Swift-Anschlagspläne: Beran A. gesteht, gibt sich aber als Opfer
Mit drei Konzerten hätte Pop-Superstar Taylor Swift im August 2024 im Wiener Ernst-Happel-Stadion ihre Fans beglücken sollen. Die Absage kurz vor den geplanten Terminen stürzte Tausende „Swifties“ in tiefe Trauer.
Grund dafür war ein damals 19-jähriger Arbeitsloser aus Ternitz im südlichen Niederösterreich. Verfassungsschützer hatten Beran A. schon länger beobachtet, ehe sie ihn im Kinderzimmer der Familienwohnung festnahmen. Bombenbauanleitungen und die nötigen „Zutaten“ wurden sichergestellt.
Am Dienstag begann am Landesgericht Wiener Neustadt nun der Prozess gegen A. und den gleichaltrigen Slowaken Arda K., dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, einen Terroranschlag in Istanbul geplant zu haben.
„Lehrer und Schüler“
Während K. am ersten Verhandlungstag noch nicht zu Wort kam, bekannte sich Beran A. zu den Anschlagsplänen schuldig, gab sich aber alle Mühe, die Ursache seiner Radikalisierung vor allem bei einem dritten Komplizen zu suchen: Hasan E. wartet in Saudi-Arabien auf den Beginn des Prozesses gegen ihn, nachdem er in Mekka fünf Personen mit einem Messer schwer verletzte. E. habe ihn überzeugt, sich dem IS anzuschließen, behauptete Beran A. „Es war wie ein Lehrer-Schüler-Verhältnis.“
Begonnen habe dieses Verhältnis während der Schulzeit. Der Ternitzer sei in seiner Klasse gemobbt worden, bis Hasan E. ihn unter seine Fittiche genommen habe. „Er war der Angesagteste“, erzählte Beran A. Als sein Freund dann immer radikaler geworden sei, habe er sich von ihm distanziert: „Ich habe den IS und das, was sie vorhaben, für falsch gehalten.“ Als E. daraufhin gedroht habe, die Freundschaft zu beenden, sei er ihm aus Dankbarkeit für dessen Hilfe in Schulzeiten weiter gefolgt. „Hätte er nicht wieder mit mir Kontakt aufgenommen, wäre unsere Freundschaft zerbrochen und ich wäre heute nicht hier“, behauptete A. vor Gericht.
Mordanklage
Damit widersprechen er und seine Verteidigerin der Anklage der Staatsanwaltschaft, die A. auch vorwirft, Hasan E. bei der Durchführung seines Attentats unterstützt und sich damit ebenfalls des versuchten Mordes schuldig gemacht zu haben.
Der Ternitzer erhielt Tötungsvideos von E. – und forderte mehr: „Schick mir Videos von Menschen, die ertrinken, oder von Selbstmorden“, schrieb er. Unzählige Chats zwischen den drei Komplizen wurden sichergestellt. Sie zeigen die Vorbereitungen für drei Attentate. Nur Hasan E. führte seines in Mekka aus. Arda K. bekam in Istanbul ebenso kalte Füße wie Beran A. in Dubai.
"Panikattacken"
Nachdem er plangemäß drei Messer gekauft und sich auf die Suche nach Opfern begeben habe, seien ihm Zweifel gekommen, erzählte A. vor den Geschworenen. Mehrmals sei er mit seiner Hand am Messer bereits vor einem potenziellen Opfer gestanden, habe aber stets Panikattacken erlitten und sei schließlich unverrichteter Dinge nach Hause zurückgekehrt.
Weil sich die Idee, durch einen Anschlag für „Aufstände“ zu sorgen, aber in Berans Kopf festgesetzt hatte, machte er sich in Österreich wieder an die Planung. Er organisierte eine Anleitung zum Bombenbau und eine „Zutaten-Liste“. Dies sei anfänglich nur ein „Experiment“ gewesen, er habe die Bombe „in einem Wald anzünden wollen.“ Via Tiktok diskutierte A. mit Gleichgesinnten, ob man auch Frauen und Kinder töten dürfe im „Heiligen Krieg“.
Suche nach Zielen
Er habe viel dazu online nachgelesen, gab er zu. „Wenn man mit einem Land verfeindet ist – also wie der IS mit Österreich –, dann darf man laut IS schon Anschläge machen“, seien seine Recherche-Ergebnisse gewesen. Also wurde eine Liste mit Zielen erstellt: „Gay Bar, Rathausplatz Wien, Botschaft USA, Botschaft Israel, Taylor-Konzert Freitag“. Letztlich habe er sich für das erste der geplanten Konzerte entschieden.
Über Tiktok sei ihm ein Händler in den USA vermittelt worden, der ihm Waffen verkaufen konnte. Das Video zur Bombenanleitung habe er von Hasan E. erhalten. Auf Social Media sammelte er Tipps, wie er den Anschlag am besten durchführen könne. Viel mehr will Beran A. dazu aber nicht mehr sagen: „Mir ist es damals nicht gut gegangen, das war eine schlimme Zeit für mich.“
Der Prozess wird am 12. Mai fortgesetzt.
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