Die Gemeindewohnungen sind begehrt

© Patrick Wammerl

Chronik Niederösterreich
06/18/2019

Nur wer Deutsch beherrscht, bekommt eine Gemeindewohnung

Wiener Neustadt verschärft die Kriterien bei der Wohnungsvergabe. Für Junge und Senioren wird die Miete günstiger.

von Patrick Wammerl

Die Warteliste für eine der 2.500 Gemeindewohnungen in Wiener Neustadt ist lange und das Griss um die begehrten vier Wände entsprechend groß. Das ist mitunter auch ein Grund, weshalb die Stadt Wiener Neustadt die Zugangskriterien zu den gemeindeeigenen Wohnungen verschärft. Nur wer entsprechende Deutschkenntnisse vorweisen kann, hat in Zukunft auch Anspruch auf eine der Wohnungen.

„Wer Wohnungen aus der öffentlichen Hand will, muss auch bereit sein, sich zu integrieren und unsere Sprache zu lernen. Analog zum Sozialhilfe-Grundgesetz wird es unter Sprachniveau B1 keine Wohnung mehr geben“, erklärt Wiener Neustadts Bürgermeister-Stellvertreter Michael Schnedlitz (FPÖ).

Bisher war es so, dass pro Monat etwa eine Handvoll Wohnungswerber kein Wort Deutsch konnten. 50 Jahre lang wurde eine Wohnungspolitik betrieben, die eigene Zuwanderervierteln geschaffen hat. Mit einem Migrationsanteil von fast 25 Prozent haben sich in zahlreichen Siedlungen Parallelgesellschaften entwickelt.

Dem will die Stadt nun weiter entgegensteuern. Vor allem in Bezug auf die deutsche Sprache will die Stadt keine Ausreden gelten lassen. „Wir haben in der Stadt den Österreichischen Integrationsfonds, der das Sprachniveau bestätigt oder auch Kurse anbietet, wenn es etwas nachzuholen gilt“, sagt Schnedlitz.

Bonus für Jung und Alt

Deutsch ist nicht das einzige Kriterium. Wer eine Gemeindewohnung haben möchte, muss außerdem drei der vergangenen fünf Jahre in Wiener Neustadt gemeldet gewesen sein.

Ab 1. Juli gibt es außerdem ein Zuckerl für Mieter, die jünger als 34 oder älter als 60 Jahre sind. Für sie wird ein um 25 Prozent geringerer Mietpreis verrechnet. Das soll vor allem Jungfamilien, Personen in Ausbildung oder mit geringeren Pensionen helfen, sich das Leben besser leisten zu können, sagt Schnedlitz.