Hamster statt Bagger? Strenger Artenschutz bremst Sportplatz-Pläne
Der Feldhamster steht unter strengem Schutz.
Während ein Fußballmatch regulär 90 Minuten dauert, befindet sich der SC Landhaus St. Pölten nun schon in einer kräftezehrenden Verlängerung, die bereits mehr als zehn Jahre andauert – und sie könnte sich noch weiter hinziehen.
Lange waren die Kicker des Traditionsklubs auf der Suche nach einer neuen Spielstätte, nachdem die Anlage in Unterwagram zu einem Sanierungsfall geworden war. Im Jahr 2019 waren die mehr als 180 Sportlerinnen und Sportler sowie zahlreiche Kinder und Jugendliche schließlich optimistisch: Sie gingen davon aus, zum Sturm-19-Platz übersiedeln zu können. Doch daraus wurde nichts. Die Stadt machte aus dem Spielfeld einen großen Park – die Suche nach einer neuen Heimstätte ging weiter.
Im April 2025 machte die Stadt St. Pölten schließlich Nägel mit Köpfen. In einem Grundsatzbeschluss wurde entschieden, dass die neue Spielstätte am Kremserberg entstehen soll. Ausverhandelt wurde der Deal zwischen SPÖ-Bürgermeister Matthias Stadler und Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP). Die geschätzten Gesamtkosten: rund 5,4 Millionen Euro.
Manche Anrainer sind skeptisch
Doch es sollte nicht lange dauern, bis sich am Kremserberg Widerstand regte. Eine Interessensgemeinschaft läuft Sturm gegen das Vorhaben. Die Befürchtungen sind nach wie vor vielfältig: Sorgen um Lärm, Lichtemissionen sowie den Erhalt des Naherholungsgebiets samt Panoramaweg. Insgesamt wurden knapp 1.000 Unterschriften gegen die geplante Sportanlage am Kremserberg gesammelt.
Die Stadt will das mehr als fünf Millionen Euro teure Projekt dennoch umsetzen. Die Pläne liegen vor, und bei der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde bereits die Vergabe der Bau- und Lieferleistungen an die jeweiligen Billigstbieter beschlossen.
Die Bagger werden dennoch vorerst nicht auffahren. Der Grund: Zunächst müssen noch die baubehördlichen und naturschutzrechtlichen Verfahren abgeschlossen werden. Besonders in Sachen Natur- und Artenschutz könnte es noch spannend werden. Denn vor einigen Tagen meldete ein Anrainer den Fund eines toten Feldhamsters am Kremserberg. Seitdem ist auch der Wiener Tierschutzverein in die Causa involviert.
„Streng geschützt“
„Der Feldhamster ist in Österreich streng geschützt. Der Europäische Gerichtshof hat in zwei wegweisenden Verfahren zum Wiener Feldhamster den strengen Artenschutz massiv gestärkt. Die Urteile untersagen die Zerstörung und Beschädigung von Hamsterbauten strikt, selbst wenn diese unbewohnt oder verlassen sind“, sagt Michaela Lehner von der Stabsstelle Recht im Tierschutzverein im Gespräch mit dem KURIER.
Das bedeutet: Selbst wenn die Experten auf dem Areal keine lebenden Feldhamster finden, könnte bereits die Möglichkeit einer Rückkehr der Tiere genügen, um das Projekt zu Fall zu bringen.
Laut Stadt sei man den Anrainern bereits bei den Planungen für den Sportplatz entgegengekommen. So soll unter anderem ein Wall errichtet werden, damit sich die Anlage besser in das Landschaftsbild einfügt. Außerdem wird die Tribüne gedreht, um die Lärmbelastung zu reduzieren. Wann die Verfahren abgeschlossen sein werden, lasse sich derzeit noch nicht sagen, so ein Sprecher.
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