Pipeline statt Abhängigkeit: Niederösterreich zeigt Initiative

NÖ sieht in Kroatien einen wichtigen strategischen Partner, durch diverse Projekte soll die Zusammenarbeit gestärkt werden.
Premierminister von Kroatien Andrej Plenković schüttelt der Landeshauptfrau von Niederösterreich, Johanna Mikl Leitner. die Hand

Zusammenfassung

  • Kroatien entwickelt sich zum strategischen Energie-Knotenpunkt für Mitteleuropa, was für Österreichs Versorgungssicherheit zunehmend wichtig wird.
  • Die Zusammenarbeit zwischen Niederösterreich und Kroatien umfasst Infrastrukturprojekte wie Bahnmodernisierung und Energieversorgung, um Abhängigkeiten zu verringern.
  • Regionale Kooperationen stärken wirtschaftliche Verbindungen und schaffen Perspektiven für eine unabhängige und zukunftsfähige Energie- und Handelsregion.

322 Millionen Euro Exportvolumen und Milliardeninvestitionen: Niederösterreich und Kroatien rücken wirtschaftlich enger zusammen. Doch hinter diesen Zahlen steht längst mehr als Handel: Es geht um die Frage, wie Europa künftig seine Energie sichert und von wem es abhängig ist.

Kroatien entwickelt sich derzeit zu einem strategischen Knotenpunkt: über Pipelines und Terminals an der Adria wird Energie in Richtung Mitteleuropa verteilt. Ein Netzwerk, das von Slowenien über Ungarn bis in die Slowakei reicht. Für Österreich könnte dieser Korridor in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen.

Strategischer Knotenpunkt

Damit Gas vom Terminal auf der Insel Krk tatsächlich bis nach Österreich und Bayern gelangt, braucht es den raschen Ausbau der Infrastruktur. Ohne neue Leitungen bleibt Kroatiens Rolle als Energie-Drehscheibe ein Versprechen.

In einer Delegationsreise nach Kroatien waren vor allem die wirtschaftlichen Beziehungen und die Energiepolitik Thema. In Gesprächen mit Premierminister Andrej Plenković und weiteren Regierungsmitgliedern ging es nicht nur um Kooperation, sondern um eine strategische Neuausrichtung: weg von Abhängigkeiten, hin zu einer breiter aufgestellten Energieversorgung.

Die Richtung ist klar: „Wir müssen uns unabhängiger machen“, sagte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Gemeint ist damit nicht nur die Gegenwart. Denn was heute Gasleitungen sind, könnten morgen die Transportwege für Wasserstoff sein und damit die Infrastruktur für Europas nächste Energieära.

„Für mich ist diese Reise die Bestätigung, dass Regionen zusammenhalten müssen, denn die Herausforderungen sind überall gleich. Wir müssen uns unabhängiger machen und so die Sicherheit für unser Land erhöhen“, betonte Mikl-Leitner.

Potenzial Bahn

Großes Potenzial in der Zusammenarbeit sieht die Landeshauptfrau in der Modernisierung der Bahn-Infrastruktur Kroatiens. Der Hafen von Rijeka sei ein wichtiger Handelsknotenpunkt und spielt eine wichtige Rolle für den Güterverkehr von und nach Niederösterreich. Transportwege sollen künftig verkürzt werden, wobei Niederösterreich auch beim Ausbau der Strecke profitieren soll. 

Bahningenieurinnen und Ingenieure sowie Infastrukturplanende beider Länder sollen zusammenarbeiten, um grenzüberschreitende Projekte entlang des Adria-Mitteleuropa-Korridors zu beschleunigen. Auch das geplante Bahncluster mit eigener Teststrecke in der Nähe von Wien soll wirtschaftliche Verbindungen schaffen. 

Dass Kroatien schon jetzt ein wichtiger Markt für niederösterreichische Unternehmen ist, zeigt sich an den Exportzahlen. Würden weitere Länder des Westbalkans der EU betreten, wäre das ein wesentlicher wirtschaftlicher Vorteil, da er Rechtsstandards schaffe, Handelsbarrieren abbaue und die Investitionssicherheit erhöhe, so die Landeshauptfrau

"Kroatien und Niederösterreich zeigen, wie regionale Kooperationen zu strategischen Pfeilern für Mitteleuropa werden können", sagt Mikl-Leitner. Dabei wurde klar: Es geht nicht nur um Pipelines und Schienen, sondern um die Zukunftsfähigkeit einer ganzen Region. 

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