Chronik | Niederösterreich
16.06.2017

Problemfall: Der Wolf im Schafspelz

Fachleute fordern bisher vergeblich Lösungen für das Zusammenleben mit den Wildtieren.

Der Verdacht hat sich bestätigt: Jene sieben Schafe, die Ende Mai auf einer Weide bei Bad Traunstein im niederösterreichischen Waldviertel getötet wurden, wurden von einem oder mehreren Wölfen gerissen. Das belegt die Untersuchung von Genproben.

Für Maria Hackl, deren Familie die Schafe besaß, stellt sich – wie für andere Weidehalter – die Frage, welcher Aufwand nötig wäre, um zukünftig Tiere zu schützen. Und welchen Einsatz man sich überhaupt leisten kann. Von Hilfe ist bisher keine Rede. Denn obwohl Fachleute die Politik bereits 2012 aufgefordert haben, Maßnahmen zu ergreifen, die ein Zusammenleben mit dem Wolf erleichtern, scheint beispielsweise die geforderte Unterstützung der öffentlichen Hand beim Herdenschutz in weiter Ferne.

"Wir stehen vor einem schweren Wolfs-Konflikt in Österreich. Weil die Politik sich tot stellt und so gut wie nichts tut", sagt Kurt Kotrschal. Auch aus diesem Grund hat der bekannte österreichische Wolfsforscher einen Forderungskatalog mit unterzeichnet, den Betroffene Ende Mai im Rahmen einer Podiumsdiskussion auf der Messe "Biorama Fairfair" in Wien spontan entworfen und veröffentlicht haben. Auch der WWF unterstützt den Vorstoß.

"Der Wolf ist zurück in Österreich. Und jetzt?" lautete der Titel der Diskussionsrunde . Anlass war, dass sich nach rund 150 Jahren erstmals wieder ein Wolfsrudel in Österreich nieder gelassen hat, nämlich am Truppenübungsplatz Allentsteig im Waldviertel. Weidehalter der Region fühlen sich seither in ihrer Existenz bedroht und für besonders naturnahes Wirtschaften "bestraft".

An der Diskussion nahmen unter anderem Bio-Schafhalter Willi Klaffl aus dem niederösterreichischen Kamptal, Biobäuerin Helena Kunes aus dem Waldviertel und die Wildtierökologin, sowie Jägerin Lena Schaidl teil, die auch Managerin des Wolfsforschungszentrums im Weinviertel ist.

Wünsche

Sie alle wünschen sich ein bundesweit einheitliches Monitoring mit finanzieller und technischer Unterstützung, eine einheitliche Regelung bei der Unterstützung für vorbeugenden Herdenschutz sowie für den Schadenfall – in manchen Ländern zahlt die öffentliche Hand, in anderen die Jägerschaft. Außerdem wird die Abdeckung der Schäden durch eine landwirtschaftliche Versicherung gefordert, weil der Wolf als Naturereignis zu betrachten sei, eine Kulanzlösung für unklare Fälle und mehr.

"Derzeit ist es so, dass in NÖ der Landesjagdverband für die Kompensation von Schäden über eine Versicherung aufkommt. Aber wie lange? Jäger sind nicht neutral, sondern Partei", kritisiert Kotrschal. Wolfanwalt Georg Rauer kann Risse nur dokumentieren: "Außer der Anstellung einer Person für die Beratungsstelle Herdenschutz ist nichts geschehen", bestätigt er.

Die Anfrage beim Land NÖ beantwortet Hans Grundner von der Forstdirektion (gekürzt) so: "Aktivitäten jener Individuen, deren Anwesenheit im Umkreis des Übungsplatzes (TÜPL) dokumentiert ist, werden genau beobachtet. Der Wolfsbeauftragte der TÜPL-Forstverwaltung Christian Kubitschka, ist in der "Task Force" mit eingebunden, in der auch Themen wie ’Herdenschutz’ diskutiert werden."

Schadenersatz

Regelungen Für die Abgeltung von Schäden, die ein Wolf an Nutztieren verursacht, gibt es regional unterschiedliche Regelungen. In Niederösterreich, Oberösterreich, Kärnten und Tirol übernimmt eine vom Landesjagdverband abgeschlossene Versicherung eine Abgeltung für klar nachgewiesene Wolfsrisse. In Kärnten und Tirol springt das Land in Zweifelsfällen ein. In Salzburg und in Vorarlberg zahlen die Länder direkt. In Wien und dem Burgenland gibt es bisher keinen Bedarf und keine Regelung.