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Chronik Niederösterreich
02/01/2019

Ordensbrüder in St. Gabriel: "Regiert die FPÖ oder die ÖVP?"

Den Steyler Missionaren gehört das Kloster St. Gabriel. Pater Franz Helm kritisiert den Umgang mit Flüchtlingen und die Politik.

von Katharina Zach

Als Ende November die umstrittene Asyleinrichtung in Drasenhofen auf Betreiben der Landeshauptfrau Mikl-Leitner geschlossen wurde, übersiedelten die Jugendlichen in das Caritas-Flüchtlingsheim im Kloster St. Gabriel der Steyler Missionare in Maria Enzersdorf, Bezirk Mödling. Zehn Burschen lebten zuletzt noch dort, am Donnerstag gab Landesrat Gottfried Waldhäusl bekannt, dass sie erneut umziehen müssen. Einer, der die Situation vor Ort kennt, ist Pater Franz Helm, Ex-Generalsekretär der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs, und Nachbar. Der KURIER traf ihn zum Gespräch über die Verzweiflung der jungen Asylwerber, Angst in der Bevölkerung und die Frage, wer NÖ regiert.

Wie haben Sie die Drasenhofen-Causa erlebt?

Ende November hat uns Klaus Schwertner von der Caritas gefragt, wie wir dazu stehen, wenn sie die Jugendlichen aufnehmen. Natürlich haben wir ja gesagt. Dann hat die Caritas der Landeshauptfrau das Angebot gemacht, die Jugendlichen aufzunehmen. Und sie hat das dann gegen den den Willen von Landesrat Waldhäusl verfügt. Diese Jugendlichen brauchen fixe Bezugspersonen. Sie brauchen Zuwendung, sie brauchen professionelle Unterstützung. Sie brauchen ein Sicherheitsgefühl wieder und eine Perspektive für die Zukunft. Und das ist nur erreichbar, wenn sie wo einen Rahmen dafür vorfinden. Das Bemühen der Caritas war dann, das zu garantieren.

Wie war zuletzt die Lage in St. Gabriel?

 Wir sind ja Vermieter und insofern Quartiergeber. So wie ich es verfolgt habe, hat es ein paar Wochen gedauert, bis die Caritas ein Team zusammenstellt hat, das wirklich so eine Unterstützung garantieren konnte. Dieses Team war dann mit Anfang 2019 gefunden und da haben wir dann ein wirklich sehr gutes Gefühl gehabt. Noch dazu haben sich Freiwillige gefunden, für Deutschunterricht für Freizeit und Kochen. Einer unserer jungen Mitbrüder unternimmt regelmäßig etwas mit den Burschen. Ab Jänner hat sich das wirklich sehr gut entwickelt. Dann ist ja die nächste Bombe geplatzt, nämlich, dass die, die 18 wurden verlegt wurden. Das ist ein irrsinniger Stress für die Jugendlichen. Sie wissen nicht, wohin sie kommen. Beziehungen, die mühsam aufgebaut wurden, werden wieder durchschnitten.

Was sagen Sie nun zu der Entscheidung des Herrn Landesrat?

Es ist ein Wahnsinn, was man diesen Menschen antut. Wir sind einfach nur entsetzt. Wir haben gestern auch einen Gottesdienst gehabt, wo wir für die Burschen und Betreuer gebetet haben.

Können Sie die Entscheidung nachvollziehen?

Soviel ich aus den Nachbarschafts-Jour-fix weiß, geht es um verschiedene Auffassungen wie Sicherheit gewährleistet werden kann. Und das Sicherheitskonzept von Herrn Waldhäusl war ja schon in Drasenhofen sichtbar: Die gehören weggesperrt bzw. bewacht. Leider springen da auch die Bürgermeister vor Ort auf. Die stellen zusammen mit der Asylbehörde die Forderung, dass die Jugendlichen, wenn sie das Haus verlassen, bewacht gehören. Und das ist nicht tragbar. Es ist gegen die Menschenrechte, so mit den Jugendlichen umzugehen. Und das kann die Caritas nie vertraglich zusagen, weil sie dann etwas Ungesetzliches zusagen würde. Ganz fies vorbereitet wurde das aus meiner Sicht mit der Polemik, der Caritas gehe es nur ums Geld. Und jetzt platzt man raus mit so einer Summe, bei der sich die Bevölkerung schreckt.

94.000 Euro für 16 Burschen ist zwar weniger als vom Landesrat kolportiert, aber dennoch viel Geld.

Man hat schon vergessen, dass das Konzept Waldhäusl in Drasenhofen 8500 Euro pro Nase gekostet hätte und dass dort eine sozialpädagogische und psychologische Betreuung, die die Jugendlichen benötigen nicht gewährleistet war. Es ging ums wegsperren und bewachen.

