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Niederösterreich
07/05/2021

Rotlichtszene im Wandel: "Das Bordell ist ein Auslaufmodell"

Mehr Laufhäuser, mehr Geheimprostitution - mit einem neuen Gesetz, an dem die Polizei mitgewirkt hat, können Kontrollen nun verbessert werden.

von Johannes Weichhart

Das „älteste Gewerbe der Welt“, wie es von manchen fälschlicherweise bezeichnet wird, ist im Wandel begriffen. Niederösterreich bildet da keine Ausnahme. Schummrige Bars und Strizzis sind beinahe verschwunden, heute prägen Geschäftsleute und Laufhäuser das Bild. „Das klassische Bordell“, sagt Chefinspektor Wolfgang Kunter vom Landeskriminalamt NÖ, „ist ein Auslaufmodell.“

Es war die Polizei, die die Politik darauf aufmerksam machte, dass diese Veränderungen auch dringend gesetzlich abgebildet werden müssen. Die Gespräche verliefen so erfolgreich, dass im April das Prostitutionsgesetz neu im NÖ Landtag verabschiedet werden konnte. Die Eckpunkte sind schnell umrissen: Die Fahnder haben mehr Befugnisse bekommen, um gegen illegale Prostitution vorgehen zu können. Etablissements dürfen nicht mehr in einem Umkreis von 250 Metern Luftlinie zu Kindergärten, Schulen oder Heimen eröffnet werden; das Mindestalter zur Prostitution wurde von 19 auf 18 Jahre gesenkt.

Tagesgeschäft

Kunter ist mit den neuen Instrumenten, die den Ermittlern nun zu Verfügung stehen, sehr zufrieden. Derzeit werden die Rotlicht-Ermittler – in jedem Bezirk sind zwei tätig – auf das neue Gesetz geschult.

Eine starke Zunahme hat der Leiter des Ermittlungsbereiches Menschenhandel/Schlepperei vor allem bei der Geheimprostitution beobachtet. Kunter schätzt, dass etwa 200 Frauen ihren Körper anbieten, aber nicht gemeldet sind. „Die Anbahnung erfolgt meistens über das Internet, die Verfolgung ist deshalb schwer.“

Neues Projekt im südlichen Niederösterreich

Während Prostitution sich früher vor allem in der Nacht abspielte, boomt heute das Tagesgeschäft. Das liegt auch an den sogenannten Laufhäusern, von denen es in NÖ derzeit zwölf gibt. Zuletzt sperrte ein Laufhaus in St. Pölten auf, es ist das erste in der Landeshauptstadt. In diesen Gebäuden bezahlen die Frauen Miete, können in den Räumlichkeiten wohnen, müssen keinen Alkohol trinken, wie es in den Bordellen oft üblich ist. Die Freier kommen meistens untertags, die Geschäfte würden sehr gut laufen, heißt es. Kontrollen finden laufend statt, schwarze Schafe gibt es kaum noch.

Dass sich die Szene ändert, ist derzeit auch im Süden des Landes zu beobachten. Dort soll ein Angebot für Menschen mit Behinderung entstehen. Der Betreiber passt derzeit die Räumlichkeiten (Aufzüge, Zimmer etc) auf die künftigen Kunden an.

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