© Weisbier Gilbert

Chronik Niederösterreich
05/02/2019

Mit Hacke attackiert: Pensionist kämpfte um sein Leben

72-Jähriger versuchte, Angriffe eines 20-Jährigen abzuwehren, der wahllos auf Opfer losging.

von Gilbert Weisbier

Ein an sich harmloser Streit mit seiner Mutter könnte der Auslöser für die Tat eines 20-jährigen Studenten aus dem Bezirk St. Pölten-Land gewesen sein. Der junge Mann soll, wie berichtet, am Mittwoch in Maria Anzbach einen Radfahrer mit dem Auto niedergemäht und anschließend mehrere Personen mit einer eisernen Gartenkralle attackiert haben. „Die Opfer wurden alle wahllos ausgesucht. Es grenzt an ein Wunder, dass nicht noch mehr passiert ist“, sagt Polizeisprecher Raimund Schwaigerlehner.

Radfahrer niederstoßen

Das Motiv dürfte in der psychischen Situation des 20-jährigen Studenten zu finden sein. Laut Ermittlern gibt es dazu eine Vorgeschichte. Nachdem der Student am Mittwoch zu Mittag mit der Mutter in Streit geraten war, soll er wutentbrannt weggefahren sein. Der Wagen rammte in Maria Anzbach von hinten einen Radfahrer. Während der 47-jährige schwer stürzte und am Straßenrand benommen liegen blieb, beging der Amoklenker Fahrerflucht und raste davon. Der verunglückte Radfahrer wurde ins Uniklinikum St. Pölten eingeliefert, die Verletzungen sind nicht lebensbedrohlich. Nachdem der Student sein Fahrzeug auf einem Feldweg abstellte, ging er – mit der Gartenkralle in der Hand – zu Fuß weiter.

„Ich bin im Wohnzimmer gelegen und habe gesehen, wie er über den Zaun in unseren Garten gesprungen ist“, erzählt Johann F., 72. Der Pensionist eilte zur unversperrten Tür des Einfamilienhauses. „Er hat mit dem Werkzeug gefuchtelt und Unverständliches gestammelt“, berichtet F., der ebenso wie seine 71-jährige Frau einen Kopfverband trägt und Schmerzen hat. Der ihm unbekannte Mann habe immer wieder auf ihn eingeschlagen, der Pensionist konnte nicht alle Schläge abwehren.

Seine Frau sei indessen ins Schlafzimmer geflüchtet, der junge Mann folgte ihr. „Ich wollte auf ihn losgehen, habe ihn aber nicht erwischt. Mit einem Stock wäre das vielleicht gegangen“, berichtet der Pensionist. Aber es sei alles so schnell gegangen, er habe nicht einmal den Pfefferspray von seinem Nachtkasten holen können.

Mehrmals zugeschlagen

Seine Frau war inzwischen in den Garten geflohen. Dort entdeckte der Angreifer sie , schlug sie nieder und flüchtete.

„Der Mann muss psychisch krank sein. Dann kann er eigentlich nichts dafür“, meint Johanna F. Wenn das der Fall sei, hoffe sie, dass es in Zukunft bessere Versorgung für psychisch kranke Menschen gibt.

Einsatz

Um das Geschehen zu beenden waren ein Polizei-Hubschrauber, Diensthundestreifen sowie Beamte der Sondereinheit Cobra notwendig. Der 20-Jährige sitzt in der Justizanstalt St. Pölten. Die Staatsanwaltschaft hat ein psychiatrisches und ein toxikologisches Gutachten in Auftrag gegeben, um abzuklären, ob der Student unter dem Einfluss irgend welcher Substanzen stand.

U-Haft verhängt

Über den Beschuldigten ist Freitagfrüh die U-Haft verhängt worden. Auf Rechtsmittel ist laut Auskunft des Verteidigers des 20-Jährigen verzichtet worden, teilte Leopold Bien, Sprecher der Staatsanwaltschaft St. Pölten, auf Anfrage mit.