Hat die Bevölkerung rund um St. Gabriel tatsächlich Angst?

Kann ich schwer sagen. Ich kann nur von unserer Gemeinschaft sprechen. Wir leben hier praktisch Tür an Tür mit den Jugendlichen. Und da hat niemand Angst. Wir haben eine über 80-jährige Schwester, die geht Tag für Tag rüber ins Flüchtlingsheim und besucht die Menschen dort. Ich weiß auch, dass sich die Montessori-Schule, die sich auf unserem Gelände nur 100 Meter vom Caritas-Heim entfernt befindet, mit den Flüchtlingen solidarisiert hat. Jeden Sonntag stehen um 17 Uhr  Menschen vor St. Gabriel und drücken aus, dass sie für die Aufnahme von Flüchtlingen sind, weil diese Unterstützung brauchen.  Ich meine, bei diesen Demos sind 100 bis 150 Menschen, die bei Eiseskälte und im Wind und manchmal auch Schneefall und Regen dastehen und bekunden, dass sie solidarisch mit diesen Flüchtlingen sind.

Wie werden Sie Caritas unterstützen?

Wir vermitteln der Caritas immer, dass wir hinter ihnen stehen. Die Caritas hatte ja 2013 eine große Fläche in St. Gabriel gemietet für die Betreuung von Flüchtlingen, dafür hatte es einen langfristigen Mietvertrag gegeben mit eineinhalb Jahren Kündigungsfrist. Als die Flüchtlinge vorigen Sommer nach der Bluttat (ein unzurechnungsfähiger Bewohner brachte einen anderen um, Anm.) auf Geheiß Waldhäusls wegverlegt wurde, hat die Caritas gebeten, die Fläche massiv  zu reduzieren. Und wir sind der Caritas da sehr entgegen gekommen. Die Unterstützung ist schon auch so, dass wir teilweise die finanzielle Last, die für die Caritas und auch für uns entsteht, mittragen. Aber natürlich ist das auch nicht grenzenlos möglich.

Werden Sie sich wieder so wie im Vorjahr an die Landeshauptfrau wenden?

Ich habe heute früh schon an die Landeshauptfrau geschrieben. Wir haben, als wie im Juni 2018 die Petition #aufstehen zum Erhalt des Caritashauses St. Gabriel übergeben haben, eine Zusage von der Frau Landeshauptfrau gehört, dass 50 Flüchtlinge in St. Gabriel bleiben werden. Die Caritas hat ein Konzept  ausgearbeitet und im September eingereicht. Bis jetzt wurde das nicht entschieden, gibt es keinen Vertrag und es leben nur noch neun Flüchtlinge hier. Ich habe die Frau Landeshauptfrau in meinem Schreiben nun an dieses Versprechen erinnert. Sie hat versprochen, dass der Landesrat Waldhäusl mit uns Steyler Missionaren spricht, damit er merkt, wer als Quartiergeber dahinter steht. Bis jetzt hat sich weder jemand vom Büro der Landeshauptfrau noch vom Büro Waldhäusl gemeldet. Mein Eindruck ist, weil die Landeshauptfrau hier nicht interveniert, dass eine große Abhängigkeit der ÖVP von der FPÖ besteht und man fragt sich wirklich, in NÖ: Wer regiert eigentlich. Ist das die FPÖ oder die ÖVP? Und ähnlich im Bund: ist es Kickl oder ist es Kurz?

Wie haben Sie die Jugendlichen vor Ort kennengelernt?

Die Jugendlichen fallen überhaupt nicht auf, sie sind eine kleine Gruppe. Natürlich merke ich, dass sie ängstlich sind, weil sie als Verbrecher und Gewalttäter abgestempelt sind. Sie wollen nicht fotografiert werden, damit man sie nicht erkennt und mit dem Finger auf sie zeigt. Zwei sind mittlerweile in U-Haft genommen worden. So viel ich erfahren habe, waren es Drogendelikte. Das geschah in der Zeit, nachdem sie hier waren, nach dieser Wegweisung. Für mich ist da nicht die Caritas verantwortlich dafür. Sondern genau dieser Umgang mit diesen Jugendlichen, dass sie nicht die nötige Unterstützung bekommen, die sie brauchen. Verantwortlich ist diese Asylbehörde, die nicht das Kindeswohl und "Jugendlichenwohl" im Blick hat, sondern politische Interessen der FPÖ. Ich habe nach einem Zusammenbruch eines Bewohners am Donnerstag deshalb auch eine Gefährdungsmeldung bei der Abteilung für Kinder- und Jugendwohlfahrt des Bezirks Mödling und des Landes Niederösterreich eingebracht.

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