Vom Handwerker zum Autor: Günther Pfeifers unlogischer Karriereweg
Günther Pfeifer hat einen neuen Roman geschrieben. Zur Präsentation lädt er am 25. April ins Guntersdorfer tww ein.
Er erlernte das Malerhandwerk, war dann Zeitsoldat, wollte danach "irgendwas mit Computern machen", wie er sagt, landete aber im Ein- und Verkauf - heute immerhin bei einer IT-Firma. Doch diese seriöse Seite an Günther Pfeifer kennen die wenigsten in seiner Heimat, dem Weinviertel. Da kennt man ihn wandelbaren Schauspieler und Autor.
Dabei hatte er mit dem Theater lange nichts am Hut. "Das erste Mal, dass ich in einem richtigen Theater war, war im tww", schildert er, dass er nur Theaterstücke auf einer Dorfbühne kannte. Doch mit etwa 22 Jahren betrat er das Theater Westliches Weinviertel, besser bekannt als tww, in Guntersdorf (Bezirk Hollabrunn). "Dort haben sie das Volpone gespielt, ein Maskentheater. Das war ein Erlebnis!" Da war's um den heute 58-Jährigen geschehen.
Korsett und Strapse bei erster Rolle im Theater
"Die Theaterleut'" aus dem tww habe er später in einem legendären Hollabrunner Lokal kennengelernt. So kam er zu seiner ersten Rolle; einer Nebenrolle, die es in sich hatte. "Es war eine Doppelrolle. Ich spielte eine Magd und eine Hetäre." Was letzteres ist? "Eine Prostituierte. So richtig mit Strapsen und Korsett", erinnert sich Pfeifer mit einem Schmunzeln. Der schon verstorbene Didi Jäger hatte am tww "Der Frieden" von Aristophanes inszeniert. Bei den Griechen war es üblich, dass alle Rollen von Männern gespielt wurden.
"Es war eine andere Welt; voller Freigeister", war er aus dem Theater nicht mehr wegzubringen und habe alle Rollen quer durchgespielt.
Günther Pfeifer 2012 als Grinsekatze in "Alice im Wunderland" von Lewis Carroll im tww.
Als Franziska Wohlmann, die Gründerin des tww, beschloss ein Kinderstück am Wallfahrtsort Klein-Maria-Dreieichen mitten im Wald zu spielen, hat Pfeifer ein neues Talent an sich entdeckt: Das Schreiben. "Franziska wollte ein Kinderstück spielen. Aber das Stück hat noch gefehlt", erinnert sich der Autor. "Da hab' ich mir gedacht: I kann des, i moch des." Geschrieben hatte er davor zwar noch nichts, aber das hielt ihn nicht davon ab, ein ganze Stück und drei Songs zu schreiben. "Meine Rechtschreibung war eine Katastrophe", das Stück war ein Erfolg.
300 Seiten voller Verhaltensauffälligkeiten
Dass er meint, etwas zu können, was er vorher noch nie gemacht hat, zieht sich weiter durch Pfeifers Leben. "Ich war damals schon mit Franziska zusammen, die liest gerne Krimis. Ich hab' mir gedacht, wenn ich Theaterstücke schreiben kann, kann ich auch einen Krimi." Sein Anspruch: Es musste originell sein und richtig krachen. "Es war ein Sammelsurium an Verhaltensauffälligkeiten." Mit großer Begeisterung schrieb Pfeifer 300 Seiten. "Da hab' ich mir gedacht, ich sollte langsam an eine Auflösung denken." Denn eines hatte das Geschriebene nicht: Struktur.
"Ich habe eine Hetäre gespielt. Das ist eine Prostituierte. So richtig mit Strapsen und Korsett."
Schauspieler & Autor
"Ich hab am Anfang nicht gewusst, wie's ausgeht. Ich hab' mir gedacht: Wart ma mal!", muss Pfeifer hier wieder lachen. So schrieb er drei Krimis, die kein Verlag wollte. "Beim vierten hab ich mir vorher überlegt, wer's war." Dieser Kriminalroman, Leponov, erschien dann als Buch.
Einige Krimis und den Reiseführer "111 Orte im Weinviertel, die man gesehen haben muss" später, ist nun ein Roman von Günther Pfeifer erschienen. Er trägt den Titel: "Als ich an Don Renzo schrieb". In der Sprache eines Erwachsenen schildert er darin das Leben eines Fünfjährigen, der in der Emmy-Stradal-Straße in Hollabrunn lebt. So hat Pfeifer seine Kindheitserinnerungen sehr launig festgehalten.
Die Idee entstand, als ihm seine Tante Hildegard ihre Jugenderinnerungen geschickt hat. Sie hatte einen Brieffreund in Italien, der plötzlich in Hollabrunn vor der Tür stand und einen abenteuerlichen Gegenbesuch zur Folge hatte. Eine Episode, die im Roman nachzulesen ist. Pfeifers plan: Eine Familienchronik, die er zu einer Familiensaga ausbauen wollte - und zwar in der Pension. Doch dann starb Tante Hildegard; ebenso der dazugehörige Onkel. "Da hab ich mir gedacht, es wäre eigentlich schön, wenn meine Verwandten die Saga noch lesen könnten."
Eine Buchpräsentation mit Italo-Pophits
Also schrieb Pfeifer den Roman schon jetzt, und zwar im Zug, wie all seine Werke: "Ich bin glücklicher Bahnpendler; das ist geschenkte Zeit." Ein Stunde hin, und eine zurück.
Seinen Roman präsentiert Pfeifer am 25. April im Guntersdorfer tww: Er und seine Frau Franziska Wohlmann-Pfeifer lesen, Chris Canis "und ein Italiener machen Musik", freut er sich auf Danny Bianchi. Denn jedes Kapitel im Buch beginnt mit einem passenden Zitat eines Italo-Pophit.
Kommentare