"Swiftonomics: Wie Taylor Swift ganze Branchen aufmischt"
„Die Aromen entfalten sich in floralen Noten und Anklängen von Zitrusfrüchten. Dieser angenehme, geschmeidige Wein besitzt lang anhaltende fruchtige Aromen. Er passt hervorragend zu Schalentieren, Meeresfrüchten, Sushi oder einem Ziegenkäse-Omelett.“ Zu welcher Speise Taylor Swift diesen Wein genießen durfte und ob sie ihn tatsächlich auch konsumiert hat, ist nicht bewiesen.
Dennoch kam eine Flasche Sancerre des französischen Weinguts Terres Blanches in der Mitte Dezember auf Disney Plus veröffentlichten Dokuserie über den Star kurz ins Bild (neben einem Mischpult stehend). Das reichte schon, dass ihre Fans – auch Swifties genannt – diesen Wein haben wollten. In kürzester Zeit war er in den USA ausverkauft – zum Preis von umgerechnet rund 35 Euro je Flasche.
„Es ist ziemlich verrückt. Das ist unbezahlbar“, sagte Winzer Laurent Saget. „Selbst wenn wir eine unserer Flaschen in einer Serie mit einem derart großen Publikum hätten platzieren wollen, hätten wir uns das niemals leisten können.“ Er beteuerte, von der Aktion nichts gewusst zu haben.
Anspielungen
Wein steht nicht zum ersten Mal im Mittelpunkt von Swifts Veröffentlichungen. Laut dem britischen Fachmagazin The Drinks Business finden sich auf ihrem vorletzten Studioalbum zahlreiche Anspielungen auf Alkohol(konsum) und dabei in erster Linie auf Wein. „Man kann durchaus argumentieren, dass sie die größte Wein-Influencerin der Welt ist, die den Absatz jeder Flasche steigert, mit der sie fotografiert wird“, schrieb das Magazin damals.
Swifties stürmten aber beispielsweise auch bereits ein Museum in Wiesbaden, weil ein dort ausgestelltes Gemälde das Video zu ihrem Song „The Fate of Ophelia“ inspiriert hatte. Ein anderer Song bescherte einem Pub in London einen Besucheransturm. Im vergangenen August sorgte auch die Verlobung mit US-Footballspieler Travis Kelce für wirtschaftliche Effekte.
So war Swifts Kleid von Designer Ralph Lauren (im Wert von 400 Dollar), das sie bei der Verlobung trug, schon bald danach ausverkauft war. Ihr Verlobungsring im Wert von geschätzt 800.000 Euro aufwärts brachte der Designerin Kindred Lubeck zahlreiche Aufträge ein.
„Es hat marketingtechnisch immer alles funktioniert“, sagt Jörn Glasenapp zum KURIER. Er lehrt an der Uni Bamberg Medienkunde und ist mit dem Phänomen Taylor Swift bestens vertraut (u.a. als Autor eines entsprechenden Buches). Es passiere bei ihr grundsätzlich nichts zufällig. „Bei ihr gehen Kunst und Marketing ganz selbstverständlich Hand in Hand.“
Keine Influencerin
Viele halten Swift für eine klassische Influencerin. Glasenepp widerspricht. „Die sozialen Medien sind nicht ihr primärer Wirkungsraum. Ihr zentrales Medium bleibt die Musik. Jedoch war Social Media für ihre Karriere von Beginn an sehr wichtig, und bis heute nutzt sie diese Kanäle ausgesprochen bewusst und sehr gekonnt. Hierbei agiert sie mitunter durchaus im Stil einer Influencerin: Sie stellt Nähe her, adressiert ihre Fans direkt, arbeitet mit Intimität und stiftet ein Gemeinschaftsgefühl. Aber: Diese Influencer-Mechaniken sind bei ihr Mittel zum Zweck, nicht der Zweck selbst.“
Inzwischen gibt es auch einen Begriff für die wirtschaftlichen Impulse seitens ihrer Fans – Swiftonomics. Der Begriff kam im Zusammenhang mit Swifts „Eras Tour“ im Sommer 2023 auf, als man begann, konkret zu berechnen, welchen wirtschaftlichen Effekt ihre Konzerte auf einzelne Städte und sogar ganze Regionen haben.
Laut einer aktuellen Studie des Zahlungsabwicklers Moneris an den Stadtrat von Toronto betrug die Wertschöpfung für die lokale Wirtschaft durch die sechs Konzerte in der Stadt 282 Millionen US-Dollar. Hinzu seien Steuereinnahmen von knapp 40 Mio. US-Dollar gekommen.
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