Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

"Sensibles Thema": Wo das Wasser für die Haushalte noch aus Brunnen kommt

Vier Gemeinden in Niederösterreich speisen ihr Wasser aus Hausbrunnen in die Haushalte. Die Gründe dafür sind vielfältig.
Wasser fließt aus dem Wasserhahn in ein Glas.

Von den 573 Gemeinden in Niederösterreich gibt es vier, in denen es noch kein öffentliches Trinkwassernetz gibt. Drei davon liegen im Weinviertel, eine im Waldviertel. Dort kommt das Wasser aus den Hausbrunnen.

"Ich hab" gar nicht gewusst, dass es noch Gemeinden gibt, in denen es kein öffentliches Wassernetz gibt", wurde eine ältere Dame beim Hauskauf in Haringsee überrascht. Die Gemeinde im Bezirk Gänserndorf ist eine der vier Kommunen. Dort soll, wie berichtet, im Herbst 2026 der Baustart für eine öffentliche Trinkwasserleitung erfolgen. Die EVN wird die Gemeinde mit Wasser versorgen. Ein Projekt, das nicht unumstritten ist. 

Wasser in Haringsee ist nicht trinkbar

Doch das Wasser ist in der Gemeinde nicht trinkbar. "Eigentlich müsste ich überall "Kein Trinkwasser" draufkleben", so Bürgermeister Roman Sigmund (ÖVP) bei einer Info-Veranstaltung im Mai. "Wir liegen mitten im landwirtschaftlichen Hochgebiet", erklärt er die zu hohen Nitratwerte. In der Schule und im Kindergarten sind Wasserspender aufgestellt.

Die Gemeinden Orth an der Donau und Eckhartsau liegen direkt neben Haringsee und sind die beiden weiteren Gemeinden, die über kein öffentliches Wassernetz verfügen. "Wir beobachten die Wasserqualität ganz genau", sagt Elisabeth Wagnes, Bürgermeisterin von Orth/Donau (ÖVP). 

Wasserwerte sind in Orth/Donau in Ordnung

Hier kommt das Trinkwasser ebenfalls aus Hausbrunnen. Die Werte seien hier in Ordnung, was aber immer wieder Thema sei, sei der Grundwasserspiegel. "Es passiert ab und zu, dass Brunnen austrocknen und man nachbohren muss", weiß die Bürgermeisterin.

Ein öffentliches Trinkwassernetz sei zwar Thema, weil "wir nicht wissen, was in zehn oder 15 Jahren ist", aber so akut wie in Haringsee sei es nicht. Für Wagner ist aber klar: "Wenn es die Werte fordern, dann muss man handeln."

In Eckhartsau gab es bereits eine Machbarkeitsstudie für die Errichtung einer Wasserleitung. Was folgte, war eine Volksbefragung im November 2022, da stimmten 67 Prozent gegen eine Wasserleitung. 

"Das Thema ist sensibel", sagt Bürgermeister Thomas Miksch (ÖVP). Die Wasserqualität sei in seiner Kommune ebenfalls besser als in Haringsee. "Das ist wie in Orth, wir liegen näher an der Donau." Jedoch bestehe Eckhartsau aus fünf Katastralgemeinden. Nicht überall ist der Nitratwert so niedrig und stabil. 

Einmalige Anschlussgebühr schreckt ab

Miksch war bei der Infoveranstaltung im Mai in Haringsee. "Dort haben die Leute, wie bei uns damals auch, Angst vor der einmaligen Zahlung", erkannte er Parallelen. Er gibt aber zu bedenken: "Wenn das Grundwasser sinkt, muss man den Brunnen nachschlagen." Das verursache ebenso Kosten wie die Anschlusskosten, gibt er zu bedenken. In Eckhartsau werde es jedenfalls noch dauern, bis ein neuer Anlauf unternommen wird, was die Wasserleitung betrifft.

Die vierte Gemeinde in Niederösterreich, die noch nicht über ein öffentliches Trinkwassernetz verfügt, ist Waldkirchen an der Thaya, über zwei Stunden entfernt von den anderen Gemeinden. 

Gemeindegebäude haben eigenes Wasserleitungsnetz

Alle Gemeindegebäude sind an ein gemeindeeigenes Wassernetz angeschlossen; Volksschule, Kindergarten und Gemeindezentrum samt Gasthaus sind an eine eigene Wasserleitung angeschlossen, die ab 2010 gebaut worden ist. Das Wasser dazu kommt aus dem Gemeindebrunnen, der früher ein Molkereibrunnen war und genug Wasser führen würde, um die gesamte Gemeinde zu versorgen.

"Es wurde viel verbrannte Erde hinterlassen. Die Diskussionen wurden vor 20 Jahren so emotional geführt, dass sich sogar Familien zerstritten haben." 

von Reinhard Ringl

Bürgermeister von Waldkirchen

Waldkirchen hat sieben Katastralgemeinde und um die 480 Einwohner. Das Thema ist in der kleinen Gemeinde, in der die ÖVP 13 von 13 Mandataren stellt, ein heikles, wie Bürgermeister Reinhard Ringl im KURIER-Gespräch erzählt: "Es wurde viel verbrannte Erde hinterlassen. Die Diskussionen wurden vor 20 Jahren so emotional geführt, dass sich sogar Familien zerstritten haben." 

Wasserleitungsnetz wurde zum Wahlkampfthema

Im Zuge des Straßenbaus und des Baus der Kläranlage sollte auch ein öffentliches Trinkwassernetz errichtet werden. Doch "eine Oppositionspartei war gegen Trinkwasser, nur aus Polemik", schildert Ringl. Das Wasserleitungsnetz wurde zum Wahlkampfthema, die SPÖ stellte danach den Bürgermeister. "Das Projekt hätte die Gemeinde damals um die 100.000 Euro gekostet", weiß der amtierende Bürgermeister. Heute sei es ein Vielfaches.

Doch: "Wir haben in den sieben KGs jährlich Ortsversammlungen, da ist das Thema Wassernetz schon lange nicht aufgepoppt." Denn für den Bürgermeister ist eines klar: Wenn ein öffentliches Trinkwassernetz errichtet werden soll, dann müsse die Initiative von den Bürgern ausgehen. Dass das bald der Fall sein wird, glaubt Ringl nicht. 

Ein Großprojekt für die Zukunft

Er vermutet, dass es noch eine Generation dauert, bis das Projekt wieder in Angriff genommen werden kann. Ein Beispiel: "Vor einigen Jahren gab es eine Dürrewelle, da wurden einige Häuser alle paar Tage von der Feuerwehr mit Wasser versorgt", erinnert sich der Gemeindechef. Im Zuge eines Kanalprojekts wurde auch hier gefragt, ob eine Wasserleitung errichtet werden soll. "Nicht einmal die Betroffenen wollten sich anschließen."

Kommentare