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Chronik Niederösterreich Sankt Pölten
05/17/2021

Landarbeiterkammer NÖ will für Erntehelfer attraktiver werden

Betriebe wie die "Wilhelmsburger Hoflieferanten" schaffen regionale Arbeitsplätze. Doch nicht überall können diese besetzt werden.

von Sophie Seeböck

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26 Jahre ist es her, dass sich die Traisentaler Bauernfamilien Bertl und Graßmann aus Wilhelmsburg (Bezirk St. Pölten Land) zusammengetan haben. Als "Wilhelmsburger Hoflieferanten" vermarkten sie seither ihre in Handarbeit hergestellten regionalen Produkte und setzten in einer globalisierten Welt auf eine klein strukturierte Landwirtschaft.

Landwirtschaft als Arbeitgeber

Waren es Anfangs nur Schulen und Kindergärten, die mit bäuerlichen Produkten aus eigener Erzeugung beliefert wurden, gibt es die Milch- und Käseerzeugnisse heuten in den verschiedensten Supermarktketten in Niederösterreich, Wien und Teilen des Burgenlandes zu kaufen. Mittlerweile sind es auch sechs traditionelle Familienbetriebe, die den zu einem Klein- und Mittelbetrieb mit 15 Angestellten angewachsenen Betrieb der "Wilhelmsburger Hoflieferanten" beliefern. 

Land- und forstwirtschaftliche Betriebe mit Mitarbeitern gibt es in Niederösterreich immer häufiger, wie der Präsident der NÖ Landarbeiterkammer, Andreas Freistetter, erklärt. "Insgesamt gibt es im Bundesland mittlerweile knapp 3.000 Betriebe, in denen Mitglieder der Landarbeiterkammer beschäftigt sind", so Freistetter. 

Regionale Produkte nur mit ausländischen Helfern

Anders als bei den "Wilhelmsburger Hoflieferanten" sei es laut der Landarbeiterkammer nicht in ganz Niederösterreich möglich, alle verfügbaren Stellen mit heimischen Arbeitskräften zu besitzen. So besitze knapp die Hälfte der 35.000 Angestellten, die im Vorjahr für mindestens einen Tag in einem produzierenden Betrieb der Land- und Forstwirtschaft Niederösterreichs tätig waren, keine österreichische Staatsbürgerschaft.

Viele dieser Arbeitskräfte seinen laut Freistetter nicht durchgehend hier beschäftigt, sondern vor allem für Saison- und Erntearbeiten angestellt.

Hilfe aus dem Ausland als knappes Gut

Welche systemerhaltende Bedeutung den Landarbeiterinnen und Landarbeitern - vor allem auch aus dem Ausland - zukommt, wurde nicht nur im Vorjahr ersichtlich, als die Covid-Pandemie die Einreise von ausländischen Arbeitskräften verhinderte. Auch heuer fehlt es beispielsweise bei der Spargelernte an Arbeitskräften, da in Deutschland höhere Löhne bezahlt werden als in Österreich. 

Um diesen Trend entgegenzuwirken, setzt man seitens der Landarbeiterkammer NÖ alles daran, attraktivere Arbeitsbedingungen für temporäre Arbeiter und Arbeiterinnen zu schaffen. 

Neues Gesetz soll ganzjährige Beschäftigung ermöglichen

Einige Meilensteine hätte man bereits erreicht, jeißt es. "Einerseits konnten wir den Mindestlohn von 1.500 Euro für Beschäftigte in bäuerlichen Betrieben durchsetzen", so Freistätter, "Andererseits wird am 1. Juli ein neues bundesweites Landarbeitergesetz in Kraft treten, das mehreren Landwirten ermöglicht,gemeinsam einen Dienstnehmer anzustellen. So soll die Attraktivität gesteigert werden, ganzjährige Jobs in der Branche zu schaffen." 

Weiters setze man seitens der Kammer auch auf Information und Aufklärung der Arbeiter und stelle so beispielsweise Informationen zu Unterbringungen und dem Kollektivvertrag in 13 Sprachen zur Verfügung. Ziel sei es in die Aus- und Weiterbildung der Arbeiter zu investieren, um somit qualitative Fachkräfte beschäftigen zu können.  

Lob aus Parteireihen

Entwicklungen, die seitens der ÖVP NÖ auf Lob stoßen: "Die Landarbeiterkammer ist eine Interessensvertretung, die im Arbeitsrecht viel erreichen konnte und heute auch unmittelbar ihre Mitglieder unterstützt", sagt Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner. "Von bis zu 70-prozentiger Förderung bei beruflicher Weiterbildung, bis zu Unterstützungen im Katastrophenfall bieten sie ein engmaschiges und breites Angebot. Wie in anderen Bereichen ist auch in dieser Branche die berufliche Qualifikation das Um und Auf.“

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