Chronik | Niederösterreich
05.08.2017

Prügelei zwischen Vater und Sohn: Landwirt angeblich in Notwehr erstochen

Mann starb, nachdem ihn Messer in Brust traf. 18-jähriger Sohn gibt an, er wollte sich schützen.

Mord oder Notwehr? Polizei und Staatsanwalt müssen nach einer Familientragödie Freitagnachmittag in Eber-gassing im Bezirk Bruck/Leitha (NÖ) ein Kriminalrätsel lösen. Der 59-jährige Landwirt Gerhard S. wurde von seinem eigenen Sohn erstochen. Der 18-jährige Johannes S. will allerdings in Notwehr gehandelt haben. Der Familientragödie war ein Streit vorausgegangen.

Anwalt Martin Preslmayr vertritt den tatverdächtigen Burschen und war Freitagabend bei allen Einvernahmen durch die Mordkommission dabei. Demnach sei der Landwirt Gerhard S. als „Tyrann“ bekannt gewesen. Es sei in der Vergangenheit auch zu Gewalt in der Familie gekommen, lauten die Aussagen der Angehörigen. Eine Tochter und die drei Söhne sollen darunter gelitten haben.

Holzarbeit

Freitagnachmittag gegen 15.30 Uhr eskalierte die Lage am Hof. Der HTL-Schüler war dabei für seinen Vater ein Möbelstück zusammen zu bauen. Es sei zu einem Streit gekommen, weil der Sohn aus der Sicht des Vaters ein nicht geeignetes Holz dafür verwendet haben soll. „Der Vater ist komplett ausgerastet und hat daraufhin mit der Faust auf den Sohn eingeschlagen. Der Angriff war viel massiver als die Übergriffe zuvor. Mein Mandant ist in Panik in sein Zimmer und hat aus Angst ein Messer in die Hand genommen, der Vater ist ihm nach“, sagt Preslmayr. Laut der Einvernahme des 18-Jährigen sollen Vater und Sohn im Zuge des Gerangels gestürzt und der 59-Jährige „ins Messer gefallen“ sein. Die Klinge bohrte sich in den Brustkorb und dürfte ein Blutgefäß durchtrennt haben. Ein weiterer Sohn und die Tochter des Landwirten wurden Augenzeugen der Tragödie.

Der schwer verletzte Vater schleppte sich noch in den Innenhof des Anwesens, wo er blutüberströmt zusammenbrach. Fast 40 Minuten lang versuchten Sanitäter und das Notarzt-Team des ÖAMTC-Rettungshubschraubers „Christophorus 9“ den 59-Jährigen wiederzubeleben. Der Blutverlust war jedoch zu groß. Der Mann starb noch am Tatort.

Der tatverdächtige Sohn ließ sich widerstandslos festnehmen, die geschockten Familienangehörigen mussten vom Kriseninterventionsteam betreut werden.
Obduktion angeordnetEine gerichtsmedizinische Obduktion und die Spurensicherung der Tatortspezialisten des nö. Landeskriminalamtes sollen nun klären, ob die Notwehr-Version des Sohnes schlüssig ist. Johannes S. wurde in die Justizanstalt Korneuburg eingeliefert, wo vermutlich am Montag über die Untersuchungshaft entschieden wird. „Ich hoffe, dass meinem Mandanten das Gefängnis erspart bleibt“, sagt Anwalt Preslmayr.