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Rudi fliegt Giftködern davon: Kaiseradler auf Spuren von Dracula

NÖ ist das Bermuda-Dreieck der Wildtierkriminalität. GPS-Sender von Kaiseradler zeigt Flüge bis nach Rumänien.
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200 Jahre lang galt der König der Lüfte in Österreich als ausgestorben. Als sich vor mittlerweile 27 Jahren das erste Brutpaar im Burgenland ansiedelte, läutete das die Wiederkehr der Kaiseradler am Himmel über dem Burgenland und den Donau-Auen in Niederösterreich ein. Seither gibt es umfassende Bemühungen von Tierschutzorganisationen wie Birdlife oder dem WWF, den Bestand der majestätischen Tiere über diverse Artenschutzprogramme aufzubauen. Teilweise mit großem Erfolg, wie eines der Beispiele zeigt.

Kaiseradler Rudi schlüpfte in einem Horst im Bezirk Korneuburg im Weinviertel aus seinem Ei. 2023, bevor das Tier flügge wurde, wurde er von Birdlife besendert. Für die Greifvögel ist der Sender in Form eines kleinen Rucksacks am Hals keine Behinderung, sagt Matthias Schmidt, Greifvogel-Experte bei Birdlife.

Kaiseradler Rudi wurde von Birdlife mit einem GPS-Sender ausgestattet.

Kaiseradler Rudi wurde von Birdlife mit einem GPS-Sender ausgestattet.

 Der GPS-Tracker wiegt gerade einmal 25 Gramm und ist mit einem Solarpanel und einem Akku ausgestattet, am Ende seiner Lebenszeit fällt der Sender ab. Damit liefert er rund um die Uhr wertvolle Telemetriedaten über die Reise des Vogels. Und diese sind laut Birdlife beeindruckend. Seit seiner Besenderung besuchte Rudi fast 15 Länder, Tagesflugstrecken von über 300 Kilometern sind dabei keine Seltenheit, so Birdlife.

In Draculas Heimat

Die jüngsten Daten dokumentieren einen Ausflug des Adlers in den Westen bis nach Frankreich und in die Schweiz. „Danach zog es Rudi relativ schnell wieder zurück nach Österreich – nur um nach einer kurzen Verschnaufpause einen Erkundungsflug in den Osten zu starten“, so Birdlife.

Nachdem er dabei erstmals Bulgarien durchquert hatte, zog es ihn weiter in die Südlichen Karpaten nach Rumänien. „Und zwar in jene Gegend, wo Graf Dracula einst sein Schloss gehabt haben soll. Dabei hat er in nur zehn Tagen mehr als 2.500 Kilometer zurückgelegt“, heißt es vonseiten der Tierschutzorganisation.

Die GPS-Daten zeigen die Flugrouten von Kaiseradler Rudi zuletzt bis Rumänien.

Die GPS-Daten zeigen die Flugrouten von Kaiseradler Rudi zuletzt bis Rumänien.

Aber was ist aus den GPS-Daten eigentlich zu erfahren? Eine der ersten Erkenntnisse für die Vogelexperten war, dass sich das Verhalten der Kaiseradler von Tier zu Tier stark unterscheidet. Während manche Jungvögel beispielsweise im ersten Winter nach Griechenland fliegen, verbringen andere den Großteil ihrer Zeit im Weinviertel, so Schmidt.

Die Hälfte aller Delikte in Niederösterreich

Und genau dort lauern für die streng geschützten Greifvögel die größten Gefahren. Die illegale Verfolgung, insbesondere durch Vergiftung oder den Abschuss, erfährt in Niederösterreich zuletzt einen traurigen Höhepunkt. In keinem anderen Bundesland ist die Wildtierkriminalität höher, heißt es von Seiten des Bundeskriminalamtes. Das machen auch aktuelle Zahlen deutlich. Bei den angezeigten Delikten handelt es sich meist um das Vergiften und Abschießen geschützter Greifvögel wie Kaiser- oder Seeadler, Rotmilane und anderer Arten.

Bei den besenderten See- und Kaiseradlern waren illegale Tötungen laut Birdlife sogar die häufigste Todesursache. In den Jahren 2020 bis 2025 wurden in Österreich insgesamt 105 Fälle von vorsätzlicher Schädigung des Tier- oder Pflanzenbestandes angezeigt. Niederösterreich ist so etwas wie das „Bermuda Dreieck“ der Wildtierkriminalität. Fast die Hälfte aller Vorfälle (48 Anzeigen von 2020 bis 2025) passierte im Bundesland. Mit 15 Anzeigen gab es im Vorjahr in Niederösterreich noch dazu einen absoluten Negativ-Rekord.

Kaiseradler Rudi

Kaiseradler Rudi

Freispruch

Gerade die Brutgebiete in den Donau-Auen und die Bezirke Tulln, Korneuburg, Gänserndorf und der Raum St. Pölten gelten als Hotspot, wie die Spezialisten für Wilderei und Wildtierkriminalität des NÖ Landeskriminalamtes erklären. Genau vor einem Jahr wurde ein besonders schwerwiegender Fall bekannt.

Es war im Mai 2025, als Funde auf mehreren Feldern im Bezirk St. Pölten-Land (Loipersdorf, Pummersdorf, Hafing) die Kriminalpolizei auf den Plan riefen. LKA-Ermittler hatten auf der Suche nach einem vermissten Kaiseradler, der mit einem GPS-Sender ausgestattet war, sechs vergiftete Rohrweihen sowie mehrere mit Gift präparierte Hühnereier entdeckt.

GPS-Sender im Auto

Wie schwierig die Strafverfolgung in solchen Fällen ist, wurde vergangenen Winter beim Strafprozess in St. Pölten deutlich. Staatsanwaltschaft und LKA-Ermittler klemmten sich dahinter, eine Indizienkette aufzubauen. Ein 87-jähriger Jäger aus der Region war schließlich angeklagt, die streng geschützten Vögel getötet zu haben.

Der vom Adler abgetrennte GPS-Sender wurde in der St. Pöltner Katastralgemeinde Ragelsdorf gefunden. Der 87-Jährige hatte den Sender nachweislich bei sich. Er sagte aus, den Tracker auf dem Weg zu einem Arztbesuch gefunden und in sein Auto mitgenommen zu haben. Er wurde im Zweifel freigesprochen.

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