Warum sich Regionalzüge in NÖ häufiger verspäten
Symbolbild
Geduld ist eine Tugend, die im Vorjahr bei Zugfahrten im niederösterreichischen Nahverkehr besonders häufig auf die Probe gestellt wurde. Dem Bericht der unabhängigen Kontrollstelle Schienen-Control zufolge lag die Pünktlichkeitsrate entlang mehrerer Strecken bei unter 90 Prozent. Konkret kam es entlang der Südbahn, Nordbahn, Laaer Ostbahn, Nordwestbahn und Franz-Josefs-Bahn zu Verzögerungen.
„Generell steht die Ostregion vor der Herausforderung eines starken Bevölkerungswachstums und einer stetig steigenden Nachfrage im öffentlichen Verkehr“, heißt es auf KURIER-Anfrage seitens der ÖBB. Das Bahnunternehmen nennt mehrere Ursachen, die zu den häufigen Verzögerungen im niederösterreichischen Nahverkehr beigetragen hätten.
Bauarbeiten verursachen Verzögerungen
Ein Grund seien geplante Bauarbeiten an der Infrastruktur gewesen. Das betraf etwa die Franz-Josefs-Bahn zwischen Absdorf-Hippersdorf und Gmünd. Dort hätten sich der Bahnhofsumbau in Sigmundsherberg sowie die Streckensperre zwischen Göpfritz und Gmünd negativ auf die Pünktlichkeit ausgewirkt. Zusätzlich habe der durch Bauarbeiten auf der Summerauerbahn in Oberösterreich ausgelöste Umleitungsverkehr der Rail Cargo Group die Strecke belastet.
Zudem bekamen Zuggäste Verspätungen entlang der Wiener S-Bahn-Stammstrecke zu spüren – insbesondere im Weinviertel und im Industrieviertel.
Landbauer ortet „Qualitätskrise“
Als weitere Auslöser für Verzögerungen identifizieren die ÖBB Fahrzeugstörungen und Verspätungen im grenzüberschreitenden Verkehr. Hinzu kommen externe Faktoren, wie Personen im Gleisbereich, Notbremsungen, Rettungseinsätze, Vandalismus und Unfälle.
Kritik am Status quo des Nahverkehrs äußert unter anderem Verkehrslandesrat Udo Landbauer (FPÖ). Er ortet eine „Qualitätskrise“ bei den ÖBB. Der Landeshauptfraustellvertreter sieht die Bundesregierung als Eigentümerin der ÖBB in der Verantwortung, die Bahn auf Kurs zu bringen.
In Österreich sind die Bundesländer bei Regionalbahnen vor allem für die Bestellung und Finanzierung des Verkehrs zuständig. Die steigende Nachfrage habe das Land erkannt und vor zehn Jahren rund sechs Millionen Zugkilometer für Niederösterreich geordert. Mithilfe von Cityjet-Doppelstockzügen sei zudem die Anzahl der Sitzplätze gestiegen. Bis 2030 sollen insgesamt 108 dieser Garnituren im Einsatz sein. Gleichzeitig bremse der Sparrahmen des Bundes den weiteren Ausbau.
Aus Sicht der ÖBB braucht es Investitionen in die Infrastruktur, zusätzliche Kapazitäten und moderne Fahrzeuge, um die Pünktlichkeitswerte zu verbessern. Das Unternehmen verweist zudem auf mehrere Projekte, die künftig Entlastung bringen sollen. Geplant ist etwa der Ausbau der Laaer Ostbahn und der Nordwestbahn bis 2030. Bis 2034 sollen außerdem die Nordbahn und die Franz-Josefs-Bahn modernisiert werden. Zusätzlich ist vorgesehen, die Strecke zwischen Wien Meidling und Mödling viergleisig auszubauen.
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