„Katastrophe“: Österreichs Heereschef tritt mit klarer Warnung ab
Er ist, wenn man so will, einer der mächtigsten Vorgesetzten Österreichs. 16.000 Berufssoldaten, 8.000 Zivilbedienstete, 17.000 Grundwehrdiener und 30.000 Milizsoldaten hören auf sein Kommando; auf seinen Rangabzeichen prangen drei goldene Sterne mit einer goldenen Umrandung.
Rudolf Striedinger hat im Bundesheer Karriere gemacht. Heute ist der 64-Jährige Chef des Generalstabs und damit höchstrangiger Offizier in der Armee.
Die Laufbahn des gebürtigen Niederösterreichers begann im Jahr 1979, als er zum Präsenzdienst einrückte. Danach absolvierte Striedinger die Theresianische Militärakademie, führte Kompanien, schloss den Generalstabskurs ab und führte ab 2011 das Militärkommando Niederösterreich. Ein Job, der für ihn zu einem Sprungbrett für eine Laufbahn werden sollte, die ihn schließlich in den militärischen Inlandsnachrichtendienst, das Abwehramt, und danach ganz an die Spitze des Heeres bringen sollte.
Im September verabschiedet sich der General in den Ruhestand. In der Interviewreihe „Sicher. Niederösterreich“, einer Kooperation des Militärkommandos NÖ mit dem KURIER, blickte Striedinger auf seine lange Laufbahn zurück, die auch von Höhen und Tiefen geprägt war.
Striedinger (re.) und Härtinger in der Interview-Reihe "Sicher.Niederösterreich".
Im Mittelpunkt der Öffentlichkeit stand der Offizier plötzlich, als er zum Leiter der Gecko-Kommission (Gesamtstaatliche COVID-Krisenkoordination) ernannt wurde. Als Striedinger im Tarnanzug eine Pressekonferenz zur Bekämpfung der Corona-Pandemie gab, sorgte das für hitzige Diskussionen.
„Ich war dort als Repräsentant des Bundesheeres, und wir standen im Einsatz. Damit war es klar für mich, dass das keine Galaveranstaltung ist. Deshalb bin ich in Uniform erschienen“, erinnert sich der General.
Die Abwehramt-Affäre
Weitaus mehr Zündstoff bot allerdings eine Affäre im Abwehramt, mit der sich Striedinger gleich zu Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2016 herumschlagen musste.
Zwei Beamte, die meist im Verborgenen agieren, gerieten ins Visier der Justiz. Sie sollen von einer Attacke auf eine Grazer Moschee gewusst haben, weil einer der später verurteilten Täter als Informant für das Abwehramt tätig war. Der Informant hatte an Treffen der rechten Gruppe teilgenommen, bei denen die Tat geplant worden sein soll. Im Außenbereich der Moschee waren ein Sauschädel und Schweineblut platziert worden. Die beiden Offiziere wurden übrigens strafrechtlich verurteilt; heuer legte die Disziplinarkommission nach und sprach jeweils Geldstrafen in der Höhe von 3.000 Euro aus.
In seiner Karriere erlebte der Niederösterreicher zudem ein Wechselbad der Gefühle. Als Militärchef von Niederösterreich musste er mitansehen, wie der damalige SPÖ-Verteidigungsminister Gerald Klug einen harten Sparkurs einschlug und intensiv über (weitere) Kasernenschließungen und ein Zusammenstutzen der Militärkapellen diskutiert wurde.
Diskussion um Reform
Heute ist die Situation eine völlig andere, wie auch Striedingers Nachfolger im Militärkommando NÖ, Georg Härtinger, weiß. Besonders in Niederösterreich seien bereits Maßnahmen zur Modernisierung von Kasernen, Ausbildungsanlagen und autarker Infrastruktur gesetzt worden, so der Brigadier.
Das Heer verfügt also wieder über mehr Budgetmittel, es wird aufgerüstet, und die Republik soll wieder wehrfähig gemacht werden. Was den Generalstabschef dabei aber besonders umtreibt, ist die Frage, wie der Grundwehrdienst künftig ausgestaltet werden soll.
Kern des Vorschlags ist ein Modell mit acht Monaten Grundwehrdienst und anschließend zweimonatigen Truppenübungen über einen Zeitraum von zehn Jahren. Damit verbunden wäre auch eine Verlängerung des Ersatzdienstes auf zumindest zwölf Monate. Doch bislang hat sich die Politik noch nicht zu einer Entscheidung durchgerungen. „Ich sage offen: Es wäre eine Katastrophe und in Wirklichkeit unverantwortlich, den derzeitigen Zustand zu belassen“, betont der General.
Entscheidung um Top-Job naht
Spannend ist unterdessen das Rennen um seine Nachfolge. Sechs Männer haben sich beworben, drei dürfen sich wohl die größten Chancen auf den Top-Job ausrechnen: Bruno Hofbauer, stellvertretender Generalstabschef, Rüstungsdirektor Harald Vodosek und Generalleutnant Karl Schmidseder.
Eine Entscheidung dürfte Ende Juli fallen, nun ist Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) am Zug.
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