch deutlich in die Höhe treiben.

Landwirte verlieren Fläche

Denn alleine durch den Anschluss an die Westautobahn wird bei St. Pölten ein riesiges Autobahnkreuz entstehen, eines der größten Österreichs. Dadurch würden 35 Hektar landwirtschaftliche Fläche zerstört, betonen die betroffenen Landwirte.

Fast schon kurios mutet deshalb die Entscheidung der Landeshauptstadt an, in unmittelbarer Nähe zur Schnellstraße, auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz, ein Naturschutzgebiet einzurichten.

Vogel schützen, Wald roden

Und schließlich sind die bedrohten Brutgebiete des Wachtelkönigs ein Gegenargument. Um diese zu entkräften und Platz für ihn zu schaffen, müssen noch einige Hektar Wald gerodet werden.

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