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Verhinderter Swift-Attentäter Beran A. wollte "ein Held sein"

Am zweiten Prozesstag schilderte der 21-Jährige seine Planung für den Anschlag auf das Konzert im Wiener Ernst Happel Stadion. Auch Mitangeklagter Arda K. legte seine Terrorpläne offen.
Angeklagte werden in einen Gerichtssaal geführt

Seine Pläne waren konkret. Hätten Verfassungsschützer Beran A. im August 2024 nicht in letzter Minute an der Ausführung gehindert, wäre es vermutlich zu einem Blutbad in Wien gekommen. 

Am zweiten Tag des Prozesses am Landesgericht Wiener Neustadt schilderte der 21-jährige Österreicher mit nordmazedonischen Wurzeln am Dienstag, wie er seinen Terroranschlag auf das geplante Konzert von US-Superstar Taylor Swift im Wiener Ernst-Happel-Stadion ausführen wollte.

Zunächst eigentlich nicht mithilfe jener Bombe, deren Bestandteile schließlich in seiner Wohnung in Ternitz (Bezirk Neunkirchen) gefunden wurden. Er habe einen Selbstmordanschlag geplant, so A. Dafür legte er auch einen Treueschwur auf den IS ab. „Damit Gott mich nicht in die Hölle schickt, wenn ich sterbe“, wie er vor Gericht erklärte. Er habe vorgehabt „wo reinzufahren mit einem Lkw" und sich erkundigt, "wie das mit einem Lkw ist und was ich dafür tun muss". Seine Erkenntnis: "Erstens braucht man dafür einen Führerschein." 

"Mit Bomben und Messern"

Und er ließ auch keinen Zweifel an seiner damaligen kriminellen Energie aufkommen: "Die größte Idee wäre es, mit einem Lkw, bewaffnet, mit Bomben und Messern.“ Denn er habe "als Held dastehen wollen" vor den Idolen der Terrororganisation IS. „Ich wollte mich so stark wie möglich bewaffnen, damit ich groß rauskomme.“

Wochen vor den geplanten Swift-Konzerten wollte sich Beran A. als Security-Mitarbeiter einschleusen, um sich vor Ort einen Eindruck verschaffen zu können. Warum es nicht dazu kam? „Weil das Geld, das ich dort verdienen würde, haram (im Islam verboten, Anm.) ist. Musik ist haram“, erklärte er den Geschworenen.

Auch das Vorhaben, Schusswaffen zu erwerben, scheiterte - trotz mehrerer Versuche, diese online über soziale Medien zu organisieren. Ein angeblicher Händler aus den USA sei ihm in einem Forum empfohlen worden, hatte A. bereits am ersten Prozesstag ausgesagt. 

Also sei er schließlich auf die Idee gekommen, eine Bombe zu basteln - ebenfalls mit wenig Erfolg. Für die Herstellung von TATP (Acetonperoxid, ein explosives Gemisch aus Alltagschemikalien wie Wasserstoffperoxid, Aceton und Säure) wäre mehr als 30-prozentige Schwefelsäure nötig gewesen. „Die Schwefelsäure hatte aber nur ein Konzentrat von sechs Prozent“, erzählte er am Dienstag.

Botschaften im Visier

Das Taylor-Swift-Konzert als Anschlagsziel sei nicht seine erste Wahl gewesen. Die Botschaften der USA oder Israels, Synagogen sowie ein jüdisches Lokal in Wien wurden vorher ausgekundschaftet. Weitere Beratungen - unter anderem mit dem "Märtyrerbeauftragten des IS“ - über Messenger-Dienste hätten ihn schließlich auf die Veranstaltung im Ernst-Happel-Stadion gebracht.

Nach dem Hinweis eines ausländischen Partnerdienstes schlug die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) aber noch rechtzeitig zu: Beran A. wurde festgenommen. Die Konzerttermine in Wien wurden ersatzlos abgesagt.

