Trinkwasser für Haringsee: Streit um EVN-Projekt und FPÖ-Antrag
In der Gemeinde Haringsee im Marchfeld gibt es noch keinen Trinkwasserleitung, das Wasser kommt aus Hausbrunnen.
In Haringsee, einer Gemeinde mit 1.160 Einwohnern im Bezirk Gänserndorf, kann man das Wasser aus den Leitungen zwar trinken, ratsam sei es allerdings nicht. Vor allem Kinder sollen es nicht trinken. "Wir haben in den Kindergärten und Volksschulen Trinkwasserspender aufgestellt", bestätigt Bürgermeister Roman Sigmund (ÖVP).
Warum ist das so? Die Marchfelder Gemeinde hat keine Trinkwasserleitung. Das Wasser kommt seit je und je aus den Hausbrunnen. "Unser Grundwasser hat sehr hohe Nitratwerte, weil wir im landwirtschaftlichen Hochgebiet liegen", erklärt der Bürgermeister. Darum fasste der Gemeinderat im Jahr 2021 den Beschluss, Ortswasserleitungen in Haringsee sowie den Katastralen Staudorf und Fuchsenbigl zu errichten.
Trinkwassernetz soll mit EVN errichtet werden
Laut Ziviltechniker gibt es zwei Varianten: Die Gemeinde errichtet selbst ein Wasserwerk und betreibt die Wasserleitungen selbst; Kostenpunkt: 9 Millionen Euro. Die zweite Option: Die EVN-Wasser übernimmt das Ganze. Da die Gemeinde dann nur 5,5 Millionen in die Hand nehmen müsse und, so der Bürgermeister, eine 50-prozentige Förderung lukrieren kann, entschied sich der Gemeinderat für diese Variante. Eine Bewilligung für die Errichtung der Wasserleitung gibt es.
"Die Zusammenarbeit mit der EVN-Wasser ist seitdem Grundlage aller Gemeinderatsbeschlüsse", betont Sigmund. Im Dezember 2025 wurde die Begehung aller Liegenschaften durch Ziviltechniker beschlossen, einstimmig. "Solange wir keine Wasserleitung haben, steht die Gemeinde, weil wir keine Umwidmungen mehr machen", informiert der Bürgermeister.
Manche Brunnen bereits versiegt
Momentan steht es noch gut um den Grundwasserspiegel, obwohl sich die Niederschläge in Grenzen gehalten haben. Doch Sigmund erinnert sich: "2021/22 sind einige Hausbrunnen und ein Löschbrunnen versiegt." Ebenfalls ein Grund, weshalb die Orte eine öffentliche Trinkwasserleitung bekommen sollen.
"Mich haben danach 120 Leute angerufen und gebeten, sie von der Liste zu streichen. Ihnen wurde gesagt, dass wir keine öffentliche Wasserleitung bekommen, wenn sie nicht unterschreiben."
ÖVP-Bürgermeister
Doch in der Mai-Sitzung stand ein Initiativantrag, ausgearbeitet von der FPÖ, die seit Jänner 2025 mit drei Mandataren im Gemeinderat vertreten ist, auf der Tagesordnung. Dieser forderte eine Volksbefragung, ob das Übereinkommen mit der EVN-Wasser wieder aufgehoben werden soll. "Zahlreiche Bürger haben den Wunsch geäußert, bei diesem großen Infrastrukturprojekt mitentscheiden zu können", erklärt FPÖ-Mandatar Albert Klimpfinger auf KURIER-Nachfrage. Über 150 Menschen haben unterschrieben.
FPÖ wehrt sich gegen ÖVP-Vorwurf
"Mich haben danach 120 Leute angerufen und gebeten, sie von der Liste zu streichen. Ihnen wurde gesagt, dass wir keine öffentliche Wasserleitung bekommen, wenn sie nicht unterschreiben. Das ist eine blanke Lüge", schildert der Bürgermeister im KURIER-Gespräch.
"Nein, dieser Vorwurf stimmt nicht", so Klimpfinger. Bei den Gesprächen mit der Bevölkerung sei ausdrücklich darauf hingewiesen worden, dass es bei der Unterschrift nicht "um ein ,Ja" oder ,Nein" zur Wasserleitung geht, sondern ausschließlich darum, eine Volksbefragung zu ermöglichen und damit der Bevölkerung ein Mitspracherecht einzuräumen."
Was den Bürgermeister wundert: Die Freiheitlichen stimmten bei allen Beschlüssen rund um den Bau einer Ortswasserleitung mit, selbst das Budget wurde einstimmig beschlossen. "Im Gemeinderat stimmen sie mit und draußen reden sie ganz anders." Da es bisher eben nur einstimmige Beschlüsse gibt, sagt Sigmund: "Das Projekt ist auf Schiene."
Warum Freiheitliche mitstimmen
Klimpfinger erklärt: "Wir haben insbesondere dort zugestimmt, wo es um mögliche Kostenreduktionen für die Bürger gegangen ist." Verhandlungen über mögliche Mitfinanzierungen werde selbstverständlich zugestimmt, weil: "Wir können ja heute noch gar nicht wissen, wie eine mögliche Volksbefragung ausgehen würde", so der Freiheitliche.
- Zum Thema Trinkwasserleitung findet eine öffentliche Informationsveranstaltung statt.
- Am 26. Mai wird in der ArtforArt Halle, dem ehemaligen Impfzentrum, in der Bahnstraße 13-15 in Haringsee informiert.
- Einlass: 18 Uhr
- Beginn: 19 Uhr
"Ich hatte gefühlt 1.000 Gespräche"
Die FPÖ wirft dem Gemeindeoberhaupt vor, die Bevölkerung nicht über das Großprojekt informiert zu haben. "Ich hatte gefühlt 1.000 Gespräche. Seit 2024 informiere ich in jeder Gemeindezeitung, die vier Mal im Jahr erscheint, über den aktuellen Stand", entgegnet Sigmund, der sich für Transparenz ausspricht und darum zu einer Infoveranstaltung am 26. Mai einlädt - Bürger wie Mandatare.
Der Initiativantrag der FPÖ wurde im Haringseer Gemeinderat übrigens nicht behandelt. Er wurde per Bescheid abgelehnt: "Es hätte großen Einfluss auf die Abgaben für die Bürger gehabt, die Kosten würden explodieren", erklärt Sigmund.
FPÖ wird gegen Bescheid Beschwerde erheben
"Wir werden gegen den Bescheid Beschwerde beim Landesverwaltungsgericht Niederösterreich erheben", kündigt Klimpfinger im KURIER-Gespräch an. Für die Freiheitlichen sei es völlig unverständlich, "mit welcher teils abenteuerlichen Argumentation der Bürgermeister versucht, eine Volksbefragung zu verhindern". Bei einem Projekt dieser Größenordnung sollte die Bevölkerung aus Sicht der FPÖ mitreden dürfen.
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