Professionell organisierter Beutezug endet für Chilenen hinter Gittern
Die vier Chilenen drangen in Häuser in Niederösterreich und in der Steiermark ein.
Sie überließen nichts dem Zufall. "Es war ein höchst professionell vorbereiteter und ausgeführter Plan", sagt die Staatsanwältin zur Einbruchsserie, die am Montag am Landesgericht Wiener Neustadt mit vier Schuldsprüchen endete.
Auf der Anklagebank: vier chilenische Staatsbürger im Alter von 20 bis 40 Jahren, die - gemeinsam mit zwei noch flüchtigen Komplizen - zu ihrer ganz eigenen Europa-Tour aufgebrochen waren. Man buchte Quartiere im Voraus, mietete Fahrzeuge an, kundschaftete mögliche Ziele aus. Ihr Hauptquartier schlug die Bande in Mailand auf, dort wurde auch die Beute verkauft, wie die Ermittlungen der Kriminalisten ergaben.
Gefasst wurden die Chilenen schließlich bei einem Coup in der Steiermark. Insgesamt 12 Einbrüche, mehrere davon in Niederösterreich, etwa in Perchtoldsdorf (Bezirk Mödling) oder Steinabrückl (Bezirk Wiener Neustadt), konnten ihnen zugeordnet werden. "Die Unterkünfte waren für längere Zeit gebucht, daher ist es sehr wahrscheinlich, dass sie noch mehr Straftaten begangen haben, als wir ihnen nachweisen können", betont die Staatsanwältin.
Schmuck und Bargeld erbeutet
Die Vorgangsweise der Bande: Man wählte vorzugsweise Einfamilienhäuser in nobleren Wohngegenden aus, wo reiche Beute zu erwarten war. Zwei Mitglieder kundschafteten dann, getarnt als Jogger, laufend die Umgebung aus und klingelten schließlich bei einem möglichen Ziel, um zu überprüfen, ob die Bewohner zuhause waren. War dies nicht der Fall, wurden die Komplizen verständigt - man war per Headset und Mobiltelefon ständig miteinander verbunden. Diese schlugen dann ein Fenster ein, durchsuchten das Innere des Hauses nach Bargeld, Uhren und Schmuck und verschwanden wieder, während andere Bandenmitglieder immer die Umgebung im Auge behielten.
"Sie machten auch sehr detaillierte Aufzeichnungen über die Ziele, die ausgekundschaftet wurden", berichtet die Staatsanwältin. Beute im Wert von insgesamt rund 300.000 Euro konnte den Chilenen zugeordnet werden. Kriminalisten vermuten, dass die Gesamtsumme aber deutlich höher sein dürfte.
Keine Aussagen
Vor Gericht präsentiert sich das Quartett - zwei von ihnen wurden bereits in den USA verurteilt und abgeschoben, ein dritter hat zwei langjährige Haftstrafen in seinem Heimatland abgesessen - wortkarg. Man wolle sich bei allen Geschädigten und auch beim Staat Österreich entschuldigen, sagt einer von ihnen. "Es tut mir wahnsinnig leid, ich schäme mich für das, was ich getan habe", ein anderer.
Mehr habe man aber nicht zu sagen, teilen die Anwälte der Männer mit. Auch auf Fragen der Richterin antworten sie nicht.
Zu den Einbrüchen, die ihnen die Staatsanwaltschaft zur Last legt, sind sie geständig. Ein Raunen geht durch den Gerichtssaal, als die Verteidigerin des vierten Angeklagten meint: "Er hat erkannt, dass man anderen Leuten nichts wegnehmen darf und will jetzt nur noch nach Hause zu seinen Kindern, sich eine Arbeit suchen und ein ordentliches Leben führen."
Haftstrafen
Bis dahin müssen sich die Männer allerdings noch gedulden. Sie werden vom Schöffensenat zu Haftstrafen von zwei, drei, vier und fünf Jahren verurteilt. Nicht rechtskräftig.
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