Angespuckt, geschlagen: Buskontrolle eskaliert in St. Pölten
Tatort LUP-Bus in St. Pölten
„Ich bin mir nicht sicher“, meint die Richterin und schüttelt den Kopf, „ob das Anti-Aggressions-Training, das Sie schon einmal absolvieren mussten, etwas geholfen hat.“ Die Zweifel von Frau Rat sind angebracht, denn vor ihr sitzt ein Mann auf der Anklagebank, dem eine schwere Körperverletzung vorgeworfen wird – obwohl er sich eigentlich mittlerweile im Griff haben sollte.
Der Vorfall, der nun am Landesgericht St. Pölten verhandelt wird, hatte sich am 30. März 2026 in der Landeshauptstadt zugetragen. Der Angeklagte, ein 20-jähriger St. Pöltner, war mit seiner schwangeren Lebensgefährtin mit dem Bus unterwegs zum Universitätsklinikum. Einen Fahrschein hatte er nicht. „Es war Ende des Monats, und das Geld war schon knapp“, berichtet er.
„Er hat mich auf das Primitivste beschimpft“
Der Mann hatte Pech: Zwei Kontrolleure ertappten den Schwarzfahrer und stellten ihn zur Rede. Schnell wurde es hitzig. „Er hat mich aufs Primitivste beschimpft“, erinnert sich der 58-jährige Kontrolleur, der für die Niederösterreichische Verkehrsorganisationsgesellschaft (NÖVOG) tätig ist.
Vor dem Bus schaukelte sich die zunächst noch verbale Auseinandersetzung schließlich immer weiter hoch. „Er hatte mir keinen Respekt gezeigt, deshalb habe ich dann auch meinen Respekt ihm gegenüber verloren“, so der Angeklagte in seiner Einvernahme. Als der 58-Jährige den Zahlschein ausstellte, spuckte ihm der 20-Jährige plötzlich ins Gesicht. „Wir sind solche Dinge ja leider gewohnt, aber das war schon extrem“, sagt der NÖVOG-Mitarbeiter, der den jungen Mann in weiterer Folge an der Schulter gepackt haben soll.
Dann soll der Schwarzfahrer zugeschlagen haben. Der Kontrolleur kassierte einen Faustschlag ins Gesicht, seine Brille zerbrach, Blut rann über sein Gesicht.
Das Opfer erlitt eine Rissquetschwunde. Seit dem Tag des Vorfalls befindet es sich im Krankenstand. „Ich habe ein Trauma erlitten, ich habe Schlafstörungen“, so der 58-jährige Niederösterreicher.
NÖVOG fordert mehr als 27.000 Euro
Für den mutmaßlichen Angreifer könnte der Schlag samt Folgen massive Auswirkungen haben. Der Opferanwalt fordert 2.500 Euro Schmerzengeld, der Betrag könnte sich noch erhöhen. Der Vertreter der NÖVOG verlangt mehr als 27.000 Euro, unter anderem für Verdienstentgänge und weitere Kosten.
Ob der 58-Jährige tatsächlich unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet, soll nun ein Gutachter klären. Der Prozess wurde deshalb vertagt.
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