Die S34 ins Traisental ist eines der umstrittenen Asfinag-Projekte in Niederösterreich

© Klaudia H. Ratzinger

Chronik Niederösterreich Sankt Pölten
11/30/2021

Gezerre hinter den Kulissen: Umstrittene Straße kommt als Sparvariante

Kaum ein Verkehrsprojekt wird so heftig diskutiert wie die geplante Traisental-Schnellstraße S34. Nun gibt es eine Entscheidung, die aber viele Fragen offen lässt.

von Johannes Weichhart

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Als Dienstagvormittag im Internet plötzlich die Meldung auftauchte, dass die Traisental-Schnellstraße S34 von Ministerin Leonore Gewessler (Grüne) zu Grabe getragen wurde, war die Freude in den sozialen Medien groß. Mehr als 10.000 Menschen hatten per Unterschrift ihren Unmut gegen das mehr als 200 Millionen teure Projekt ausgedrückt, die Aktivisten rund um die St. Pöltnerin Romana Drexler erfuhren bei ihren Aktionen enormen Zuspruch.

Doch der Jubel dürfte verfrüht gewesen sein. Denn St. Pölten wird die von Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ) erhoffte „Entlastungsstraße“ doch bekommen, allerdings nicht so wie von der Asfinag zuletzt präsentiert. „So werden die Pläne sicher nicht umgesetzt“, betont ein Sprecher der Ministerin auf KURIER-Anfrage. Weitere Details sollen heute, Mittwoch, bekannt gegeben werden.

„Gangbarer Weg“

Seitens des Landes Niederösterreich spricht man von einer Redimensionierung, das Projekt soll also deutlich kleiner ausfallen. Darauf habe man sich mit Gewessler nach zähen Verhandlungen geeinigt. Dies wiederum wollte man am Dienstag im Verkehrsministerium weder bestätigen noch dementieren.

„Das bestehende Straßenprojekt zu redimensionieren ist in unseren Augen ein gangbarer Weg. Ein solches Vorgehen im Rahmen des bestehenden Bundesstraßengesetzes wurde von uns auch von Anfang an vorgeschlagen. Denn wir sehen hier Möglichkeiten für eine spürbare Flächenreduktion“, sagte Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko.

Dem Vernehmen nach könnte zum Beispiel der riesige Autobahnknoten der S34, der nach den bisherigen Plänen im Bereich St. Pölten eine elf Hektar große Fläche beanspruchen würde, kleiner ausfallen. Zudem gehen Experten davon aus, dass in manchen Abschnitten keine Pannenstreifen notwendig sein werden, damit könnte man mit drei Fahrspuren (2 plus 1) das Auslangen finden. Als Beispiel dient etwa die Weinviertler Schnellstraße S3.

Unendliche Geschichte

Völlig unklar ist, wann tatsächlich die Bagger auffahren können. Bereits im Jahr 2006 hatten Landeshauptmann Erwin Pröll und Verkehrsminister Hubert Gorbach den Startschuss für die Traisental-Schnellstraße gegeben, bis heute wurde aber noch kein Meter Straße gebaut.

Die Entscheidung der Ministerin könnte das Projekt deshalb nochmals um Jahre verzögern, denn es ist damit zu rechnen, dass es auch gegen die adaptierten Pläne zahlreiche Einsprüche geben wird.

Die Grünen in NÖ verbuchen die Entscheidung aus Wien jedenfalls als Erfolg. „Landwirtschaftliche Flächen und Lebensraum sind die Sieger, wenn die S 34 in der geplanten Form nicht realisiert wird“, stellte die Grüne Landessprecherin Helga Krismer fest. Die Bedenken gegen die S34 seien groß gewesen, was auch das Ministerium so gesehen und das Projekt im Sinne des Klima-, Umwelt- und Flächenschutzes redimensioniert habe.

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