Auf der Anklagebank am Landesgericht Wiener Neustadt sitzt er nicht alleine. Am Dienstag kam erstmals auch sein mutmaßlicher Komplize Arda K. zu Wort. Dem 21-jährigen Slowaken wird zwar keine direkte Beteiligung am Taylor-Swift-Anschlagsplan vorgeworfen. Er hatte jedoch zuvor gemeinsam mit Beran A. und einem dritten IS-Anhänger Attentate in Istanbul, Dubai und Mekka geplant. Nur jener dritte Mittäter, Hasan E., führte den Anschlag auch tatsächlich aus. Weil er Sicherheitsbeamte sowie weitere Personen mit einem Messer verletzte, wartet er derzeit in Saudi Arabien auf seinen Prozess.

"Sollte draufgehen"

Und wie schon Beran A. am ersten Prozesstag stellte am Dienstag auch Arda K. jenen Hasan E. als Drahtzieher und "Chefideologen" aller Terrorpläne dar. E. habe ihn dazu überredet, nach Istanbul zu fliegen und dort einen Polizisten mit einem Messer zu attackieren: "Er hat gesagt, dass er es auf jeden Fall durchzieht und sie dann auch mich verhaften werden. Statt für den Rest meines Lebens im Gefängnis zu sitzen, wäre es besser, ich würde selbst bei einem Anschlag draufgehen."

Die Empfehlung sei gewesen: "Du stürmst einfach auf einen Sicherheitsbeamten los, dann werden sie dich sofort durchlöchern. Du opferst dein Leben für eine gute Sache und hast es hinter dir." Ein Rat, dem Arda K. letztlich nicht folgte. Denn: "Es ist ein Unterschied, ob man etwas plant, oder ob man es dann wirklich tut." Rückflugticket habe ihm E. zwar keines gebucht - "Weil ich ja draufgehen sollte" - er habe aber Handy und Messer entsorgt, seine Familie kontaktiert und sei von einem Onkel, der in der Türkei lebt, abgeholt worden, so K.

"War ein 18-jähriger Trottel"

Vor Gericht gibt er sich am Dienstag geläutert, drückt sich auffallend gewählt aus. Trotz deutlich hörbaren Akzents spricht er grammatikalisch fast fehlerfrei, seine Sätze wirken gut vorbereitet. "Waren Sie IS-Anhänger damals?", will die vorsitzende Richterin wissen. "Ja, das kann man so sagen", antwortet der 21-Jährige. Lehrer seiner Schule sahen das genauso. Sie hatten Bedenken bezüglich seiner Radikalisierung geäußert: K. bestehe auf fixen Gebetszeiten, weigere sich, Schülerinnen zu berühren, sei zu keinerlei Kompromissen bereit, stellten sie fest.

Heute wolle er mit der Ideologie nichts mehr zu tun haben. "Was würden Sie meinen, wie kann man Radikalisierung verhindern?", fragt die Richterin nach. Die knappe Antwort: "Wissen." Nach kurzer Nachdenkpause: "Wissen und Aufklärung. Ich war damals ein 18-jähriger Trottel und habe mir von Hasan seine Meinung einreden lassen. Ich hatte niemanden, der mich geleitet hat." Seither habe er sich "intensiv mit dem Thema beschäftigt und auch in Moscheen nachgefragt, ob Anschläge im Namen des Islam zu rechtfertigen sind, aber "das wurde von allen verurteilt."

Von Beran A.s vermutlich vereiteltem Anschlag auf das Taylor Swift-Konzert habe er erst aus den Medien erfahren, so K. In die Planung sei er in keiner Weise involviert gewesen. Was er "als freier Mann" tun würde? Die Antwort sorgt für Schmunzeln im Saal: “Ich wurde halt zwei Wochen vor der Matura festgenommen. Das ist ein bisserl blöd. Aber das Gute ist, ich habe die Klasse abgeschlossen, kann also zur Matura antreten. Darauf würde ich mich zuerst fokussieren, dann einen Job suchen."

Aussage unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Als erste Zeugin wurde dann eine Vertreterin der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst befragt. Auf Ersuchen ihres Dienstgebers wurde davor allerdings die Öffentlichkeit von der Verhandlung ausgeschlossen. 

Der Prozess wird am kommenden Dienstag mit der Befragung weiterer Zeuginnen und Zeugen fortgesetzt. 

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