Wie es den Taylor-Swift-Fans vor dem Terror-Prozess geht

Auch eineinhalb Jahre nach dem verhinderten Anschlag auf die Taylor-Swift-Konzerte besteht die Community noch aus Tausenden Mitgliedern.
"SWIENNA REVIVAL": SWIFTIE-EVENT EIN JAHR NACH KONZERTABSAGEN IN WIEN

Die Swift-Community ist wohl so friedlich wie kaum eine andere Fan-Szene. „Mir wurde von einer Swiftie gesagt, unsere Events sind wie ein Riesen-Frauenklo“, sagt Lex Dimitrijevic, Organisatorin der Swiftie Nights. 

Der einzige Ort, an dem man sich in Clubs oft wohl und sicher fühle, an dem man sich austausche und gegenseitig Komplimente mache, sei nun mal das Frauenklo.

Was ist nun – eineinhalb Jahre nach dem verhinderten Anschlag – aus der Community geworden? Dimitrijevic selbst hätte nicht erwartet, dass die Community auch heute noch so aktiv ist. Rund 3.000 Menschen sind nach wie vor in einer gemeinsamen WhatsApp-Gruppe, die Kerngruppe aus Wien schätzt die 27-Jährige auf etwa 500 bis 600 Swifties. 

Fans fliegen zu Swiftie-Abenden nach Wien

Gemeinsam mit einem 17-köpfigen Team organisiert die Lehramtstudentin auch heute noch monatliche Events, wie Armband-Knüpfabende, einen Buchclub oder Karaoke-Treffen. Mittlerweile gibt es auch einen Podcast. „Viele Swifties kommen auch aus anderen Ländern zu unseren Veranstaltungen. Eine Bekannte fliegt sogar jedes Monat zu Events im Club „CellaVie“, schildert die 27-Jährige.

Konzept aus Serbien übernommen

Die Idee zu den gemeinsamen Events mit anderen Swifties wurde bereits 2023 geboren. „Als ich auf einer Taylor-Swift-Party in Serbien war, habe ich dort etwas erlebt, was ich im Kontext mit Clubs und Fortgehen noch nie erlebt habe“ , schildert die Studentin. 

Sie habe sich sicher gefühlt und den Zusammenhalt mit gleich gesinnten Menschen erlebt, die nur aus Liebe zur Musik dort gemeinsam gefeiert hätten.

Lex Dimitrijevic  Organisatorin Swiftie Nights.

Lex Dimitrijevic  Organisatorin Swiftie Nights: „Der Prozess gegen den Angeklagten ist bei uns kein Thema. Wir fokussieren uns auf gemeinsame Heilung.“

In Österreich bzw. Wien gab es vergleichbare Veranstaltungen zu der Zeit noch nicht. Die 27-Jährige entschied sich also, dieses Konzept auch hierzulande zu etablieren. 

Clubs waren anfangs nicht begeistert

Einen Ort zu finden, an dem die Swift-Partys stattfinden können, gestaltete sich zunächst allerdings als extrem schwierig. „Fast alle namhaften Clubs in Wien haben mir abgesagt. Sie haben gesagt, sie wollen nicht solche Kinderpartys haben. Oder dass diese Zielgruppe nicht passt“, schildert Dimitrijevic. 

Dass die Szene kurz daraufhin – vor allem durch die abgesagten Events – zu einem internationalen Phänomen werden sollte, dürfte wohl so mancher Veranstalter unterschätzt haben. „Mit dem Club „CellaVie“ haben wir jetzt aber einen super Partner. Die Clubmanagerin ist selber Swiftie, das macht einfach einen Unterschied“, sagt die 27-Jährige.

Zwei junge Menschen umarmen sich herzlich, eine trägt einen schwarzen Hut und Glitzer im Gesicht, die andere ein großes Schleifenband im Haar.

Bei den Events stehe  das Miteinander und Heilung im Fokus. 

Therapeutin organisiert

Bei den gemeinsamen Veranstaltungen geht es grundsätzlich um den Austausch mit Gleichgesinnten, um die Pflege von neuen Freundschaften – aber auch um Heilung. 

„Man muss differenzieren, ob ein Konzert abgesagt wird, weil das Wetter schlecht ist, die Artists krank geworden sind oder ob es ein geplanter Terroranschlag war, der uns alle potenziell das Leben hätte kosten können. Das war sehr erschreckend, traumatisierend und schwierig für viele zu verarbeiten“, erzählt die 27-Jährige. 

Größere Veranstaltungen gemieden

Viele Swifties hätten danach auch größere Veranstaltungen gemieden, manche hätten auch bestimmte Lieder von Taylor Swift nicht mehr hören können. „Wir haben damals eine Therapeutin mit Fokus auf Trauma organisiert, die die Menschen aufsuchen konnten.“

Gleichzeitig habe aber ein enormes Bedürfnis nach Versammlung geherrscht. „Sonst wären nicht Tausende Swifties in der Corneliusgasse zusammengekommen. Vielleicht ist die Solidarität in der Community durch die abgesagten Konzerte sogar noch stärker geworden“, sagt Dimitrijevic.

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